• Filmstar Sebastian Koch im Nikolaisaal in Potsdam

Kultur : Filmstar Sebastian Koch im Nikolaisaal

Am Wochenende begeisterte ein Knabenchor mit Weihnachtsklassikern im Nikolaisaal in Potsdam. Garniert mit der Lesung von Filmstar Sebastian Koch.

Schauspieler Sebastian Koch
Schauspieler Sebastian KochFoto: Arne Dedert/ dpa-Archiv

Potsdam - Alle Jahre wieder weihnachtet es – dazu gehören natürlich auch die Weihnachtslieder. Sie sind geradezu unverwüstlich, zumindest für ein paar Wochen und Tage im Jahr. Rockmusiker, Schlagerstars, ja sogar Volksmusikanten können, wenn sie sich nicht gerade mit Geige und Synthetik-Kaufhausästhetik an der Musik „vergreifen“, ihr keinen Schaden zufügen. Auch in Potsdam kann man die Klassiker wieder in einer Reihe von adventlichen und weihnachtlichen Konzerten erleben.

Knabenchor im Nikolaisaal

Im vollbesetzten Nikolaisaal gastierte am Wochenende innerhalb der Reihe Stars international der Windsbacher Knabenchor unter der Leitung von Martin Lehmann. Das 1946 von Hans Thamm gegründete Vokalensemble gehört zwar nicht zu den altehrwürdigen Knabenchören wie die Kruzianer in Dresden oder die Thomaner in Leipzig, aber es ist zweifellos eines der besten Deutschlands. Für seinen schwingenden und flexibel angelegten Klang wird er gerühmt, dazu kommt eine wunderbare Präzision und Ausdruckskraft. Bei Martin Lehmann, der Mitglied des Dresdner Kreuzchores war, spürt man, dass jegliche Routine für ihn ein Fremdwort ist, obwohl mancher Chorsatz aus dem weihnachtlichen Standardrepertoire dazu verführen könnte. Berühmte Lieder wie beispielsweise „Ich steh an deiner Krippen hier“, „O du fröhliche“ oder „Stille Nacht“, das übrigens vor 200 Jahren geschrieben wurde, klangen in ihrer Frische und Ausdeutung so, als ob man sie zum ersten Mal hörte. Lehmann wendet sich auf das Sorgfältigste den Texten zu. Nicht nur, dass jedes Wort zu verstehen war, man konzentrierte sich ganz und gar auf den Inhalt und verlieh ihm eine große Ausdrucks- und Farbenvielfalt. Zugleich entfaltete der Chor seine wunderbaren linearen Qualitäten, voll ausgekostet in den sich oftmals windenden Verästelungen sowie mit einem berückenden Piano.

Kunstvolle und schlichte Chorsätze

Aus der reichen Schatzkammer von Advents- und Weihnachtschorsätzen wählte der Knabenchor glücklicherweise kein Programm mit Spekulatius-Weisen der Vorweihnachtszeit. Man konzentrierte sich ganz klar auf den Kern der Botschaft von Advent und Weihnachten. Kunstvolle und schlichte Chorsätze aus 1000 Jahren Musikgeschichte waren zu hören, beginnend mit dem herben Hymnus „Nun sei uns willkommen“ aus dem 11. Jahrhundert über den vom Aufbruch der Maria erzählenden Chorsatz „Übers Gebirg Maria geht“ des Renaissancekomponisten Johann Eccard und der innig-hochromantischen Fassung des alten Adventsliedes „Und unser lieben Frauen“ von Max Reger bis zur Marien-Motette des musikalischen Brückenbauers Benjamin Britten. Auch einige weihnachtliche Volkslieder waren zu hören, die mit dynamischer Differenziertheit und einem feinen Empfinden für die Tiefe der Inhalte vorgetragen wurden.

Mit besonderer Innigkeit und feinem Humor

Für den Konzert-Zuckerguss sorgte an diesem Abend einer der renommiertesten Schauspieler Deutschlands: Sebastian Koch mit seiner sympathischen Ausstrahlung und eindrucksvollen Vorlese-Kultur. Nur wollten sich, abgesehen von der Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium, die ausgewählten Gedichte und Erzählungen unter anderem von Rilke, Eichendorff, Helga Meier oder Axel Hacke mit ihren stimmungsvollen und auch heiteren Alltags- und Festerlebnissen nicht so ganz in das Programm integrieren lassen. Da waren sie teilweise entfernt vom Kern der Weihnachtsbotschaft. Mit besonderer Innigkeit und feinem Humor las Koch die Erzählung „Das Geschenk der Weisen“ des US-amerikanischen Meisters der Kurzgeschichte O. Henry, der seine Figuren in aussichtloser Lage ansiedelt, doch für sie immer eine glückliche Lösung findet.

Zwischen den Chorauftritten und den Lesungen hörten die Konzertbesucher an unterschiedlichen Orten des Nikolaisaals eine einzelne Oboe, gespielt von Jochen Müller-Bricken. Mit pastoraler Anmut erklangen Instrumentalsätze von Telemann, Harald Genzmer oder Antal Doráti, die zwischen der Chormusik und den Lesungen als eine schöne meditative Zugabe galten.