• Klassische indische Musik im Studio Gosha: Mit der Sitar vom Ganges an die Havel

Klassische indische Musik im Studio Gosha : Mit der Sitar vom Ganges an die Havel

Oliver Dietrich
Shanti. Sebastian Dreyer.
Shanti. Sebastian Dreyer.Foto: Andreas Klaer

Potsdam ist nicht gerade die europäische Metropole traditioneller indischer Musik – oder doch? Immerhin haben es Tabla, Ghatam und Sitar schon in eine zwar noch überschaubare, aber recht erfolgreiche Szene geschafft. Im Studio Gosha in der Dortustraße gab es bereits im Februar den Auftakt zu „Raga 2016“, am Samstag folgt nun die Fortsetzung: „Jugalbandi – ein nord-südindischer Dialog“ heißt das Konzert. Und warum sollte man diesen Dialog nicht an die Havel verlegen?

Veranstalter Sebastian Dreyer ist Traditionalist und ein begnadeter Sitar-Spieler. Mit der Sitar begann er bei Gisela Tarwitt – sie war die Einzige, die damals überhaupt Sitar-Unterricht anbot. Dreyer war schnell fasziniert, vom Sitar-Spiel, der indischen Tradition, der Kultur, er studierte Vergleichende Musikwissenschaften und Indische Philologie. Mittlerweile unterrichtet Dreyer selbst das Instrument, aber auch indische Sprachen: Wer Hindi oder Urdu lernen will oder eine Übersetzung aus oder in die Sprache benötigt – das alles bekommt man bei Dreyer. Ein Indienfreak, mag man denken, ein Exot – oder vielleicht einfach nur ein Liebhaber dieses unvergleichbaren Landes.

Am Samstag trifft nun die flirrende Hitze des Südens auf die Schroffheit des Nordens, wenn man einen geografischen Vergleich bemühen möchte. Ob der sich auch musikalisch zeigt, wird man sehen: Für den Süden ist Manickam Yogeswaran zu Gast, gebürtig in Sri Lanka, also noch südlicher als Indien. Yogeswaran, dessen musikalisches Feld die karnatische Musik ist, wurde als erster tamilischer Sänger bekannt, der in einem Hollywood-Film auf dem Soundtrack zu hören war – in Stanley Kubricks „Eyes Wide Shut“ von 1999 nämlich. Jetzt performt er als Sänger, Flötist und Percussionist – und hat es damit bis aufs „Montreux Jazz Fest“ geschafft. Die Tabla-Spielerin Laura Patchen ist dagegen gebürtige New Yorkerin, jedoch schon Jahrzehnte in Berlin beheimatet. In die Tabla-Schule ging sie bei Kamalesh Maitra, der bereits 1977 nach Berlin siedelte, wo er auch bis zu seinem Tod 2005 blieb, einer der Wegbereiter der indischen Musik im Westen.

Am Samstag vereinigen sich die Künstler, und vom Klischee der Entspannungsmusik, das sich ja immer noch hartnäckig bei Europäern hält, wird nicht viel zu spüren sein, so viel ist klar. Aber auch wer bei Indien noch nur an „Chicken Tandoori“ denkt, sollte sich dieses Konzert nicht entgehen lassen. Oliver Dietrich

„Jugalbandi – ein nord-südindischer Dialog“ am Samstag, 9. April, im Studio Gosha, Dortustr. 55. Los geht es 20 Uhr, der Eintritt kostet zwölf, ermäßigt zehn Euro.

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