Kultur : Geburtstag der Klarinette

4. Saison des Neuen Kammerorchesters vorgestellt

4. Saison des Neuen Kammerorchesters vorgestellt Fünf Konzerte wird das Neue Kammerorchester Potsdam in der kommenden Saison, die am 30. September traditionsgemäß in der Erlöserkirche stattfindet, geben. Ud Joffe, der künstlerische Leiter und Dirigent des Klangkörpers, stellte das Gesamtprogramm unter dem Motto: „Die Klarinette – ein Wegweiser zu Mozart 2006“ vor. Gestern haben Joffe und der Vorsitzende des Trägervereins, Christian Seidel, die Konzertreihe vorgestellt. In zwei Jahren feiert die Musikwelt den 250. Geburtstag Mozarts. „Wir wollen bereits einen Vorgeschmack auf das große Jubiläum geben“, so der Dirigent. Auch die Klarinette feiert Geburtstag, bereits ihren 300. Mozart schwärmte sehr von diesem Instrument, von seinem großen Klangumfang, der mit seinen Ausdrucksmöglichkeiten der menschlichen Stimme sehr nahe kommt. Mozart schrieb 1778 aus Paris ein bisschen verzweifelt an seinen Vater: „Ach, wenn wir (in Salzburg) nur clarinetti hätten! - sie glauben nicht was eine sinfonie mit flauten, oboen und clarinetten einen herrlichen Effect macht!“ Der Komponist schrieb eines der schönsten Klarinettenkonzerte der Musikliteratur. Er versah es mit einer Melodie, die einfach zum Dahinschmelzen ist. Sie bringt Saiten zum Schwingen, die man gern im Reich des Unbeschreiblichen lässt. Dieses Werk wird im letzten Konzert der Saison zu hören sein, am 2. Juni 2005. An diesem Abend soll auch Mozarts „Zauberflöte“ in einer halbszenischen Aufführung zu erleben sein. Dabei kooperiert das Orchester wieder mit dem Hans Otto Theater. Das Saisoneröffnungskonzert ist ebenfalls Mozart gewidmet, und zwar mit der populären Kleinen Nachtmusik und der Sinfonie Nr.40 in g-Moll. Die Veranstaltungen sollen auch, wie Ud Joffe sagte, Entdeckungsreisen zu anderen Komponisten und deren kompositorischen Umgang mit der Klarinette werden, zu Aaron Copland und zu Gerald Finzi. Junge Solisten konnten gewonnen werden: Shirley Brill, Schülerin von Sabine Meyer, Gewinnerin des ARD-Wettbewerbs 2003 (29.9.), Hanno Pilz (11.11.), Nicole Kern (2.6.) sowie der Shootingstar Dimitri Ashkenazy (17.2.). Spannend wird das Programm des Konzerts innerhalb der „Vocalise“, bei dem ausschließlich Werke jüdischer Komponisten des 20. Jahrhunderts zu hören sein werden. Das festliche Konzert am 1. Advent in der Friedenskirche Sanssouci wird von Konzertmeister Wolfgang Hasleder geleitet. Immer wieder wird das Kammerorchester zur Mitwirkung von Oratorienaufführungen anderer Potsdamer Klangkörper sowie außerhalb der Stadt eingeladen. „Wir brauchen uns mit der künstlerischen Qualität nicht zu verstecken“, betonte Christian Seidel. Er beklagte, dass das Orchester für die nächsten Konzerte keine Projektförderung von der Kommune erhalten wird. „Der Klangkörper lebt gegenwärtig nur von Spenden und den Einnahmen aus Eintrittsgeldern. Wir arbeiten wirtschaftlich mit hoher Effektivität. Das soll man uns erst nachmachen.“ Und Joffe bemerkt zur Ablehnung von Projektfördermitteln: „Hier agierte die Kommune wieder einmal, als ob wir uns in einer Kulturkleinstadt befinden und nicht auf dem Weg zur Kulturhauptstadt Europas.“ Klaus Büstrin

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