Kultur : Land unter

Das Goigoi-Clownstheater in den Freien Kammerspielen Babelsberg

Astrid Priebs-TrögerD

„Land unter“ ist ein an der Nordsee häufig eintretender Zustand. Im übertragenen Sinne kann er auch die Überflutung mit Gefühlen – vor allem negativer Art – wie sie beispielsweise nach einer Trennung oder dem Verlust des Arbeitsplatzes auftreten, bedeuten. Der Schauspieler und Regisseur vom Theater Goigoi, Detlef Gohlke, hatte unter anderem solche krisenhaften Situationen im Sinn, als er vor zwei Jahren den Entschluss fasste, genau solche in einem neuen Clownstheaterstück zu verarbeiten.

„Land unter!“ heißt das Endprodukt, das jetzt seine Premiere in den Freien Kammerspielen in Babelsberg erlebte. Gohlke führt diesmal Regie und hat Claudia Engel und Matthias Ludwig von der freien Theatergruppe „flunker produktionen“ aus Gebersdorf im Süden Brandenburgs eingeladen, sich mit ihm gemeinsam auf diese Entdeckungsreise in nicht ganz so beliebte Gefühlswelten zu begeben. Doch keine Angst. Man ist im Clownstheater und so gibt es auch im Unglück noch jede Menge zu lachen, auch wenn Bambi und Baff erst mal bis über beide Knie im Morast versinken.

Nichts ist mehr wie vorher. Baffs (Matthias Ludwig) Hab und Gut sind verschwunden. Sein „schönes“ Leben scheint für immer verflossen. Dafür Wasser bis zum Horizont und kein Land in Sicht. Aber – welch ein Glück – kurz darauf taucht sie auf: eine fröhliche und lebenspralle Clowness (Claudia Engel). Das ungleiche Pärchen – er wirkt introvertiert und zerbrechlich – bahnt sich gemeinsam einen Weg. Zwischen den vorbei schwimmenden Habseligkeiten und Erinnerungen vergangener Tage, die, wie sich schnell herausstellt, bei beiden auch nicht immer die glücklichsten waren. Familienfotos, Bettdecken und Kirschkerne sprechen da eine ganz eigene Sprache.

Jetzt kocht man gemeinsam Fischsuppe und gewinnt der neuen Situation noch andere überraschende Seiten ab. Doch irgendwann meldet sich bei Baff heftig die Angst vor dem Ungewissen und die verzweifelten Ruderversuche der beiden bringen nur eines: Sie sinken noch tiefer auf den (gemeinsamen) Grund herab. Einmal dort angekommen, geht es dann wirklich ans „Eingemachte“. Mithilfe von Masken – Claudia Engel und Matthias Ludwig sind auch ausgebildete Puppenspieler – werden Kindheitserinnerungen „hochgeholt“. Doch die kommen im Gegensatz zum vorher Gezeigten, das die Balance zwischen Leichtem und Schwerem immer sehr spielerisch wahrte, doch ziemlich martialisch und zudem dramaturgisch unausgewogen daher.

So dass man nach 90 Minuten doch einigermaßen erleichtert ist, dass der rettende Stöpsel gefunden und endlich wieder Land in Sicht ist. Das erfrischende Spiel beider Clowns, ihre Gesten, Wortspiele und Andeutungen ermöglichen darüber hinaus durchaus einen größeren Bezug auch ins allgemeine Gegenwärtige, der von den etwa 30 Premierenbesuchern mit sehr herzlichem Beifall bedacht wurde. Astrid Priebs-Tröger

Nächste Vorstellungen am 16. und 17. Januar, jeweils um 20 Uhr in den Freien Kammerspielen Babelsberg, Alt-Nowawes, Grenzstraße 13.

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