• Interview mit Choreografin Margit Legler: „Jede Straße erzählt eine Geschichte“

Interview mit Choreografin Margit Legler : „Jede Straße erzählt eine Geschichte“

Margit Legler inszeniert die Barockoper Polifemo zu den diesjährigen Musikfestspielen mit historischer Mimik und Gestik. 

Margit Legler wurde in Wien geboren. 
Margit Legler wurde in Wien geboren. Foto: Stefan Gloede

Morgen beginnen die diesjährigen Musikfestspiele Potsdam-Sanssouci, die bis 23. Juni stattfinden. Im Vorfeld kamen ausgewählte Künstler in Kurzinterviews zu Worte. Zum Abschluss befragen wir die Tänzerin, Sängerin und Choreografin Margit Legler, die die Barockoper „Polifemo“ mit historischer Mimik und Gestik in Szene setzt. Premiere ist am 16. Juni um 20 Uhr im Orangerieschloss Sanssouci, weitere Vorstellungen sind am 18.,19. und 20. Juni, jeweils um 20 Uhr.

Frau Legler, woher nehmen Sie die Inspiration für Ihre stilecht barocke Inszenierung?

Ich erhalte meine Inspiration durch das Studium des Librettos und der Komposition. Beides zusammen verbinde ich mit der schauspielerischen Aktion auf der Bühne zu einem Gesamtkunstwerk. Die sehr genauen Aufzeichnungen zur Schauspielkunst, die ausgehend von der Antike mit der Schaffung der Oper wiederentdeckt und bis ins 20. Jahrhundert nachweislich gepflegt wurde, sind Mittel, mit der ich die Bühnenwerke lebendig werden lasse. Charaktere werden durch Haltung und Bewegung herausgearbeitet. Die Hauptarbeit besteht darin, den Text richtig zu deuten und dem Sinn entsprechend Aktionen folgen zu lassen, die auch die Sängerstimme beeinflussen und dadurch dem Publikum das Verstehen der Handlung erleichtern. Dazu muss zum Beispiel im Rezitativ mehr deklamierend gesungen und durch Tempovariationen ähnlich einem gesprochenen Text der Inhalt lebendig gemacht werden.

Zur Person

Margit Legler wurde in Wien geboren. Sie war Mitglied des Balletts der Wiener Staatsoper. Sie ist Spezialistin in historischer Aufführungspraxis in Tanz, Gesang, Schauspielkunst

Was macht die Arbeit gerade in Potsdam so spannend?

Potsdam ist ein ausgesprochen schöner Ort, wo seit Langem Menschen aus unterschiedlichen Völkern arbeiteten und lebten. Wo viel Kulturerbe zu finden ist, weil eine sehr rege Tätigkeit am Hofe bestand. Jede Straße erzählt eine Geschichte, und die Schlösser und Gärten inspirieren. Noch heute sind die Spuren dieser unterschiedlichen Kulturen zu finden, wie im Holländischen Viertel oder in der russichen Alexandrowka.

Was zeichnet Ihre Zusammenarbeit mit Dorothee Oberlinger und den Potsdamer Festspielen aus?

Dorothee Oberlinger hat meine eben angesprochene Herangehensweise der Erarbeitung einer Inszenierung mit Text und Musik in der praktischen Verwirklichung gesehen und gehört und ist deshalb an mich herangetreten. Im vergangenen Jahr haben wir zum ersten Mal Händels „Lucio Silla“ in Ludwigsburg gemacht.

Gibt es auch neue Erkenntnisse zur historischen Aufführungspraxis?

In den letzten Jahren wurde viel zur historisch informierten Spielweise geforscht und praktiziert; aber bei der visuellen Verwirklichung der Bühnenwerke wurden zeitgenössische Inszenierungen auch in Festivals für Alte Musik bevorzugt. Es gibt nur eine kleine Gruppe von Spezialisten auf der Welt, die ausgehend von der überlieferten Notation diese Schauspielkunst gelernt haben und musikalische Werke realisieren können. Frau Oberlinger und ich sind überzeugt, dass sich diese Art der schauspielerischen Realisierung in der musikalischen Verwirklichung niederschlägt und somit mehr Farben und Akzente bringt.

>>Karten unter Tel.: (0331) 28 888 28