Kultur : Leichtes Sommermenü

KrimiFilmshow erlebte im „Lé Manege“ Potsdam-Premiere

Astrid Priebs-Tröger
Tanz mir den Trinker-Blues. Isabell Gerschke als Herzdame Roxanne.
Tanz mir den Trinker-Blues. Isabell Gerschke als Herzdame Roxanne.Foto: Manfred Thomas

Krimi zieht. Immer. Und bekannte Schauspieler hautnah erleben ebenso. Lauter entspannte Besucher mit leichten Sommerweinen in den Gläsern warteten am Donnerstagabend locker plaudernd auf den Einlass ins „Lé Manege“ im Potsdamer Kutschstallensemble. Hierher hatte die „Maren Courage KrimiFilmshow“ eingeladen, um die erste Premiere ihres neuen Formats aus Film und Theater zu präsentieren. Im Veranstaltungssaal mit zwei riesigen Kristallkronleuchtern standen die Stühle dicht gedrängt. Doch die Plätze der ersten fünf von insgesamt sieben Reihen trugen Reserviert-Zettel, sodass es gar nicht leicht wurde, einen günstigen Platz, der gleichzeitig genug Sicht auf Leinwand und Bühne bot, zu erobern.

Denn eine gute Sicht brauchte man schon, um den ständigen Wechsel zwischen Filmszenen auf der Leinwand und live gespielten Szenen auf dem erhöhten Podest mitzukriegen. Zumal es in dieser Show um einen Kriminalfall gehen sollte, dessen Aufklärung live stattfinden würde. Doch zuerst einmal sah man auf der Leinwand ein knutschendes Pärchen in einer Vollmondnacht und alles hätte so schön (romantisch) sein können. Stattdessen sitzt die Herzdame Roxanne (Isabell Gerschke) Sekunden später allein und heulend auf einer Parkbank und einen Moment später leibhaftig auf der Bühne im „Lé Manege“ und die sommerleicht locker gestrickte Geschichte um einen von- Vollmond- zu-Vollmond-Liebhaber (Robert Glatzeder) nimmt ihren Lauf.

Dieser gut aussehende, charmante und zudem poetische Gigolo ist wenige Minuten später mausetot und als Täter kommen nicht nur seine drei verflossenen Geliebten, sondern auch der Ehemann (Martin Kautz) der gerade verlassenen Roxanne infrage. Der Mordfall Jack Dalton beschäftigt jetzt nicht nur das Gericht (Udo Schenk, Charles Rettinghaus und Thomas Arnold), sondern auch Reporter George Pickup, der von Jörg Schüttauf gewohnt verschmitzt verkörpert wurde, der aber leider nicht wie angekündigt leibhaftig dabei sein konnte, sondern nur als Livestream eingespielt wurde.

Die Gerichtsverhandlung wurde auf der Theaterbühne vom hochkarätig besetzten Ensemble routiniert durchgezogen, bot jedoch für die einzelnen Akteure (Viktoria Sturm, Noémi Besedes) wenig Spielmaterial. Und am Ende, nach immer wieder neuen Einschüben, stand fest, dass es niemand von den anfangs Verdächtigen war. Stattdessen zeigte ein soeben erst aufgetauchtes Video die ziemlich somnambule „Botschaft“ des Selbstmörders Jack Dalton, die so gar nicht zum Lebensgefühl einer so lauen Sommernacht passte. Aber das Video ließ auch viele Fragen offen, sodass man nicht wusste, ob es nicht einfach eine falsche, aber vom Gericht akzeptierte Fährte war. Die Verhandlung endete daraufhin mit einem Freispruch für Roxanne und der erste knapp einstündige Teil des Abends mit roten Rosen für die Darsteller.

Die hatten auf dieser von der Theaterregisseurin Maren Courage initiierten Plattform nicht paritätisch, aber in den Hauptrollen ausreichend Gelegenheit, sich zu präsentieren, was besonders Isabell Gerschke mit ihrem Spiel vor der Kamera und auf der Bühne, ihren Tanz- und Gesangeinlagen nutzte. Schön auch, dass es viel Raum für Potsdam als filmischen Hintergrund gab, zumal das Projekt als „Tatort Potsdam“ Teil des Themenjahres 2011 ist und auch vom Fachbereich Kultur der Stadt gefördert wurde.

Leider hielt der Abend danach viel Länge bereit, auch wenn der Großteil der Besucher die fast einstündige Pause bei Wein und Gesprächen im sommernächtlichen Kutschstallhof überbrückte oder das bestellte Essen verzehrte. Es wäre schöner und wahrscheinlich passender gewesen, wenn die Musikerin Melanie Barth, die vorher die KrimiFilmshow live auf dem Akkordeon begleitete, die französischen und Piazzolla-Melodien nicht nur zehn Minuten zu Beginn des zweiten Teils, sondern schon in der überlangen Pause gespielt hätte. Und der Kurzfilm „Schlussklappe“ von Tim Haberland wirkte künstlich angeklebt. Summa Summarum: Das Konzept ist originell und ausbaufähig, aber bei der einzelnen Filmshow-Veranstaltung ist weniger sicher mehr. Oder beide Teile des Abends müssten wenigstens einigermaßen gleich gewichtet sein. Astrid Priebs-Tröger

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