• Gradlinig in den Stimmausfall Emil Bulls verausgabten sich im Waschhaus

Kultur : Gradlinig in den Stimmausfall Emil Bulls verausgabten sich im Waschhaus

Oliver Dietrich

Sie sind wieder zurück – oder immer noch da? Die Münchner Band Emil Bulls war um die Jahrtausendwende eines der Aushängeschilder der deutschen Crossover-Szene, und eine der wenigen Bands, die es auch zu internationalem Ruhm schaffte. Die Melange aus Hardcore, Metal und ausgeprägt melodischen Parts traf den Zeitgeist – und ebnete den Weg für die zahllosen Nu-Metal-Bands, die den angestaubten Metalsound wieder popkulturell salonfähig machten. Dabei haben die Emil Bulls schon ein paar Jahre auf dem Buckel: 1995 gegründet, ist die Band erst 2001 richtig aufgefallen – ausgerechnet mit einem Coversong von A-Ha: „Take On Me“ schaffte es als Brachialversion bis in die Charts. 17 Jahre später spielten die Emil Bulls am Donnerstag in der Waschhaus-Arena.

Begleitet wurden Emil Bulls von Lonely Spring, denen nur ein denkbar kurzer Auftritt gegönnt war, sowie von den Schweden Imminence. Gerade Imminence ließen mit ihrem Konglomerat aus schwedischen Bombastrock und weinerlichem Synthie-Gewaber nichts Gutes vermuten: Ist Nu-Metal wirklich so seicht geworden? Der Sänger im Justin-Bieber-Look, aber mit der Stimme Bonos, versuchte durch das Tragen einer raubeinigen Lederjacke seine weiche Ader zu kaschieren, während die Band – unterstützt durch eingespielte Synthesizer – verzweifelt nach atmosphärischer Dichte heischte, die sich einfach nicht einstellen wollte. Was sich selbst als Post-Metalcore bezeichnete, war leider nichts anderes als The Cure in einer Metal-Persiflage. Schade.

Dass hier Wert auf optische Theatralik gelegt wird, unterstrichen Emil Bulls im Anschluss mit einer XL-Umbaupause, bei der die Bühne komplett verhüllt wurde. Dementsprechend sah sie dann auch aus: das Schlagzeug auf einer Extra-Etage, und sogar die Monitorboxen im bühnenausfüllenden Schildpatt-Muster. Man muss sich eben zu inszenieren wissen. So viel Ablenkung brauchte die Band eigentlich gar nicht: Keine Chorus-Peinlichkeiten, kein weinerlicher Clean-Gesang, die Gitarren schön schwer – Geradlinigkeit ist die Königsdisziplin des Metal, das haben Emil Bulls begriffen. Und das Ganze auch noch mit einem Ersatz-Gitarristen: Bandmitglied „Moik“ hatte sich nämlich „beim Fußballspiel brutal den Meniskus rausgeballert“,für ihn übernahm „Michi“, der extra für die Tour fit gemacht wurde.

Die Geschwindigkeit war von Anfang an hoch, Gitarren und Schlagzeug trieben den Gesang vorwärts – wer in dem Alter noch auf so hohem Niveau Metal spielt, der muss einiges leisten. Und dann passiert es: Kurz vor der Hälfte des Sets versagt Sänger Christoph die Stimme – die Band bricht das Konzert ab. Eine Entscheidung, die auf allen Seiten für schwere Herzen sorgt und die auch das Trost-Freibier nur schwer kompensieren kann. Glück im Unglück: Die Tour wird nicht abgebrochen, heißt es tags darauf, die Stimmbandentzündung wurde erfolgreich behandelt. Hoffen wir das Beste. Oliver Dietrich