• Lotte Laserstein im Potsdam Museum: „Ein extra Pfund in der Waagschale“

Lotte Laserstein im Potsdam Museum : „Ein extra Pfund in der Waagschale“

Was der Erwerb von Lotte Lasersteins Gemälde „Selbstporträt vor ,Abend über Potsdam‘“ für die Erweiterungsambitionen des Potsdam Museums bedeutet.

Lena Schneider
Jutta Götzmann, Direktorin des Potsdam-Museums, mit dem Laserstein-Selbstporträt.
Jutta Götzmann, Direktorin des Potsdam-Museums, mit dem Laserstein-Selbstporträt.Foto: Soeren Stache/dpa

Potsdam - Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zugleich zeigen - das kann nur die Kunst. Und auch die nur bestenfalls. Lotte Lasersteins Gemälde "Selbstporträt vor 'Abend über Potsdam'" ist so ein Fall. Als die Malerin sich 1950 selbst porträtierte, malte sie nicht nur die Anfang fünfzigjährige Künstlerin im schwedischen Exil, die sie damals war. Sie malte zugleich ihre eigene Jugend, festgehalten auf dem 1930 entstandenen Bild "Abend über Potsdam", das im Bildhintergrund zu sehen ist. Und sie holt die Zukunft mit in das Bild: über den festen Blickkontakt mit den Betrachtern. Mit uns.

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Seit Anfang dieser Woche befindet sich das Bild im Bestand des Potsdam Museums. Ein Glücksfall, dem auch überregionale Feuilletons Aufmachertexte widmeten. Fast wäre das Bild in der Neuen Nationalgalerie in Berlin gelandet, wo sich bereits Lasersteins "Abend über Potsdam" befindet. Jutta Götzmann gelang es, das Gemälde mit Hilfe der Ernst von Siemens Kunststiftung nach Potsdam zu holen, was man getrost als Coup bezeichnen darf. Künstlerisch, aber auch strategisch: Ein Museum, das seit einiger Zeit ein eigenes Kunstmuseum einfordert, in jüngster Zeit auch vehement, hat sich hiermit um ein starkes Argument reicher gemacht.

Laserstein, Ascher, Langenstraß-Uhlig: Das Potsdam Museum will der "verlorenen Generation" ein Gesicht geben

Seinen Platz wird das Gemälde aber zunächst in der Dauerausstellung des Museums finden, die 2023 neu präsentiert werden soll. Museumsleiterin Jutta Götzmann bezeichnet es als zentrales Anliegen, der "verlorenen Generation ein Gesicht zu geben": jene Künstlerinnen und Künstler zurück ins kollektive Gedächtnis zu holen, die vor den Nationalsozialisten ins Exil flüchten mussten und dann vergessen wurden. Ein Auftakt dazu war 2017 die Ausstellung zu dem Maler Fritz Ascher, der sich in den 1930er Jahren in Potsdam vor den Nazis versteckte und dann hier im Gefängnis einsaß. 

Jutta Götzmann nennt andere, die ähnliche Schicksale erlebten, ähnliche Aufmerksamkeit verdienten. Die Käthe-Kollwitz-Schülerin Gertrude Sandmann etwa, von der das Werk komplett im Depot des Museums schlummert, oder Magda Langenstraß-Uhlig, die während der NS-Zeit einem Ausstellungsverbot unterlag. "In diese Reihe von Künstlerinnen fügt sich Lotte Laserstein wunderbar ein", sagt Jutta Götzmann. Und es ist die prominenteste. "Auf dem Niveau haben wir nichts Vergleichbares."

Sie hat weitere im Privatbesitz befindliche Bilder von Laserstein im Blick, die sie gern als Leihgabe zeigen würde. Ob das gelingen kann, muss sich noch zeigen. Ist ein solches Schwergewicht in der Sammlung nun also auch ein Argument für das ersehnte Kunstmuseum zu verstehen? "Auf jeden Fall", sagt Jutta Götzmann. "Die Kunst wird in der neuen Dauerausstellung nur einen Teil des Raumes einnehmen können, und der ist auch ziemlich begrenzt." 

Wichtige zeitgenössische Arbeiten wie etwa der Zyklus, den der Potsdamer Künstler Stefan Pietryga Lasersteins "Abend über Potsdam" gewidmet hat, fänden in der Dauerausstellung einfach keinen Platz, sagt Götzmann. "Auch in Hinblick auf Lotte Laserstein muss man sagen: Es wäre natürlich wunderbar, man hätte eine ständige Ausstellung zu Kunst." Auch jenseits von Sonderausstellungen. "Wir haben eine ganz wunderbare Kunstsammlung auch mit Potsdamer Größen. Wir hätten absolut das Potenzial für eine ständige Kunstausstellung. Mit Namen wie Lotte Laserstein wiegt das Pfund nochmal um einiges mehr, was wir in die Waagschale werfen können."

Auf dem Weg zum neuen Kunstmuseum?

Bleibt die Frage: Wie soll das neue Kunstmuseum aussehen? Eine Machbarkeitsstudie wurde bekanntlich bereits in Auftrag gegeben. Götzmann zufolge gab es erste Gespräche mit einigen Architekten. Auch wird geprüft, ob sich Räumlichkeiten in der Nähe des Museum anmieten ließen, "als Dependance", wie Götzmann sagt. Im Kulturausschuss hatte sie gesagt, sie benötige eine Fläche von 1000 Quadratmetern für das Kunstmuseum. 

Eine weitere gute Neuigkeit ist indessen: Lotte Laserstein wird nicht bis 2023 im Depot verschwinden müssen - wo es ja bekanntlich, eine weitere Dauerbaustelle des Potsdam Museums, auch viel zu wenig Platz gibt. Das "Selbstporträt vor 'Abend über Potsdam'" soll schon im Januar 2021 in Potsdam präsentiert werden.


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