• Installation zur Stadtmitte im Potsdam Museum: Wem gehört die Mitte der Stadt?

Installation zur Stadtmitte im Potsdam Museum : Wem gehört die Mitte der Stadt?

Das Potsdam Museum lädt zu einem „PerspektivWechsel“ ein und fragt mit einer Installation: Wie sehen Kinder aus Drewitz die Stadt?

Zu der Installation "PerspektivWechsel" im Potsdam Museum hat Yeni Harkányi einen Film beigetragen.
Zu der Installation "PerspektivWechsel" im Potsdam Museum hat Yeni Harkányi einen Film beigetragen.Filmstill: Yeni Harkányi

Potsdam - Was ist die Mitte der Stadt und wem gehört sie? Fragen, die Potsdam derzeit umtreiben. Während die neue Mitte am Alten Markt wächst und das historisierende Antlitz dort immer mehr Form annimmt, spielt dieser Wandel und das, was dort kulturell passiert – schillernde Hochkultur im Barberini Tür an Tür mit lokaler Geschichte und Kunst im Potsdam Museum – für andere überhaupt keine Rolle. 

Für die Schüler der Drewitzer Grundschule am Priesterweg zum Beispiel, die aktuell in dem Kunstprojekt „PerspektivWechsel“ im Potsdam Museum zu Wort kommen. Der Nabel ihrer Welt befindet sich nicht am schicken neuen Alten Markt, sondern in Drewitz – der Alte Markt ist in ihrem Stadtbild bestenfalls eine Randerscheinung. Umgekehrt gilt im Übrigen ja das Gleiche: In der Potsdamer Mitte sind die Kinder eine Randerscheinung, zumal die aus Drewitz.

Am Alten Markt. Die Installation "PerspektivWechsel" im Potsdam Museum. 
Am Alten Markt. Die Installation "PerspektivWechsel" im Potsdam Museum. Foto: Konstanze Teschner

Die, die nicht am Alten Markt zuhause sind, in die Mitte holen

Die Installation, die unter dem Namen „PerspektivWechsel“ noch bis einschließlich Freitag im Saal des Potsdam Museums zu sehen ist, will den Spieß nun umdrehen. Will die, die in Potsdam, aber eben nicht am Alten Markt zuhause sind, in die Mitte holen. Und vielleicht auch ein bisschen was von dem, was das Potsdam Museum am Alten Markt in Sachen Geschichts- und Kunstvermittlung versucht, nach Drewitz tragen. Der Versuch eines Brückenschlags zwischen vorgeblichem Zentrum und angeblicher Peripherie, aber auch zwischen den Generationen.

Initiiert haben diesen Brückenschlag die Choreografin Marita Erxleben und die beiden freien Künstlerinnen Jacqueline Teschner und Yeni Harkáni, die im Rechenzentrum ihre Ateliers haben. Alle drei haben bereits unabhängig von einander mit der Grundschule am Priesterweg zusammengearbeitet. Und alle drei treibt der Wandel in der Potsdamer Innenstadt um. Vor allem die Frage, für wen da im Zentrum saniert wird, und wer hier künftig Platz haben soll. „Was sehe ich in meiner Stadt und wo ist mein Platz?“ war dann auch die Frage, die im Zentrum der Workshops mit den Drewitzer Schülern seit Schuljahresbeginn stand. 

Mit einer Gruppe von etwa 40 Schülern haben sich die drei seit dem einmal pro Woche getroffen, haben mit den Viert- bis Sechstklässlern darüber gesprochen, wie sie ihre Stadt sehen, und was für sie wichtig ist im Leben. Auf dem Boden des Saals im Potsdam Museum kann man die in bunten Klebestreifen visualisierten Antworten auf dem Boden ablesen. Eine Playstation ist da zu sehen, ein Freundschaftsfoto, dazu Tiere, Spielzeug, Popcorn, Nagellack, ein Eifelturm. Ein Museum für Kunst, eins für Geschichte, ist nicht dabei, wen sollte es wundern. „Was den Kindern wichtig ist, was sie brauchen, das finden sie nicht in der Mitte“, sagt Jacqueline Teschner. „Die Potsdamer Mitte ist für die Kinder kein Alltagsort.“ 

In den Ruinen der alten Fachhochschule

Die gelernte Bühnenmalerin hat für die Installation „PerspektivWechsel“ das Fortunaportal und die Nikolaikirche auf eine große Leinwand gemalt, zwei historische Schmuckstücke am Alten Markt. Nur wer genauer hinschaut, sieht dahinter die die Konturen von moderner Architektur durchschimmern: das Hotel Mercure oder die inzwischen abgerissene Fachhochschule. Die historisierenden Fassaden bestimmen das Bild, so wie es der Masterplan für die Potsdamer Mitte auch vorsieht. Dahinter aber behauptet sich ein anderes Stadtbild, jenes, das dabei ist zu verschwinden.

Noch deutlicher knüpft der Film von Yeni Harkányi an den jüngsten Veränderungen in der Potsdamer Mitte an. Der Film ist parallel zu der statischen Darstellung der historischen Fassaden in der Installation zu sehen, als bewegtes Gegenüber quasi. Harkányi war im Juni in den Ruinen der damals mitten im Abriss befindlichen Fachhochschule unterwegs, filmte kostümierte Performer, die verloren im Schutt des Gebäudes stehen, im Hintergrund der Abrissbagger. In dem Film kommt auch der Kunsthistoriker André Tomczak zu Wort, der Initiator von „Stadtmitte für alle“. Während der historische Grundriss als spielerisch verfremdetes Videomaterial über die Leinwand flimmert, erzählt Tomczak davon, dass die historische Garnisonstadt Potsdam so gebaut war, dass sich die Soldaten möglichst überall beobachtet fühlten.

„PerspektivWechsel“ lässt nicht nur die Kinder aus Drewitz im Film selbst zu Wort kommen und inzwischen abgerissene Gebäude wieder auferstehen, sondern holt die Kinder im Rahmen einer Tanzperformance auch auf die selbst gestaltete Bühne. Marita Erxleben hat gemeinsam mit drei professionellen Tänzern eine Choreografie erarbeitet. Auch ein Absperrband spielt hierin eine Rolle. Erst als Spielelement, dann als Begrenzung, die die Kinder zusammentreibt, sie einzäunt in einen vorgegebenen Bereich. Aber nicht lange. Denn natürlich lassen sich die rund 40 Performer so leicht nicht einsperren. Utopisch? Kann schon sein, sagt Marita Erxleben. „Man muss Kindern zuhören, ihnen Raum geben.“ 

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Installation „PerspektivWechsel“, am 29.11. von 10 bis 21 Uhr sowie am 30.11. von 10 bis 17 Uhr im Saal des Potsdam Museums. Am Donnerstag von 17 bis 20 Uhr ist der Eintritt frei. Die Performance findet am 29.11. um 17.30 und 18.30 Uhr statt.

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