Kultur : Interkulturelle Zeichensprache

„Ornamente“ aus verschiedenen Kulturkreisen in der Kunstschule Potsdam

Astrid Priebs-Tröger

Wenn man mit offenen Augen durch Potsdam streift, kann man viele von ihnen entdecken. Ob an Wand- oder Deckenfriesen aller Arten, ob als Stilisierungen von Blüten oder Blättern in Tapetenmustern und nicht zuletzt als Verzierungen auf Stoffen von Sommerkleidern: Ornamente. Hierzulande sind sie meist schmückendes Beiwerk und präsentieren sich als wiederholendes, oft abstraktes oder abstrahiertes Muster. Ornamentik ist einerseits vielfältig, schließt andererseits auch Ordnung, Formstrenge und Reproduktion ein.

Die Kunstschule Potsdam hat sich in ihrer dritten Ausstellung in diesem Jahr genau auf dieses spannende Experimentierfeld eingelassen. In ihrer Werkschau „Ornamente“ haben sich Vorschulkinder betont spielerisch in ihrem Wandfries mit den Eisenbahnen der Thematik genähert, während Jugendliche und Erwachsene mit einigem Hintergrundwissen sich an die Verfremdung und Interpretation von „Vorbildern“ aus anderen Kulturen wie beispielsweise Arabesken oder asiatischen Schriftzügen heranwagten. Herausgekommen ist wie schon so oft eine formen- und farbenreiche Exposition von Bildern, Specksteinplastiken, Fotos, Stuckarbeiten und Keramiken, die allesamt die Sinne und den Verstand des Betrachters ansprechen.

Gleich im Eingangsbereich der Schule haben sich die 9- bis 11-jährigen aus dem Malkurs von Monika Olias in sieben grün-schwarzen Druckgrafiken den Ornamenten des „Frühlings“ genähert. Sie benutzten als Ausgangsmaterialien textile Grundstoffe wie Borten und Spitzen, schnitten daraus Formen, die mehrmals gedruckt dann ein größeres Bild ergaben. Diese Kunstschüler hatten auch davon gehört, dass Ornamente und Schriftgestaltung zusammengehören können und so setzten sie dann in ihre witzigen Bilder vom „neugierigen Lieschen“ von Elisa Schütz oder vom „liegenden Hasen“ von Lea Städler noch die entsprechenden, zum Teil selbstgeschriebenen Verse.

Völlig andere Materialien und Absichten hatten die Teilnehmer des Kurses des irakischen Künstlers Mohammed Rasim Kasim, der im Mai eine Woche in Potsdam weilte und sowohl mit jugendlichen Kunstschülern als auch einer 9. Klasse der Käthe-Kollwitz-Realschule arbeitete. In Stucktechnik, einer traditionell islamischen Kunst, die dort in vielen sakralen Räumen zu bewundern ist, sollten die Teilnehmer ihr „eigenes Zeichen“ in die mehrere Millimeter starken Gipsplatten mit Hilfe von verschiedenen Instrumenten einritzen, kratzen oder drücken. Dabei wurden sie dann sowohl mit dem islamischen Bilderverbot als auch mit der besonderen arabischen Farbigkeit vertraut gemacht. Ihre zugleich erdigen als auch mit leuchtenden Rot-, Gelb- und Grüntönen versehenen Platten zeigen stilisierte Himmelskörper, immer wieder Gesichter und Fische und friedlich nebeneinander Kirchen und Minarette. Sehr geheimnisvoll wirken auch die farbigen Hieroglyphen von Robert Frommberg. Aus der großen Vielzahl und Vielfalt der Exponate ragen die Arbeiten des Keramikkurses von Birgit Krenkel heraus. Hier gibt es Gefäße mit japanischen und chinesischen Schriftzeichen, dieselben als Plastiken zu bewundern, einzeln oder in Reihung, was sehr archaisch und gleichzeitig modern wirkt.

Deutlich wird, dass Ornamente in unserem Leben eine große Rolle spielen und die Fantasie und Experimentierfreude der Kunstschüler angeregt und ihren kulturhistorischen Horizont erweitert haben. Astrid Priebs-Tröger

„Ornamente“, Ausstellung in der Kunstschule Potsdam bis 30. August

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