Kultur : Im Klavier-Labor

Die Edwin-Fischer-Sommerakademie lädt wieder zum intensiven Proben und Zuhören ein

Babette Kaiserkern

Wie sie klingen, wissen viele. Wer es nicht weiß, aber neugierig ist, kann ins Konzert gehen oder eine CD kaufen. Wer aber wissen möchte, wie die Waldsteinsonate, der „Grande Valse brillante“ oder ein Klavierkonzert erarbeitet und geprobt werden, könnte es bei der Edwin Fischer Sommerakademie probieren. Am 8. und 9. Juli verwandelt sich die Orangerie von Schloss Glienicke wieder in ein Labor des Klavierspiels.

Wie schon in den Jahren zuvor experimentieren dann ausgewählte Talente unter Anleitung mit den vornehmsten Werken der Klaviermusik. Diesmal kommen die sieben Schüler aus Japan, China, Weißrussland, Georgien, Armenien und Deutschland.

Eine junge Frau reist extra aus Boston an, wo sie studiert. Eine weitere Teilnehmerin aus Zürich hat die sich für die Option „Zuhören“ entschieden. Beide wurden von Alexander Untschi, der die Sommerakademie zum Gedenken an den Jahrhundert-Pianisten Edwin Fischer und an seine Potsdamer Meisterklassen gegründet hat, aus insgesamt 17 Anmeldungen ausgewählt. Die Sommerakademie findet in diesem Jahr zum siebten Mal statt und es ist schon eine gute Tradition geworden, dass die jungen Teilnehmer bei Potsdamer Familien zu Gast sein dürfen.

Am Ende bildet ein Konzert den krönenden Abschluss. In diesem Jahr soll es nicht nur einen ersten Preisträger geben – auch die Zuhörer sollen ihrem Favoriten einen Preis verleihen. Da lohnt es sich, vorher besonders viel zu üben. Umso besser, dass die Musikschule Johann Sebastian Bach erneut Räume und Instrumente zur Verfügung stellt.

Neu in diesem Jahr ist, dass mit Paul Lewis ein vergleichsweise junger Meister den Unterricht leitet. Der 44 Jahre alte Brite gilt als einer der ganz großen Pianisten seiner Generation. Mit seinen feinsinnigen Interpretationen, seiner „wunderbaren Kombination von Ausgeglichenheit, Leidenschaft und Intimität“, wie die New York Times es nannte, erregt er derzeit viel Aufsehen. Zu seinen Lehrern zählt niemand Geringeres als der große Pianist Alfred Brendel, dessen Meisterschüler sich an einer Hand abzählen lassen.

Heute ist Paul Lewis in den internationalen Konzertsälen zu Hause. Das war ihm als Sohn eines Hafenarbeiters, der zu Hause höchstens Mal eine CD von John Denver auflegte, nicht in die Wiege gelegt. Inzwischen lebt er mit seiner Frau, einer norwegischen Cellistin, und mit drei kleinen Töchtern in einem Dorf nördlich von London.

Die Tatsache, dass Paul Lewis einer neuen Pianisten-Generation angehört, verspricht eine frische Brise für die Edwin-Fischer-Sommerakademie. Frühere Meisterklassenlehrer wie Elisabeth Leonskaja, Paul Badura-Skoda oder Dmitri Baschkirov gehörten schon aufgrund ihres Alters und ihres Ruhms zu den lebenden Legenden von Klavierspiel- und Lehre.

Deshalb freut sich Alexander Untschi auch so besonders, dass Paul Lewis im Vorfeld offen gesagt hat, was er unterrichten könne und was nicht: „Das russische Repertoire ist nicht so seins, dafür umso mehr die Wiener Klassik und die Romantik.“ Nicht nur die Teilnehmer, sondern auch die Zuhörer dürfen bei der diesjährigen Sommerakademie interessante Übungsstunden und ein Abschlusskonzert mit grandiosen Werken aus dem Klavierolymp erwarten. Babette Kaiserkern

Die Edwin-Fischer-Sommerakademie findet am 8. Juli ab 9.30 Uhr und am 9. Juli ab 9 Uhr in der Orangerie von Schloss Glienicke statt. Das Zuhören ist bei freiem Eintritt herzlich erwünscht. Das Abschlusskonzert findet am 9. Juli um 19.30 Uhr ebenfalls in der Orangerie statt. Karten kosten 15 , ermäßigt 10 Euro

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