Kultur : Erinnern ist Leben

Eine neue Ausstellung für Maimi von Mirbach wird zu ihrem 110. Geburtstag gestaltet

Eine neue Ausstellung im Galerie-Café Matschke erinnert ab 9. April anlässlich des 110. Geburtstags Maimi von Mirbachs an die mutige Potsdamerin, die in ihrem Haus Alleestraße 10 die Halbjüdin Gisela Distler-Brendel versteckte und so vor dem Holocoust schützen konnte.

Maimi von Mirbach wurde zwei Jahre vor ihrem Tod mit der höchsten Auszeichnung des Staates Israel geehrt, dem Titel „Gerechte der Völker“. Die Baroness wurde in einem liberalen Elternhaus multikulturell erzogen. Schon in den zwanziger Jahren erkannte sie die nationalistische und antisemitische Entwicklung, die 1933 zur Machtergreifung Adolf Hitlers führte. Als Cellistin pflegte sie zahlreiche Kontakte zu jüdischen Musikern, denen sie während der Nazi-Diktatur half, obwohl sie sich damit immer wieder selbst in Gefahr brachte. Sie schmuggelte Wertsachen und Schmuck emigrierter Juden ins Ausland, schickte Lebensmittelpakete in das KZ Theresienstadt und versteckte in ihrem Haus Alleestraße 10 die Halbjüdin Gisela Distler-Brendel, die somit überleben konnte, anders als Maimis Verlobter und viele ihrer jüdische Freunde. Auch der „Volljüdin“ Charlotte Kaiser gab Maimi von Mirbach in ihrem Haus vor dem Zugriff der Gestapo für mehrere Tage Unterschlupf.

In der Sowjetischen Besatzungszone sowie in den Anfängen der DDR war Maimi von Mirbach vielfältigen Demütigungen und Restriktionen ausgesetzt, so dass sie 1956 Potsdam verließ und nach Berlin-Charlottenburg umzog. Bis zu ihrem Tod berichtete sie in Schulen über ihre Erfahrungen in der Nazi-Ära.

An Ihrem 10. Todestag 1994 wurde in ihrem Potsdamer Wohnhaus des couragierten Handelns Maimi von Mirbachs gedacht. Die Initiative des Galeristen Rainer Matschke, der im Mirbachschen Haus ein Galerie-Café (Märkischer Kunst- und Kulturverein) betreibt, wurde von vielen Einzelnen und von politischen und kulturellen Institutionen tatkräftig unterstützt. So konnte eine Ausstellung zum Leben Maimi von Mirbachs gezeigt und am Haus eine Gedenktafel angebracht werden. Besonders initiativreich waren unter anderen die Familie von Treichel-Mirbach sowie die Potsdamer Autorin Gabriele Schnell. Sie haben sich um das Andenken von Maimi von Mirbach verdient gemacht.

Am 9. April öffnet nun in den Räumen des Galerie-Cafés eine neu gestaltetete Ausstellung, für die der Galerist Rainer Matschke und GrafikerBob Bahra verantwortlich zeichnen. Getreu dem jüdischen Sprichwort „Erinnern ist Leben“. kip

Eröffnung am 9.4. um 18 Uhr im Galerie-Café Matschke, Alleestraße 10.