Kultur : Klare Ansage

Boyzie Cekwana im T-Werk

Astrid Priebs-Tröger

„Vegetarians go home!“ stand in großen Lettern auf der Bühnenrückwand. Ein Hühnerkäfig, ein Trampolin, ein Overheadprojektor und eine Mikrowelle waren die Requisiten, die der südafrikanische Choreograf Boyzie Cekwana am Donnerstagabend brauchte, um seinen Essay über das Essen, der den seltsamen Titel „In case of fire, run for the elevator“ trug, bei den Tanztagen im T-Werk zur Uraufführung zu bringen.

Ein Spiel mit und die Enttäuschung von Erwartungen zogen sich wie ein roter Faden durch diese Performance aus Texten, Spiel, Tanz und Gesang. Das begann schon damit, dass sie nach knapp zehn Minuten in eine Pause mündete. Die Zuschauer wurden sich selbst überlassen und wussten nicht, wann es weitergeht. Zwei verließen daraufhin den Saal. Kurz danach erschienen drei Männer – Boyzie Cekwana, Bheki Khabela und Bhekani Shabala - auf der Bühne, die die drei universellen Figuren „Liebe“, „Macht“ und „Privilegien“ verkörperten. Ihre Kostümierung erinnerte an einen (verfetteten) Spiderman, einen ganz in rot gekleideten Latin-Lover mit dick einbandagiertem Kopf und der Dritte nannte sich „Tod“ und trug an seinem glitzernden weißen Zirkuskostüm eine gigantische Eisenkette, die mit Handschellen befestigt war.

Diese Typen traten ein in zumeist absurde Dialoge über den Zustand dieser Welt. Da ging es um Vegetarismus und dass Hühner jetzt zum Gemüse zählen, aber auch um unser zunehmend entfremdetes Leben mit Fernbedienung und die Klischees, die die sogenannte Erste Welt von der sogenannten Dritten im Kopf hat. Diese wurden auch verkörpert, als sich die Drei als Boxer und Fußballer kostümierten, ohne die der Rest der Welt ziemlich armselig dastehen würde. Der Ausverkauf „schwarzen Fleisches“ wurde hier sinnfällig auf den Punkt gebracht. Cekwanas Performance kam dabei niemals klagend, sondern mit Ironie und intellektueller Chuzpe daher. Sie punktete mit Witz und Gelassenheit und berührte, als sich die drei Darsteller singend ihren kulturellen Wurzeln näherten.

Obwohl sie, anders als die Auftaktinszenierung von Pierre Rigal, sehr viele Worte brauchte, gelang es ihr, gegenwärtige politische Themen ebenfalls sinnfällig auf den Punkt zu bringen. „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“, hatte Bertolt Brecht vor 85 Jahren in der „Dreigroschenoper“ postuliert. Heutzutage bringt es „Vegetarians go home!“ auf den gleichen Nenner. Astrid Priebs-Tröger

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