• Filmunistudent Lars Ostmann im Filmmusem Potsdam: Der schnellen Welt entkommen

Filmunistudent Lars Ostmann im Filmmusem Potsdam : Der schnellen Welt entkommen

Lars Ostmann studiert derzeit im Master an der Filmuniversität Babelsberg. Im Filmmuseum stellte er seinen Bachelor-Abschlussfilm „Die Insel“ vor. Eine Doku, die entschleunigt.

"Die Insel": Mutter Ballmann und eine ihrer Töchter auf  El Hierro. 
"Die Insel": Mutter Ballmann und eine ihrer Töchter auf  El Hierro. Foto: Filmmuseum Potsdam

Potsdam - Ein verwilderter Garten, bunte Wanddekorationen in warmen Farben, frisches Obst aus eigenem Anbau. Das Leben des Ehepaars Ballmann auf der Kanarischen Insel El Hierro wirkt sehr idyllisch, ja beinahe paradiesisch. Lars Ostmann zeigt dieses Auswandererleben in seiner Dokumentation „Die Insel“ in langen, schwelgenden Bildern. Entschleunigend wirkt sein Film, den er am Dienstagabend im Filmmuseum vorstellte, und dennoch regt er zum Nachdenken an. Denn Ostmann, der im Master an der Potsdamer Filmuniversität studiert, zeigt weniger ein konkretes Auswandererporträt. Vielmehr wirft er die Frage auf, welches Lebensmodell das richtige ist, um mit sich selbst im Einklang zu sein.

„Die Insel“ ist sein Bachelorabschlussfilm gewesen. Mit der Familie Ballmann ist seine Familie lange bekannt, wie er im Filmmuseum erzählt. „Meine Mutter ist Hebamme und hat geholfen, die beiden ersten Ballmann-Töchter zur Welt zur bringen“, sagt der 37-jährige Wahlberliner. Er selbst kennt die insgesamt vier Töchter aus Kindheitstagen, wirklich gut befreundet seien sie aber nicht gewesen. Im Film besuchen drei der inzwischen jungen Frauen ihre Eltern um die Weihnachtszeit auf der Insel. Sie alle sind ganz unterschiedlich: Die eine ist Bloggerin, die nächste Schauspielerin und die dritte Therapeutin. Die vierte ist gerade in New York, in einer Szene wird sie per Skype zugeschaltet.

Subtile Ästhetik, entschleunigende Atmosphäre

Auch das Familienleben wirkt auf den ersten Blick sehr idyllisch: Gemeinsame Strandbesuche, nette Gespräche am Esstisch mit Gesangseinlagen. Doch langsam schält sich ein leichter Konflikt heraus: Die Eltern würden das Haus auf der Insel gerne an die Kinder weitergeben, die Töchter bevorzugen doch eher ein Leben in der Stadt. Ein Familiengespräch über Kinderplanung, Alterspläne und Tod endet im unangenehmen Schweigen.

In Lars Ostmanns Doku, die auf dem Filmfestival in Sevilla Premiere feierte, schälen sich Szenen wie diese scheinbar von ganz alleine heraus. Er verzichtet auf einen Kommentar aus dem Off oder gar direkte Interviews mit den Protagonisten. Er begleitet einfach. Eine Frage der Ästethik, wie er es nennt. „Wir haben Direktinterviews gedreht, insgesamt existiert noch viel mehr Material als die 58 Minuten“, erzählt der aus Saarbrücken stammende Regisseur. Allerdings hätte der Film mit diesem Material eine vollkommen andere Stimmung bekommen. „Alles wäre weniger subtil“, sagt Ostmann, der sich durchaus bewusst ist, dass der Zuschauer gierig nach mehr Informationen zu den Protagonisten ist. Der erfährt beim Sehen von „Die Insel“ keine genauen Biografiedaten oder ähnliches. Fragen, warum die Ballmanns wann nach El Hierro gezogen sind und wie sie sich ihr Leben dort genau finanzieren, bleiben offen. Szenen, in denen die Mutter eine Yogastunde unterrichtet oder der Vater seine gemalten Bilder für einen Blogartikel fotografiert, geben kleine Hinweise.

Regisseur und Filmunistudent Lars Ostmann.
Regisseur und Filmunistudent Lars Ostmann.Foto: Sarah Kugler

Gegenentwurf für die digitalisierte Welt

Dreieinhalb Wochen haben Ostmann und seine Crew – Kamerafrau Sabine Panossian und Produzent Urs Kind – die Familie auf El Hierro begleitet. Die Kamera bei den entscheidenden Szenen sofort parat zu haben, sei nicht immer einfach gewesen, sagt der Regisseur. „Wir haben oft den Vorwand genutzt, Szenen um das Haus zu drehen und waren somit startklar“, erzählt er und schmunzelt.

Die Suche nach einem Gegenentwurf für die gegenwärtige digitalisierte Welt treibt Ostmann um. Vor seinem Studium in Potsdam hat er als Nachrichtenproduzent beim Fernsehen gearbeitet, die ständige Abrufbereitschaft habe ihn wahnsinnig gemacht. „Ich genieße es sehr, mein Handy jetzt auf Flugmodus stellen zu können“, sagt er am Dienstag. Derzeit arbeitet er an seinem Masterabschlussfilm, den er unter anderem in Tokio dreht. Es geht um langsame Orte in der schnellen Stadt. Auf einer Insel würde er selbst allerdings nicht dauerhaft leben wollen: „Mir würde dort das Kino oder Konzerte fehlen.“