Kultur : In Potsdams Mitte angekommen

Malerei von Ilja Kleiner im Atrium der Potsdamer Stadtwerke / Prominenter Gast: Anatoli Pristawkin

Astrid Priebs-Tröger

Malerei von Ilja Kleiner im Atrium der Potsdamer Stadtwerke / Prominenter Gast: Anatoli Pristawkin Er wäre so gern auf der 1. Brandenburgischen Kunstmesse „Art Brandenburg“ vertreten gewesen. Ilja Kleiner (Jahrgang 1938) kommt aus der ehemaligen Sowjetunion und lebt seit drei Jahren in der Landeshauptstadt. Er ist Maler „mit Leib und Seele“, wie er in seiner Selbstdarstellung betont. Neben seinen vielen anderen Talenten als Sportler, Schriftsteller und Musiker. Kleiners Bilder sind seit Ende September, im Rahmen der Woche des ausländischen Mitbürgers, im Atrium der Stadtwerke Potsdam GmbH zu besichtigen. Organisiert wurde die sehr umfangreiche Exposition von der Jüdischen Gemeinde und dem Ausländerbeirat der Stadt Potsdam. Und sie soll einmal mehr zeigen, „mit welchen Talenten die Zuwanderer hergekommen sind“, wie der Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde, Mikhail Tkatsch, hervorhebt. Kleiner malt seit er vier Jahre ist und er hat ein großes Vorbild, seinen berühmten Landsmann, den Malerpoeten Marc Chagall, dem er selbst auf dessen Moskaureise 1973 begegnet ist. Er ist stark inspiriert von dessen Bilder- und Farbenwelt und es gibt auch Berührungen in den Sujets, wie in „Jüdische Hochzeit“ oder „Der jüdische Don Quichotte“, beide von 2003. In Kleiners heimatlichen Landschaften, seinen meist opulenten Ölbildern von lebensprallen Frauen und den Stillleben sind die Farben von der kraftvollen Poesie der russischen und jüdischen Folklore beeinflusst und spiegeln für den westlichen Betrachter etwas von der so genannten „osteuropäischen Seele“ wider. Aber Kleiner beherrscht viele Techniken, wie bei den mehr als 50 ausgestellten Bildern zu sehen ist und er hat sich auch längst in Potsdam eingelebt. „Dass es ihm hier sehr gut gefällt“, spürt man, wenn man „Aussicht aus meinem Fenster“ (2005) – er blickt auf die Nikolaikirche – oder „Potsdam“, die beide im Stil der französischen Impressionisten gemalt sind, betrachtet. Und er zeigt Witz und Ironie, wenn er auf seinem Bild „Sozialamt“ (2003) dieses als vielbusiges üppiges Weib darstellt, das allerlei „Säugetiere“ angelockt hat und sie mit seeligem Grinsen im Gesicht stillt. Jetzt hatte der Maler einen sehr prominenten Gast in seiner Schau: den bekannten Schriftsteller Anatoli Pristawkin. Dieser weilte in Berlin und ließ es sich nicht nehmen, seinem langjährigen Freund – beide kennen sich seit der Perestroika und von gemeinsamen Aktionen mit anderen Moskauer Künstlern für Heimkinder – in der Ausstellung einen Besuch abzustatten. Leider las er nicht, wie angekündigt, aus eigenen Werken, stellte dies aber für Dezember in Aussicht. Stattdessen übergab ihm Ilja Kleiner zwei Bilder als Geschenk, ein Porträt seines Dichterfreundes und das Gemälde „Kindheitserinnerungen“ (2005), das in großer Schlichtheit vier Lebensphasen eines Jungen, irgendwo in einem russischen Hinterhof, darstellt. Ilja Kleiner, nach seinen Vorhaben für die nächste Zeit gefragt, zeigte in seiner Antwort einmal mehr, „dass er seine Potentiale gern der neuen Heimat zur Verfügung stellen will.“ Er möchte gemeinsam mit malfreudigen Landeshauptstädtern im Potsdamer Stadtfernsehen eine offene Malstunde gestalten. Thema: „Wir malen unsere schöne Stadt“. Diese Idee hat sich bereits in Russland als Erfolgsrezept erwiesen. Zu wünschen wäre noch, dass sich Galeristen finden, die ihn bei kommenden Ausstellungen konzeptionell beraten und unterstützen. Astrid Priebs-Tröger Ausstellung noch bis 14. November im Atrium der Stadtwerke, Steinstraße 101

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