• Jugendroman über die Pfaueninsel: Dunkle Mächte im rubinroten Feuerschein

Jugendroman über die Pfaueninsel : Dunkle Mächte im rubinroten Feuerschein

Das Jugendbuch „Das Erbe des Alchemisten“ von Silke Böttcher entführt mit einem geheimnisvollen Kriminalfall in die Tiefen der Pfaueninsel.

Das Schloss auf der Pfaueninsel.  
Das Schloss auf der Pfaueninsel.  Foto: Thilo Rückeis

Potsdam - Das kann nur Hexerei sein. Die schwarzen Rauchschwaden, die von der Insel aufsteigen, der intensive süßliche Geruch – dahinter stecken garantiert fremde Mächte. Das Gemunkel unter den umliegenden Bauern und den Potsdamern ebbt nicht ab. Ihr Blick über die Havel zur Pfaueninsel gibt immer wieder Stoff für wilde Spekulationen.

So jedenfalls zeigt sich die undurchsichtige Nachrichtenlage anno 1685, als der Große Kurfürst dem Glasmacher Johannes Kunckel die Pfaueninsel schenkt, die damals noch Pfauenwerder heißt. Eine ganze Insel mitten in der Havel. Glas ist eben Gold wert. Und vielleicht entdeckt Kunckel ja wahrhaftig noch die Rezeptur für richtiges Gold. Ungestört kann er jedenfalls auf der Insel laborieren und das schönste rubinrote Glas aus dem Feuer zaubern. Keiner darf sein Eiland betreten. Außer natürlich der Kurfürst selbst. Immer mal wieder lässt sich Friedrich Wilhelm vom nahen Potsdam im Boot herüberbringen, um die Fortschritte seines Alchimisten zu begutachten, ja, um sogar selbst zu experimentieren.

Der Geist von Johann Kunckel

Auch heute, gut 330 Jahre später, treibt die funkelnde Hinterlassenschaft des Glasmachers die Fantasie in dunkle Ecken. In dem Buch „Das Erbe des Alchemisten“ zieht Autorin Silke Böttcher hinab in geheime Gänge und kriminelle Machenschaften. Und auch Johann Kunckel erlebt seine Wiederauferstehung. Nunmehr als Geist. Diesem Geist begegnen der 14-jährige David, sein bester Freund Moritz und schließlich auch die clevere Tessa, die in ihren Sommerferien die Pfaueninsel erkunden. Wie die Detektive der „Drei ???“ ist auch dieses Dreiergespann einem mysteriösen Fall auf der Spur.

In abendlicher Dämmerung beobachten sie Lichter auf der Pfaueninsel, obwohl die letzte Fähre längst abgefahren und die Insel damit quasi abgeschlossen ist. Doch nun bewegt sich ein Boot langsam von der Insel weg. Das will bei Tage genauer erkundet werden. Der Entdeckergeist der Jugendlichen ist geweckt: der Nervenkitzel der Leser ebenfalls.

Es ist das erste Buch der Berliner Journalistin Silke Böttcher – und ein durchaus spannendes Debüt. Die Autorin verschränkt die Lebensgeschichte der schillernden Figur Kunckel, der nicht nur auf der Pfaueninsel forschte, sondern auch die Kristallglashütte in Potsdam leitete, mit der Geschichte skrupelloser Gangster. Und auch der vielbesungene Stein der Weisen, der unedles Metall in Gold und Silber verwandeln und dem Besitzer ewige Jugend schenken soll, spielt eine Rolle. Die pfiffigen Jungs aus Berlin kennen ihn natürlich bestens aus den „Harry Potter“-Romanen und -Filmen.

Ein geheimnisvoller Schlüssel

Wie nebenbei lernt der Leser dieses kleinen Krimis die Bauwerke der Insel kennen, wie den „Beelitzer Jagdschirm“, das Haus hinter Baumrinde. Hier legte die königliche Jagdgesellschaft einst durch schmale Schießscharten auf ahnungslose Tiere an, die hinter dem überdimensionierten „Baum“ keine Gefahr witterten. Und es geht auch zur Meierei, die mit ihren hohen Fenstern wie eine Kirchenruine aussieht. Sogar Königin Luise hat angeblich dort Kühe gemolken und Butter gemacht, weiß Moritz von einem Ausflug mit seiner Schulklasse. Nun aber geben die Ritzen des Mauerwerks einen Schlüssel preis und die Suche nach dem passenden Schloss ist im Gang.

Am Ende verliert sich die Geschichte etwas in dem Labyrinth der unterirdischen, von der Autorin erfundenen Gänge. Auch die Illustrationen von Rebecca Mönch hätten durchaus etwas frecher und freier gestaltet auftrumpfen dürfen. Dennoch bleibt man auch als erwachsener Leser dem Detektivgespann interessiert auf den Fersen – und lernt ganz nebenbei Farbenprächtiges aus der Werkstatt des Alchemisten Kunckel kennen. Seine Glasperlen wurden gern als Währung mit afrikanischen Händlern genutzt. Doch sein glanzvoller Aufstieg endet mit dem Tod des Großen Kurfürsten. Der Glanz des funkelnden Goldrubinglases ermattete. 1689 brannte die Glashütte auf der Insel ab. Wie ein düsterer Schlussakkord schossen die schwarzen Rauchschwaden in die Lüfte. 

>>Samstag, 27. Juli, 15 Uhr, findet eine Familienführung für Kinder ab sechs statt: „Mit Elfe Tana die Pfaueninsel entdecken“. Anmeldung unter Tel.: (0331) 96 94 200

— Silke Böttcher: Das Erbe des Alchemisten. Abenteuer auf der Pfaueninsel. Verlag Biber & Butzemann, mit Illustrationen von Rebecca Mönch. 152 Seiten, Hardcover, 14,50 Euro