Kultur : Kein Halleluja-Bild

Friedrich II. und die Polen ab Sonntag in der Vortragsreihe der Urania-Matinee in der Villa Arnim

Das Bild der meisten Polen über den preußischen König Friedrich dem Großen ist alles andere als schmeichelhaft. Der Krakauer Historiker Wladyslaw Konopczynski, einer der besten Kenner der europäischen Geschichte des 18. Jahrhunderts, schrieb beispielsweise mitten im Zweiten Weltkrieg: „Die Geschichte kennt kein Beispiel, dass ein Mensch so viel Hass in die Beziehungen zu dem Nachbarvolk investierte, wie dies über ein halbes Jahrhundert hinweg Friedrich, genannt der Große, betrieb. Friedrich stellt als Zerstörer Polens, das ihm niemals Schlechtes antat, ein einzigartiges Phänomen in der Geschichte dar.“

Friedrich II. als Feind der Polen und der polnischen Staatlichkeit wird in unserem Nachbarland nicht erst seit dem Zweiten Weltkrieg wahrgenommen, sondern seit 1800 – vor dem Hintergrund der deutsch-polnischen Konfliktgeschichte. Heute hat man zu dem König ebenfalls ein ambivalentes Verhältnis, obwohl polnische Historiker sich durchaus differenzierter äußern. Dem überaus spannenden Thema „Friedrich II. von Preußen als Erinnerungsort im deutschen und polnischen Bewusstsein“ widmet sich die Urania Potsdam am kommenden Sonntag in einer Matinee in der Villa Arnim. In einer Reihe von acht Veranstaltungen will der Verein „Wilhelm Foerster“, unterstützt von der Landeszentrale für politische Bildung und vom Deutschen Kulturforum östliches Europa, die zwiespältigen Beziehungen des preußischen Königs zu Osteuropa und Südeuropa beleuchten. In den gegenwärtigen Halleluja-Veranstaltungen zum 300. Geburtstag Friedrichs II. wird es für so manchen unkritischen Preußen-Fan ein paar deutliche Wermutstropfen geben müssen.

Für den ersten Vortrag konnte der Gießener Universitätsprofessor Hans-Jürgen Bömelburg gewonnen werden, der sich mit seinem Buch „Friedrich II. zwischen Deutschland und Polen“ (Kröner Verlag, 22,90 Euro) intensiv dem Stoff zuwandte, analysierte und für unsere Zeit verständlich macht. In den Jahren 1772, 1793 und 1795 wurde der Unionsstaat Polen von Preußen schrittweise aufgeteilt, doch auch Russland und Österreich waren daran beteiligt. Seit 1795 existierte für 120 Jahre praktisch kein eigenständiger polnischer Nationalstaat mehr. In deutschen Schulgeschichtsbüchern konnte man zu Beginn des 20. Jahrhunderts lesen: „Denn was Friedrich damals gewann, war einst (…) durch deutsches Schwert und deutschen Pflug gewonnen. Friedrich handelte auch hier nur nach der Preußen zugewiesenen Aufgabe: im Osten einzubringen, was im Westen verloren gegangen war. Das Land, das ihm zufiel, war öde und verkommen, mit einem zuchtlosen, armen und übermütigen Adel und einem fast vertierten Bauernstande. Noch ehe Friedrich die Augen schloss, war hier eine neue Schöpfung deutschen Geistes und Strebens erblüht, die das Unrecht der Besitzergreifung vergessen ließ.“ Der preußische König äußerte sich in einem Brief 1771 verächtlich: „An die Polen ist mir eben nicht viel gelegen“.

Urania-Geschäftsführerin Karin Flegel freut sich, dass mit der Villa Arnim nach dem Schloss Lindstedt und der Villa Schöningen wieder ein exzellenter Ort für die Matineen gefunden werden konnte, dank auch der Unterstützung des Industrieclubs Potsdam. Nach dem Vortrag kann man in dem spätklassizistischen Gebäude, in der der preußische Architekt und Schüler Schinkels Ferdinand von Arnim wohnte, ins Gespräch kommen und einen kleinen Imbiss genießen. So auch bei der nächsten Veranstaltung am 15. April, wenn sich Gerd Ulrich Hermann von der Gedenkstätte Seelower Höhen auf „Friedrichs Spuren östlich und westlich der Oder“ begibt. Klaus Büstrin

Vortrag „Friedrich II. von Preußen als Erinnerungsort im deutschen und polnischen Bewusstsein“ von Hans-Jürgen Bömelburg 18. März, 11 Uhr, Villa Arnim, Weinbergstraße 20. Anmeldungen unter Tel.: (0331) 29 17 41

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