• Festwoche der Kammerakademie Potsdam: Stationen einer Spitzenklasse

Festwoche der Kammerakademie Potsdam : Stationen einer Spitzenklasse

Die Kammerakademie Potsdam wird 20. Feiern wollte das Orchester schon 2021. Nun wird gebührend nachgefeiert - an acht verschiedenen Orten in Potsdam. 

Klaus Büstrin
Mit dem Oriol-Ensemble Berlin schlossen sich die Musiker des Persius-Ensembles zur Kammerakademie Potsdam zusammen.
Mit dem Oriol-Ensemble Berlin schlossen sich die Musiker des Persius-Ensembles zur Kammerakademie Potsdam zusammen.Foto: Nikolaj Lund

Potsdam - Mehr als 20 Jahre ist es her, dass junge Musiker der Brandenburgischen Philharmonie Potsdam ihre Spielfreude in der Kammermusik unter Beweis stellten: Sie gründeten ein Nonett mit dem Namen Persius-Ensemble. Das Ensemble erkundete verschiedenste Orte in Potsdam, vor allem die der preußischen Geschichte. Und es sorgte für spannende Begegnungen mit Kompositionen vor allem des 19. und 20. Jahrhunderts – darunter auch eine Uraufführung des Potsdamer Komponisten Gisbert Näther: die Persius-Suite. 

Im Jahr 2000 beschlossen die Kommune und die Landesregierung das Aus für die Philharmonie. Doch die Mitglieder des Persius-Ensembles ließen sich nicht unterkriegen, sie kämpften für einen neuen Klangkörper. Gemeinsam mit dem Oriol-Ensemble Berlin schlossen sie sich zur Kammerakademie Potsdam zusammen und bewarben sich als Hausorchester des Nikolaisaals – erfolgreich. 

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Ihr erstes Konzert als freies Orchester gab die Kammerakademie 2001 unter dem Dirigat von Peter Rundel. In den zwei Jahrzehnten, die seitdem vergangen sind, hat sich die Kammerakademie mit ihren 33 Mitgliedern zu einem Kammerorchester der Spitzenklasse in Deutschland und darüber hinaus entwickelt. Daran haben die Chefdirigenten wie Sergio Azzolini, Michael Sanderling und, seit 2010, Antonello Manacorda einen entscheidenden Anteil. 

Los geht's im Schloss Lindstedt

Eigentlich sollte das Zwanzigjährige 2021 gebührend gefeiert werden – doch Corona verhinderte das Vorhaben. Nun wird es nachgeholt: Von diesem Samstag bis zum 3. April findet eine Festwoche mit acht Konzerten statt. Verschiedene Spielorte sind ins Visier genommen – Orte, zu denen es prägende Bindungen gab und gibt. Beliebte Konzertformate und wichtige Repertoire- und Besetzungsfelder werden an den Festtagen zur Geltung kommen.  

Im idyllisch gelegenen Schloss Lindstedt wird am Samstagabend um 19.30 Uhr an die Anfänge der Kammerakademie erinnert. Das Persius-Ensemble hat sich zwar aufgelöst, doch Orchestermitglieder bilden für das Konzert ein Nonett. Mit von der Partie sind Instrumentalisten, die von den Anfangsjahren erzählen könnten: Bettina Lange an der Flöte, Jan Böttcher an der Obie, Peter Rainer an der Violine, Ralph Günthner an der Viola, sowie Jan-Peter Kuschel am Violoncello.

Schloss Lindstedt in der Nähe vom Park Sanssouci.
Schloss Lindstedt in der Nähe vom Park Sanssouci.Foto: Andreas Klaer

Die Potsdamer Winteroper gehört seit 2005 zu den Säulen des Musiklebens der Landeshauptstadt. Dafür sorgen die Kammerakademie, das Hans Otto Theater sowie international renommierte Gesangssolisten, Dirigenten und Regisseure. Und natürlich auch wunderbare Räume: das Schlosstheater im Neuen Palais und die Friedenskirche. Letztere diente während der Sanierung des Rokokotheaters als Ausweichspielstätte. 

