Kultur in Potsdam : Minimalistisch

Geometrie im Kunstraum Waschhaus: Henrik Eibens augenzwinkerndes Aufbrechen der strengen Form.

Richard Rabensaat
Ohne Zentrum.
Ohne Zentrum.

Potsdam - „Off Site“, nicht ganz im Zentrum, hat Henrik Eiben seine Ausstellung im Kunstraum Waschhaus betitelt. Tatsächlich hat Eiben den Ausstellungsraum so gestaltet, dass es kein zentrales Werk gibt. Eigens für die Ausstellung angefertigte Wände ragen in den Raum, sind von Vierkanthölzern eingefasst, beherbergen mit Stoff überspannte Farbflächen. „Der Künstler definiert den Raum mit seinen Einbauten neu“, sagt Mike Gessner, der Kurator des Kunstraumes.

Die geometrischen Elemente korrespondieren mit den Wänden, mit dem einzelnen Räumen des Kunstraumes, geben ihm aber ein neues Gefüge. Jeder Künstler müsse sich und seinen Stil erst einmal neu erfinden, sagt Gessner zu den Arbeiten von Eiben. Der kunsthistorische Bezugspunkt von Eiben ist unschwer zu erkennen: die Minimal Art. „More than Minimal“ betitelte Eiben die erste Einzelausstellung, die 2011 in seiner Biografie aufgeführt wird. Sie fand in einer Wirtschaftskanzlei statt. Mittlerweile blickt der Künstler auf eine breit gestreute Ausstellungshistorie.

Der 1975 in Tokyo geborene Eiben ist in Hamburg verortet. Nach einem Studium zunächst an der staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe ging er nach Baltimore in den Vereinigten Staaten und beendete seine Studien schließlich an der Academie of Visual Arts and Design in Enschede, Holland.

Eibens Bilder und Objekte im Waschhaus befinden sich unauffällig im Raum, wollen in ihrer Reduziertheit niemanden verstören, und schließen auch bei wiederholter Betrachtung jede gegenständliche Assoziation aus. „Es geht um die Offenheit der inhaltlichen Erzählung, die Stringenz der gesetzten Zeichen und die Unwiederbringlichkeit des unmittelbaren Ausdrucks“, so die Kunsthistorikerin Margit Zuckriegl. Einige Zeichnungen lassen konstruktivistische Anklänge erkennen, aber auch diese sind verhalten, drängen sich nicht auf und deuten allenfalls den kunsthistorischen Bezug an.

Aus weißen Drei- und Vierecken schafft der Künstler Skulpturen, die wie ein aufgebrochenes geometrisches Ornament wirken. Minimalistisch applizierte farbige Elemente fügen dem verknäulten Rhythmus der Skulpturen dezente belebende Elemente bei.

Der Titel des Objektes „Voyager Punch“, also „Schlag in die Magengrube des Reisenden“, ist überraschend lyrisch und lässt vermuten, dass die Inspirationsquellen des Künstlers nicht nur im Ab strakten liegen. Auch andere Titel scheinen in ihrer Narrativität die minimalistische Geste des Künstlers zu konterkarieren, wie „Donnerhall“, „Schiebung“, „Husky“. „Die Arbeiten sind auch mit einem Augenzwinkern gemacht“, konstatiert Gessner und weist auf die schwarze Bespannung eines rechteckigen, rosa Wandelementes hin. Die ist aus Stoff gefertigt ist und wird von einem Reißverschluss verziert. Damit bricht der Künstler den zunächst ein wenig streng anmutenden Duktus der insgesamt recht reduzierten Schau.

Dieses Spiel mit der Fläche, das lustvolle Aufbrechen der strengen Form und auch die verwendeten pastelligen Farben der Skulpturen lassen erkennen, dass der Künstler nicht beim strengen Minimalismus verharrt. Der Form- und Farbkanon soll erweitert, vielleicht mit ein wenig Ironie angereichert werden.

Die Zeichnungen sind meist aus wenigen konzentrierten Bewegungen entstanden. Der schnelle Strich auf der ansonsten unangetasteten weißen Papierfläche lässt erkennen, dass hier die sicher ausgeführte Geste entscheidend war. Auffallend ist die durchscheinende Leichtigkeit der mit vermutlich wässriger Farbe gemalten Bilder, die ihre Entsprechung in den skulpturalen Elementen findet. Auch diese sind strukturell offen, korrespondieren mit der Wand, lassen dem Betrachter die Möglichkeit, über die harmonische Verknüpfung von Raumgeometrie und künstlerischer Gestaltung zu sinnieren.

So fügen sich Bilder und Objekte zu einem wohlgefälligen Ganzen und sind für Liebhaber einer zurückhaltenden Raumgestaltung sicher ein angenehmer Wandschmuck. Richard Rabensaat

Die Ausstellung ist zu sehen bis zum 13. Mai im Kunstraum Waschhaus, Schiffbauergasse.