• Kreativarbeiter im Potsdamer Rechenzentrum: Kreativarbeiter

Kreativarbeiter im Potsdamer Rechenzentrum : Kreativarbeiter

Wer sind eigentlich die über 200 Künstler, die im umstrittenen Potsdamer Rechenzentrum werkeln? Wir stellen drei von ihnen vor: einen Fotograf, eine Theatermacherin und eine Malerin. 

Stefan Kahlau
Der Potsdamer Fotograf Michael Lüder hat ein Atelier im Rechenzentrum.
Der Potsdamer Fotograf Michael Lüder hat ein Atelier im Rechenzentrum.Foto: Harald Hoffmann

Sie designen Mode oder Webseiten, drehen Filme, schreiben oder machen Musik: Mehr als 200 Menschen arbeiten im Rechenzentrum. Kreativarbeiter nennen sie sich. Drei von ihnen, ein Fotograf, eine Theatermacherin und eine bildende Künstlerin, sollen hier exemplarisch stehen für das, was in den mehr als 200 Räumen erschaffen wird.

Der Fotograf aus Potsdam:

Michael Lüder

Der Potsdamer Fotograf Michael Lüder hat sein Atelier seit einem halben Jahr im Rechenzentrum. Neben Auftragsarbeiten wie Hochzeits- und Bewerbungsfotos verfolgt der 57-Jährige stets eigene Projekte. Im Moment plant er eine Ausstellung mit dem Titel „Potsdamer Männer“. Sie soll sowohl bekannte als auch unbekannte Männer der Stadt zeigen. „Ich möchte Männer porträtieren, die auf irgendeine Weise zu Potsdam gehören“, sagt Lüder. „Darum sind sie verschieden alt und haben ganz unterschiedliche Berufe.“ Ein anderes Projekt Lüders ist das fotografische Nachstellen eines Gemäldes von Caravaggio. Seine Modelle werden Mieter aus dem Rechenzentrum sein.

Die Theatermacherin aus Amsterdam:

Lidy Mouw

Die gebürtige Niederländerin Lidy Mouw studierte in Amsterdam Tanz, Choreografie und Tanzpädagogik. Seit 1985 arbeitet sie als Dramaturgin und Projektleiterin in den Bereichen Tanz, Theater und Film. Sie leitet Kulturprojekte und doziert an diversen Bildungsinstitutionen für Tanz- und Theaterpädagogik. Die Wahlberlinerin leitet das Theaterlabor Hatschisi, mit dem sie im Rechenzentrum probt. In „Bürokrator“ widmet sich das inklusive Ensemble der Frage, was man als Mensch mit Handicap können muss, um zur Gesellschaft dazuzugehören. „Wir wollten durch das Mittel der Performance untersuchen, wo es Unterschiede und Gemeinsamkeiten gibt“, sagt Mouw. Dazu sollen die Grenzen zwischen Publikum und Schauspielern aufgehoben werden. Das Stück um Verwaltende und Verwaltete feiert am 23. September im Rahmen des Geburtstagfestes des Rechenzentrums Premiere.

Die Malerin aus Danzig:

Agnieszka Korejba

Die Malerin Agnieszka Korejba gehört zu den ersten Mietern im Rechenzentrum. Sie ist ausgebildete Kunstlehrerin und studierte Malerei und Zeichnen an der Kunstakademie Danzig. In ihrem Heimatland Polen engagierte sich mehrfach im sozialen Bereich, etwa im Rahmen von künstlerischen Workshops für Kinder aus Problemfamilien oder von Kunstprojekten für Kinder mit geistiger Behinderung. Die 40-Jährige, die seit drei Jahren in Potsdam lebt, malt in Öl auf Leinwand. Ihre Werke sind oft Wechselspiele aus Figurativem und Abstraktem. „Meine Bilder plane ich nicht, sie passieren einfach“, erzählt sie. „Ich suche sozusagen auf der Leinwand nach meinen Motiven.“ Manchmal integriert Korejba auch den Arbeitsprozess in das Werk, etwa bei den Objektmalereien „Words of Prey“. Hierbei trägt sie Ölfarbe auf Holzstücke auf, indem sie die Kreisbewegung beim Säubern des Pinsels imitiert.Stefan Kahlau