In den sieben Jahren Interimszeit führten selten gespielte musiktheatralische Werke mit biblischen Themen von der Barockzeit bis zum 20. Jahrhundert zu anregenden Begegnungen. Die Winteroper steht im Mittelpunkt des Konzerts am Sonntag im Schlosstheater (Beginn: 18 Uhr). Geleitet wird die Kammerakademie von ihrem Chefdirigenten Antonello Manacorda. Das Programm erinnert mit Ouvertüren aus Opern von Gluck, Rossini und Mozart an gelungene Inszenierungen, darunter an „Titus“ und „Cosi fan tutte“. 

Antonello Manacorda hat zunächst Karriere als Geiger gemacht, bevor er Dirigent wurde.
Antonello Manacorda hat zunächst Karriere als Geiger gemacht, bevor er Dirigent wurde.Foto: Sebastian Gabsch PNN

Fagottist Christoph Knitt tritt im Barberini auf

Im Museum Barberini, im stimmungsvollen frühklassizistischen Palais Lichtenau sowie in der Stadt- und Landesbibliothek sind Mitglieder des Orchesters immer wieder mit Kammermusikreihen zu Gast. Bei den Konzerten der Festwoche stehen die Spezifika des jeweiligen Hauses im Blickfeld. Im Museum Barberini spielt der Fagottist Christoph Knitt am 28. März um 13 Uhr in der Gesprächskonzertreihe „KlangFarben“ eine Sonate von Carl Philipp Emanuel Bach. Die Musik der Frühklassik und Gemälde aus der Impressionismus-Sammlung von Hasso Plattner sollen in einen spannungsreichen Dialog treten. 

Während der Musikalischen Salons im Palais Lichtenau steht stets die kammermusikalische Vielfalt im Fokus. So auch am 29. März um 19 Uhr, wenn Werke der Barockzeit und der Klassik gegeben werden. Literatur und Musik kommen am 31. März um 17 Uhr in der Bibliothek ins Gespräch, unter anderen mit einem Streichquartett der Romantik von Emilie Mayer und Ausschnitten aus dem jüngsten Roman „Das Vorkommnis“ der Potsdamer Schriftstellerin Julia Schoch.

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Mit zumeist ungewohnten Klängen wartet die erfolgreiche Reihe KAPmodern auf. Mitglieder des Orchesters versuchen hier, der zeitgenössischen Musik ein festes Zuhause zu geben. In der Festwoche ist am 30. März um 21 Uhr in der Friedenskirche ein Nachtkonzert vorgesehen. Es erklingen Kompositionen von Krzysztof Penderecki, Georg Friedrich Haas und Arnold Schönberg, dessen „Verklärte Nacht“ die Kammerakademie in ihrem Auftaktkonzert vor 20 Jahren im Nikolaisaal zum Besten gab.

Gala-Konzert im Nikolaisaal 

Einen bunten Strauß aus ihrem breiten Repertoire binden die Musikerinnen und Musiker im Gala-Konzert am Samstag, den 2. April, um 18 Uhr im Nikolaisaal. Von der Klassik über die Romantik bis ins Heute geht die Werkauswahl. Eingeladen wurden Solisten, mit denen das Orchester seit Jahren eine enge künstlerische Zusammenarbeit pflegt: die Violinistin Antje Weithaas, der Oboist Ramón Ortega Quero und der Cellist Maximilian Hornung. 

Drei Auftragswerke wird die Kammerakademie unter der Leitung des Chefdirigenten Antonello Manacorda zur Uraufführung bringen: Werke der Potsdamer Komponisten Gisbert Näther, Alex Nowitz und Volker Friedel. Zum Abschluss erklingt Beethovens mitreißende 7. Sinfonie.  

In den 4. Satz dieser Sinfonie kann zum Abschluss der Festwoche am 3. April um 15 Uhr jeder einstimmen, der ein Musikinstrument spielt: Dann trifft sich Potsdams erstes Spontanorchester in der Arena des Waschhauses. Tatkräftig unterstützt natürlich von der jugendlichen Jubilarin, der Kammerakademie Potsdam. 

Karten und weitere Informationen unter www.kammerakademie-potsdam.de

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