• Es wäre ein herber Verlust: „JazzTime in Babelsberg“ vor dem Aus

Es wäre ein herber Verlust : „JazzTime in Babelsberg“ vor dem Aus

Die Konzertreihe „JazzTime in Babelsberg“ im Kulturhaus Babelsberg steht allem Anschein nach vor dem Aus. Es fehlt Geld.

Oliver Dietrich
Max Punstein.
Max Punstein.Foto: Jennifer Weyland/ promo

Potsdam - Glück und Unglück liegen manchmal nah beieinander: Eben noch, im vergangenen März, feierte die Veranstaltungsreihe „JazzTime in Babelsberg“ ihr fünfjähriges Jubiläum, und eigentlich sollte genug Potenzial für weitere Jahre vorhanden sein. Denn immerhin stand am Donnerstagabend das 40. Konzert an, auch ein Grund zu feiern, zumal es, wie immer, gut besucht war. Und dennoch: Es sollte wohl das letzte Konzert sein.

Jazzgrößen in Potsdam

Das wäre verdammt schade, etablierte sich die Reihe doch zu einem Dauerbrenner, der den fast schon verblassten Jazz zurück in die Havelstadt holte. Schlagzeuger und Organisator Max Punstein füllte mit einer fixen Idee eine Lücke aus, die viel zu lange klaffte. Das Konzept: Man hole eine Jazzgröße an einem Donnerstagabend nach Babelsberg, liefere die Band gleich mit und schmeiße im Anschluss ans Konzert einfach eine zünftige Jamsession – offen für alle, die ihr Instrument mitbringen. Der Trick dabei: Jazz aus dem elitären Kosmos zu befreien, in den er gar nicht hingehört. Qualität zu erschwinglichem Preis. Und das alles in dem ehrwürdigen, aber wunderbar passenden Ambiente des AWO-Kulturhauses im Rathaus Babelsberg. Das sprach sich rum bis nach Berlin. Babelsberg galt fortan als Hotspot, man sprach von der erfolgreichsten Brandenburger Veranstaltungsreihe für Jazz.

Ohne Zuschüsse geht es nicht

Doch nun kam die Nachricht, dass Schluss mit der Reihe sei, Max Punstein sie ohne Zuschüsse der Stadt nicht mehr durchführen kann. „Das ist ein sehr familiärer Rahmen dort oben, gut besucht, aber mehr als 70 Leute passen einfach nicht hinein“, so Punstein. Die Eintritte zu erhöhen funktioniere auch nicht: „Wir wollen ja die Studierenden ins Publikum holen.“ Die bekomme man nur über einen niedrigen Eintrittspreis.

Warum aber zog sich die Stadt aus der Förderung zurück? Pressesprecherin Christine Homann beschreibt die Sache etwas anders: „Die Veranstaltungsreihe „JazzTime in Babelsberg“ wurde seit 2014 aus dem Etat der kulturellen Projektförderung gefördert.“ Dies sei eine Anschubfinanzierung gewesen zur Etablierung des neuen Veranstaltungsformats im Jazzbereich. Seit 2018 erhalte das Kulturhaus Babelsberg eine ganzjährige Förderung zur Betreibung des Kulturhauses und die beinhalte auch die Finanzierung verschiedener Veranstalungen und kultureller Projekte. „2019 wird ’JazzTime in Babelsberg’ daher im Rahmen der ganzjährigen Förderung des Kulturhauses Babelberg finanziert und somit in bewährter Form fortgeführt“, so Christine Homann. Also doch kein Aus?

Max Punstein glaubt, dass die Abstimmung zwischen Stadt und Kulturhaus offensichtlich nicht funktioniert habe. Er wusste jedenfalls nichts davon, dass seine Reihe vom AWO-Kulturhaus mitfinanziert werden sollte. Er stellte wie immer einen Antrag auf Projektförderung und bekam die Ablehnung. „Die AWO brauchte das Geld sicher woanders“, so Punstein, der durchaus ein gutes Verhältnis zum Haus habe.

Laut Christine Homann gebe es zwischen der Kulturamtsleiterin Birgit Katherine Seemann und dem AWO-Kulturhaus inzwischen Gespräche. Derzeit sei Frau Seemann aber im Urlaub. Max Punstein hält es sich offen, ob er zurückrudern und die Reihe fortsetzen würde, sollte es doch noch eine Förderung geben. „Aus meiner jetzigen Sicht ist Schluss.“

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War es am Donnerstag nun also ein Abschiedskonzert? In manchen Köpfen wird es derzeit rumoren, um eine Lösung zu finden und die Reihe nicht einfach auslaufen zu lassen. Für Babelsberg wäre es ein herber Verlust. (mit jä)