Kultur : Ende einer Reise

Ursula und Rainer Sperl haben mit ihrer Galerie neue Räume in der Innenstadt bezogen – hier wirkten sie schon vor 40 Jahren

Richard Rabensaat
Zurück zu den Anfängen. Das Galeristenpaar Ursula und Rainer Sperl feierte am Sonntag Eröffnung in den neuen Räumen in der Schopenhauerstraße 27.
Zurück zu den Anfängen. Das Galeristenpaar Ursula und Rainer Sperl feierte am Sonntag Eröffnung in den neuen Räumen in der...Fotos: Ronny Budweth

Es ist eine Rückkehr nach fast 40 Jahren: 1978 arbeiteten Ursula und Rainer Sperl beim Kabarett, das damals in der Schopenhauerstraße 27 beheimatet war. Rainer Sperl fertigte Plakate, gestaltete die Inneneinrichtung und war für den Gesamteindruck des Hauses verantwortlich. Ursula Sperl machte die Öffentlichkeitsarbeit. „Das passte ganz gut und war eine gute Vorbereitung auf die spätere Galeriearbeit“, erinnert sich Ursula Sperl. Recht schnell habe die Arbeit mit der 1991 neu eröffneten Galerie einen so großen Umfang angenommen, dass Ursula Sperl beim Kabarett kündigte.

Nun sind die Sperls zurück in der Schopenhauerstraße 27, am Sonntag wurde Eröffnung gefeiert. Die Reise der Sperls durch Potsdam ist damit voraussichtlich beendet. „Das wird wohl unsere letzte Galerie sein“, sagt Rainer Sperl, der sich noch gut an das ehemalige Kabarett erinnert. Der Sozialismus hatte spaßig zu sein, also sollte in jedem Bezirk ein Kabarett entstehen, berichtet der Galerist. Seine Arbeit als Gestalter und Grafiker beim Kabarett war allerdings tatsächlich lustig, denn: „Ich konnte machen, was ich wollte. Die Leute von der Partei haben nichts mitbekommen“, erzählte Sperl.

Fünf Mal war die Galerie in den vergangenen Jahrzehnten umgezogen, zuletzt aus den Räumen der Fachhochschule. Dort wollten die Sperls eigentlich noch bis Oktober bleiben. Vor dem Auszug wollte Rainer Sperl, der nicht nur Galerist, sondern auch Künstler ist, eigene Sachen in einer größeren Ausstellung zeigen. Aber dann bereitete die politische Entwicklung seinen Plänen ein abruptes Ende: Durch die Besetzung der Hochschule und die dann folgende sofortige Räumung mussten auch die Sperls ihre großzügigen Räumlichkeiten verlassen. Was einige Schwierigkeiten bot, denn recht viele Arbeiten von Künstlern waren in der Galerie gelagert und mussten schnell fortgeschafft werden.

Die neue Galerie besteht zunächst aus einem einzigen Raum und angeschlossener Teeküche mit Büroraum. „In den Räumlichkeiten hier müssen wir uns ein wenig umstellen“, gesteht Rainer Sperl, „aber wir könne auch kleiner.“ In den vergangenen Wochen haben Ursula und Rainer Sperl die Räume hergerichtet. Der zur Straße hin liegende Ausstellungsraum ist nun in einem dunklen Ton gehalten, der die ausgestellten Bilder bestens zur Geltung bringt. Die raffinierte Beleuchtung erhellt den Raum, ohne aufdringlich zu wirken, und kann noch mit Punktstrahlern verstärkt werden. In dem Gewerbehaus nutzen die Sperls gegenwärtig nur einen Teil der Räume. Nach dem Kabarett folgte irgendwann die Diskothek Nachtleben, auch ein Hotel und ein Kino hat das Haus schon beherbergt. Der schöne Innenhof ist von der Galerie aus zugänglich. „Im Sommer können wir hier möglicherweise Konzerte und Lesungen machen und stören niemand, denn am Hof liegen keine Wohnungen“, sagt Rainer Sperl.

Zur Eröffnung zeigt der Galerist einen Querschnitt durch die Arbeiten der Künstler, mit denen die Galerie schon länger zusammenarbeitet. Aber auch neue Künstler sind vertreten, beispielsweise Martin Schuster mit dem Bild „Gathering“, auf dem sich eine Häuserlandschaft und Autos im Spielzeugformat versammeln. Meist sind es mittel- bis kleinformatige Bilder mit figürlichen Darstellungen, entsprechend dem über Jahre gepflegten Programm der Galerie. Malte Brekenfeld zeigt ein sonderbares galoppierendes Nagetier, auf dem sich einige Häuser angesiedelt haben. Auf Dieter Zimmermanns Bild stapeln sich die Messer und ragen dem Protagonisten anstatt einer Nase mitten aus dem Gesicht. Kerstin Heymanns lichtes Blumenbild setzt eine helle, fröhliche Note und Susanne Ramollas Engel schweben mit Asphaltlack auf einem goldenen Untergrund. Von Hans Hendrik Grimmling erscheinen rätselhafte Zeichen an der Wand: Argo-Zeichen hat der Künstler die Bilder genannt und verweist so auf die griechische Mythologie mit ihren umhergetriebenen Reisenden.

Auf die gegenwärtige Ausstellung, mit der die Galerie noch einmal ihr ganzes Programm zeigt, sollen Einzelausstellungen folgen, auch mit neuen Künstlern. „Wir bleiben unserer bisherigen Linie treu und zeigen vorwiegend Künstler aus der Region“, fasst es Rainer Sperl zusammen. Richard Rabensaat

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