Kultur : In der Familientradition

Erinnerung an Sibylle Harksen und ihre Familie

Erinnerung an Sibylle Harksen und ihre Familie Erst während einer Ausstellung in Dessau erfährt der kunstinteressierte Potsdamer, dass die Kunsthistorikerin Sibylle Harksen schon am 30. April 1999 nach langer Krankheit in ihrer Heimatstadt Dessau verstorben ist. Sibylle Harksen (geb. 1931) war bis 1991 mehr als zwanzig Jahre Kustos und Leiterin der Plankammer der Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci, eine Tätigkeit, die sie mit komplexer Sachkenntnis ausfüllte, wie ihre ehemaligen Kollegen berichten. Eine ihrer vorrangigen Aufgaben war, den großen Bestand an Bildern, Bauzeichnungen, Aquarellen und Drucken zu katalogisieren. Dadurch wurde die wissenschaftliche Arbeit in Sanssouci wesentlich verbessert. Sibylle Harksen war ganz in der Tradition ihrer Familie verwurzelt. In der Ausstellung „Dessau, das Bauhaus und die Familie Harksen“ in den Meisterhäusern Kandnisky/Klee wird das siebzigjährige Wirken der Familie Harksen vor allem für die Stadt Dessau und das Land Sachsen-Anhalt liebevoll und kenntnisreich deutlich gemacht, mit Fotos, Briefen, Büchern und Kunstwerken. Hans Harksen (1897-1985), der Vater von Sibylle, Stadtarchivar und Stadtkämmerer in Dessau, interessiert an Kunst und Geschichte, war befreundet mit Bauhaus-Künstlern. Er sammelte Bilder Wassili Kandinskys, Oskar Schlemmers oder Alexei von Jawlenskys. Lithographien, Radierungen und Holzschnitte dieser Meister fanden nun in der Dessauer Ausstellung Platz. Das Erinnern an die Harksens schließt auch die Schwester von Hans Harksen, Julie Harksen (1898-1980), ein. Die Kunsthistorikerin war an der Anhaltischen Kunstgalerie tätig, schon vor 1945. Da sie völlig unbelastetet aus der nationalsozialistischen Zeit hervorging, konnte sie die Arbeit dort weiterführen. Sie hatte sich nach dem Zweiten Weltkrieg um die Wiedereröffnung der Anhaltischen Gemäldegalerie und um die Rückführung von Gemälden aus der Sowjetunion erfolgreich bemüht. Auch die Frau von Hans Harksen, Marie-Luise (1901-1986), war eine hoch geachtete Kunsthistorikerin in Dessau und in Sachsen-Anhalt. Sie bemühte sich mit großem Engagement um die Erfassung der Denkmale in dieser alten Kulturlandschaft. In der ganz in der Kunst und Kultur verwurzelten Familie wuchs Sibylle Harksen auf. Sie studierte an der Martin-Luther-Universität Halle. Ihr großes Interesse galt den Renaissancekünstlern Ludwig Binder und Lucas Cranach. Aber auch anderen Kunstepochen galt ihre intensive Aufmerksamkeit. So natürlich denen, die in den Sammlungen in Sanssoucis Plankammer vertreten sind, der Kunst des 17. bis 19. Jahrhunderts. Die Kunsthistorikerin hat auch gern Ausstellungen konzipiert. Mit Bildern von der Stadt im Biedermeier oder historischen Innenräumen hat sie die Öffentlichkeit in den Römischen Bädern bekannt gemacht. Und immer wieder hat die Heiterkeit ausstrahlende Frau geschrieben, deren Texte dann sehr oft auch in Büchern verlegt wurden. Der große repräsentative Bildband „Die Frau im Mittelalter“ (Edition Leipzig) hatte besonderen Erfolg. Doch zwei Bücher gehören nach wie vor zu Standardwerken: Die Bibliographie zur Kunstgeschichte von Sachsen-Anhalt (Akademie Verlag,1966) und der Katalog der Zeichnungen Joseph Peter Lennés (1993), den Sibylle Harksen gemeinsam mit Dr. Harri Günther bearbeitete und herausgab. Die Ausstellung, die noch bis zum 8. März zu sehen ist, würdigt eine Familie, deren Mitglied Sibylle in den siebziger und achtziger Jahren eine wichtige Instanz in der Kunsthistoriker-Gilde Potsdams war. Klaus Büstrin

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