• Felix Hell beim Potsdamer Orgelsommer: Gerne mal Staubwischen auf der Empore

Felix Hell beim Potsdamer Orgelsommer : Gerne mal Staubwischen auf der Empore

Erster Musikunterricht mit sieben, ein Stipendium mit zwölf: Felix Hell ist mit seinen 33 Jahren bereits ein Star der Orgelszene. In Potsdam tritt er in der Friedenskirche auf.

Felix Hell ist ein deutscher Organist, lebt aber in den USA. 
Felix Hell ist ein deutscher Organist, lebt aber in den USA. Foto: PROMO

Potsdam - Im Speyerer Dom erlebt Felix Hell sein erstes Orgelkonzert. Sieben Jahre ist er alt. Noch heute erinnert er sich an das Gefühl: „Die Musik war so kraftvoll, es war eine körperliche Erfahrung.“ Als er dann sogar auf die Empore darf und das Instrument sieht, fünf Manuale, 100 Register, da sei ihm sofort klar gewesen: „Ich will unbedingt lernen, das zu spielen.“
Heute ist Felix Hell mit 33 Jahren ein international erfolgreicher Konzertorganist. Er lebt in den USA und ist derzeit mit einem Konzertprogramm in Deutschland unterwegs. Am heutigen Mittwochabend spielt er im Rahmen des Internationalen Orgelsommers in der Potsdamer Friedenskirche. 

Es ist sein erstes Mal in Potsdam. Von der Woehl-Orgel in der Friedenskirche, Baujahr 2004, kennt er nur die technischen Angaben. Es sei immer aufregend, sich mit dem jeweiligen Instrument vor Ort auseinanderzusetzen. Ein Organist wisse nie, was ihn genau in der Kirche erwartet. „Das ist eben die Herausforderung, auch mit Überraschungen umzusehen“. Der Tag vor dem Konzert wird zum Einspielen genutzt. „Ich möchte auf der jeweiligen Orgel meine eigene Signatur anbringen, die ich dem Publikum mitgeben will“, sagt Hell. Seine Zuhörer sollen von der Vorstellung schließlich auch etwas mitnehmen. „Da muss etwas rüberkommen. Ich möchte Gefühle vermitteln.“

Als Zwölfjähriger schon Jungstudent

Der siebenjährige Felix Hell bekommt erstmal zu hören, dass seine Beine für das Orgelspiel viel zu kurz wären. „Du musst erstmal größer werden.“ Er bekommt Klavierunterricht, und weil er drängelt dann doch Orgelstunden bei der Organistin einer Dorfkirche. „Man konnte die Orgelbank runterkurbeln, damit ich ans Pedal kam“. Nach einem halben Jahr schickt ihn die Kantorin zum Unterricht bei einem richtigen Lehrer. Kaum ein Jahr später spielt er erstmals einen kompletten Gottesdienst, mit zehn legt er die erste Prüfungsstufe zum Kirchenmusiker ab, als Zwölfjähriger wird er Jungstudent an der Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg. Es folgen Preise bei „Jugend musiziert“ und ein Studium an der renommierten Juilliard School in New York sowie am Curtis Institute of Music in Philadelphia. Heute lebt er mit seiner eigenen Familie in den USA und gehört zu einer neuen Generation von Organisten, die sich frisch und experimentierfreudig präsentieren.

Auch Hell fand unabhängig vom religiösen Kontext, mit dem die Orgel traditionell untrennbar verwoben ist, Zugang zu dem Instrument. Die großen Klassiker der Kirchenmusik wie Bach schätzt er dennoch. Und sagt: „Die zu spielen, wird umso schöner, je mehr Hintergründe man weiß“. Dass der Orgel bisweilen ein angestaubtes Image anhänge, überrasche ihn nicht. Aber da tue sich etwas. „Es gibt immer mehr junge, dynamische Konzertorganisten. Wir erleben gerade eine Renaissance der Orgel und ich versuche, Teil davon zu sein.“

Mit einer digitalen Konzertorgel unterwegs

Während ihn auf seiner Tour die europäischen Pfeifenorgeln faszinieren, ist er in den USA häufig mit seiner riesigen digitalen Konzertorgel unterwegs. „Damit kann ich überall auftreten.“ Ein weiterer Vorteil sei, dass man dabei nicht entrückt auf einer Empore sitzt, sondern mitten im Saal, direkt beim Publikum. Er findet es gut, wenn man ihm beim Spielen zuschaut. In Potsdam spielt er „eine Reise durch die Orgelvielfalt mit einigen meiner Lieblingswerke“: Barockes von Bach, Sinfonisches von Liszt und Amerikanisches von Samuel Barber und Seth Bingham – moderne Experimentierfreude inklusive. 

>>Am heutigen Mittwoch, 17. Juli um 19.30 Uhr in der Potsdamer Friedenskirche im Park Sanssouci, Karten kosten 8 Euro