Kultur : Lauschiges Naturtheater

Klaus Büstrin

Mehrmals schon sollte das Hans Otto Theater ein neues Haus erhalten. Aber immer wieder wurde ein Neubau verschoben, kurz nach der Wende der Rohbau des Theaters sogar abgerissen, weil dieser „am falschen Platz“ stand. Am 22. September 2006 ist es soweit: Am Havelufer in der Schiffbauergasse wird sich der Vorhang im neuen Haus öffnen. In unserer Serie wollen wir an die vergangenen Jahrzehnte des Theaters erinnern, an Künstler auf der Bühne, dahinter und davor, an Schauspiel- und Musiktheaterereignisse, an Episoden aus dem Theaterleben Potsdams.

HEUTE: Die Parkoper

Hinter dem Zaun ist Ruhe angesagt, seit mehr als 40 Jahren. Man ahnt nicht, dass an diesem romantischen Ort – zwischen Drachenhaus und Maulbeerallee – Theater gespielt wurde. Nur das zum Wohnhaus umgebaute Eingangshäuschen erinnert daran, dass sich hier einst die Parkoper befand.

1953 fanden in Berlin die Weltfestspiele der Jugend statt. Auch Potsdam sollte in das Festspielgeschehen einbezogen werden. In dem von Georg Potente gestalteten Landschaftspark fand man ein Areal, das man als Naturtheater nutzen konnte. Also wurde eine weiträumige Bühne geschaffen, die von einem dichten „Wald“ abgeschlossen wurde. Auch ein Orchestergraben gehörte dazu. Im aufsteigenden Halbrund saßen die Zuschauer. An lauen Sommerabenden konnte man dort wunderbare Theateraufführungen erleben. Die Berliner Staatsoper kam mit dem „Dornröschen“-Ballett nach Potsdam, das Kleist-Theater Frankfurt an der Oder mit Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“ und mit Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“.

Vor allem nutzte das Hans Otto Theater die Parkoper als Spielstätte. In ihr konnte man zu mancher Vorstellung gleich bis zu 2000 Besucher begrüßen. Operettenaufführungen waren besonders gefragt. So gaben sich „Der Zigeunerbaron“ oder „Gasparone“ mit den damaligen Publikumslieblingen Erika Kowalski, Thea Schmidt-Keune, Ursula Fröhlich, Leo de Beer oder Hans-Heinrich Gülzow im Park Sanssouci ein Stelldichein. Große Resonanz beim Publikum fand die Premiere der Weber-Oper „Der Freischütz“ am Pfingstsonnabend 1960. Sie war zugleich die Eröffnung der Parkfestspiele Sanssouci. Intendant und Regisseur Gerhard Meyer konnte wohl kein besseres Bühnenbild für die Romantische Oper finden als hier im Naturtheater. Unvergessen, mit welcher Dämonie der Bassist Armin Terzibaschian die Partie des Kaspar in der Wolfsschlucht gestaltete. Aber auch Jola Koziels Agathe, Margret Grunds Ännchen sowie Gert Bahners Dirigat hinterließen nachhaltige Eindrücke. „Der Freischütz“ wurde nur wenige Male gespielt, dann ging man mit der Inszenierung, wie vorgesehen, ins Theaterhaus in der Zimmerstraße.

Calderons Schauspiel „Der Richter von Zalamea“ war das einzige Sück, das das Hans Otto Theater 1961 direkt für die Parkoper in Szene setzte. Das „revolutionäre“ Stück des spanischen Barockdichters wurde prominent besetzt. Für die Titelrolle konnte Hansjoachim Büttner gewonnen werden, der kurz zuvor sehr erfolgreich den Richter in der DEFA-Verfilmung von Martin Hellberg verkörperte. Die Breitwand–Bühne nutzte man bestens für die zahlreichen dramatischen Aktionen, bei denen auch Pferde mitspielten. Theaterchef Gerhard Meyer erschien hoch zu Ross – als König Philipp II. Die mit anscheinend großem Aufwand inszenierte Aufführung ging aber nicht mehr als drei Mal über die Bühne, denn zu wenig Zuschauer fanden sich ein. Nach dem Calderon-Stück verabschiedete sich das Hans Otto Theater von der Parkoper. Dann wurde es auch stiller um sie, bis sie ganz und gar in Vergessenheit geriet. Zukünftig möchte die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten das Gelände wieder in die einstige Parkanlage Potentes zurückführen.

Das Potsdamer Theater hat danach rege die vielfältigen Kulissen, die die Schlösser und Gärten bieten, für Inszenierungen genutzt, so den Südhof und den Gartenpavillon am Neuen Palais mit Opernaufführungen, den Garten der Villa Liegnitz mit Komödien von Moliere und Joachim Knauth, den Innenhof des Pfingstberg-Belvedere mit Shakespeare und Goldoni, den Säulenhof und die Pflanzenhalle der Sanssouci-Orangerie mit Schauspielen und Opern. Und das Schlosstheater im Neuen Palais sowieso. Aber das ist schon ein anderes Kapitel.