Kultur : Honeckers Erben im Visier

Hubertus Knabe liest heute in Potsdam

Dirk Becker
Hubertus Knabe
Hubertus KnabeFoto: Phönix

Der Autor Hubertus Knabe ist ein streitbarer Mann. Er ist der Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen im ehemaligen zentralen Untersuchungsgefängnis des DDR-Staatssicherheitsdienstes. Ein Ort, an dem sich bis heute das Grauen dieses Unrechtsstaates erhalten hat. Knabe schaut genau hin, wenn es um die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit geht. Und immer wieder meldet er sich laut und kritisch zu Wort, wenn es um die Auseinandersetzung mit dieser Vergangenheit geht, die nicht wenige am liebsten nur noch ein paar Historikern zum stillen Forschen in Archiven überlassen würden.

Die neueste Wortmeldung von Knabe trägt den Titel „Honeckers Erben – Die Wahrheit über Die Linken“. Das Buch, erschienen im Ullstein-Verlag, ist eine klare Kampfansage an die Partei Die Linke und ein Plädoyer an den Bundesbürger, endlich einmal genauer hinzuschauen. Am heutigen Donnerstag stellt Hubertus Knabe sein Buch in Potsdam vor.

Nicht jeder wird mit Knabes Argumentation übereinstimmen, wenn er schon im Einband zu „Honeckers Erben“ schreibt: „Als 1989 die SED-Diktatur gestürzt wurde, hätte niemand gedacht, dass die Staatspartei der DDR zwanzig Jahre später die Geschicke der Bundesrepublik mitbestimmen würde.“ Selbst die schärfsten Kritiker der Links-Partei gestehen ihr zu, dass sie längst nicht mehr nur ein SED-Nachfolger ist. Und ob Die Linke nun eine Partei ist, die eine große Gefahr für die Demokratie in Deutschland darstellt, sei dahingestellt. Doch bei aller Zuspitzung und gelegentlichen Polemik, die Stimme von Hubertus Knabe ist eine wichtige in der Diskussion um die DDR-Vergangenheit.

So wenn in Brandenburg die Nichtaufarbeitung von Stasivergangenheiten in der Polizei als etwas Normales abgetan wird, das keiner weiteren Diskussion bedarf. Und wenn ehemalige Stasi-Spitzel politische Karrieren machen und Fragen zu ihrer Vergangenheit mit dem Satz abtun, das müsse doch nun endlich mal vorbei und vergessen sein, sind scharfe Stimmen wie die von Hubertus Knabe unabdingbar. Denn es sind genau diese Stimmen, die einen zum Glück immer wieder dann aufschrecken, wenn die Verharmlosung und Relativierung anfängt zu wirken und die Lumpen von gestern so tun, als seien sie die edlen Herren von heute. Dirk Becker

Lesung heute 20 Uhr im Waschhaus.

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