• Kritik feiert Gersters neuen Film „Lara“: Facettenreiches Minenspiel

Kritik feiert Gersters neuen Film „Lara“ : Facettenreiches Minenspiel

Jan-Ole Gersters Film "Lara" feierte Weltpremiere beim Filmfest in Karlovy Vary. Der „Oh Boy“-Nachfolger wurde bereits sehnsüchtig erwartet.

"Lara" Hauptdarstellerin Corinna Harfouch und Regisseur Jan-Ole Gerster in Karlsbad.
"Lara" Hauptdarstellerin Corinna Harfouch und Regisseur Jan-Ole Gerster in Karlsbad.Foto: Manfred Thomas

Karlsbad - Für Corinna Harfouch war es ein Comeback in Karlovy Vary. Die deutsche Ausnahme-Schauspielerin war 1988 beim internationalen Filmfest mit ihrem Spielfilm „Die Schauspielerin“ in der tschechischen Kurstadt und erhielt den Filmfestpreis als beste Darstellerin. 30 Jahre später stand Harfouch am Sonntag wieder in Karlovy Vary auf der Bühne des diesjährigen Filmfestes - für die Weltpremiere des Films „Lara“. 

Der von der in Potsdam-Babelsberg ansässigen Filmförderung Medienboard Berlin-Brandenburg unterstützte Film ist nicht nur Beitrag im offiziellen Wettbewerb des Festivals, es ist für den Regisseur Jan-Ole Gerster auch der Nachfolgefilm seines gefeierten Debüts „Oh Boy“. 

54. Internationales Filmfestival Karlovy Vary
Comeback in Karlovy Vary: Schauspielerin Corinna Harfouch geht nach genau 30 Jahren wieder über den roten Teppich des  tschechischen Filmfests KVIFF. Gemeinsam mit Regisseur Jan-Ole Gerster feiert sie die Weltpremiere des Films „Lara“.Weitere Bilder anzeigen
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01.07.2019 10:29Comeback in Karlovy Vary: Schauspielerin Corinna Harfouch geht nach genau 30 Jahren wieder über den roten Teppich des ...

Gerster porträtiert den 60. Geburtstag der pensionierten Beamtin Lara Jenkins, gespielt von Corinna Harfouch. Einer Frau, die streng gegenüber ihren einstigen Mitarbeitern war, aber genauso streng und unerbittlich ihrer Familie gegenüber, insbesondere bei ihrem Sohn Viktor (Tom Schilling), einem mittlerweile gefeierten Pianisten. Der spielt  - ausgerechnet am Geburtstag seiner Mutter - seine erste Eigenkomposition vor Publikum. Doch seine Mutter hat er nicht zum Konzert eingeladen - wohl auch, weil sie ihn Zeit seines Lebens mit eingeredeten Selbstzweifeln getriezt hat, um ihn zu motivieren, noch besser zu werden. Und um durch ihn das zu erreichen, was sie nie geschafft hat: Erfolg am Klavier. Über diesen, schon krankhaften Ehrgeiz zerbrach die Familie, nahm die Mutter-Sohn-Beziehung Schaden. Und ließ eine zwar starke und unerbittliche, aber auch verletzlich und verzweifelt wirkende Lara zurück, die all das wie in einem Zeitraffer zum 60. Geburtstag durchlebt.

Auch für Regisseur Gerster war die Weltpremiere von „Lara“ in Karlovy Vary ein Wiedersehen mit einem Ort, an den er gute Erinnerungen hat. Sein viel beachtetes und mehrfach ausgezeichnetes Debüt „Oh Boy“ hatte 2012 beim Filmfest in Tschechien seine internationale Premiere. Mit sichtlicher Anspannung wartete Gerster am Sonntag auf die Reaktion des Publikums auf seinen lang erwarteten „Oh Boy“-Nachfolger. Sieben Jahre sollte es dauern, ehe Gerster mit „Lara“ in Karlovy Vary und am Dienstag auf dem Filmfest München seinen zweiten großen Kinofilm vorstellte. 

Weltpremiere: "Lara" mit Volkmar Kleinert und Hauptdarstellerin Corinna Harfouch.
Weltpremiere: "Lara" mit Volkmar Kleinert und Hauptdarstellerin Corinna Harfouch.Foto: Manfred Thomas

Dort hat er Rückenwind dank guter Kritiken aus Karlovy Vary. Das Branchenblatt „Variety“ bescheinigte Gerster beispielsweise, ein „Porträt von bemerkenswerter Tiefe“ geschaffen zu haben. Und in der Tat: Die zerrüttete Mutter-Sohn-Konstellation wird dank einer sehr nahen, fast schon intimen Inszenierung um die Hauptfigur Lara nicht skandalisiert oder voyeuristisch ausgeschlachtet. Nicht zuletzt das nuancenreiche Spiel von Harfouch sorgt dafür, dass der Zuschauer die harte, sich selbst und anderen gegenüber unbarmherzige Frau zu verstehen lernt. Man schließlich sogar Formen von Mitleid für die Protagonistin empfindet - selbst wenn sie alles dafür tut, nicht gemocht zu werden

Regisseur Gerster nutzt dafür vor allem die facettenreiche Mimik von Harfouch geradezu schamlos aus: wenn er immer wieder Nahaufnahmen ihres ausdrucksstarken Mimenspiels in den Mittelpunkt des Films stellt. Das deutsche Publikum kann sich davon ab dem 7. November in den Kinos überzeugen.