• Einstand des neuen Kantors Johannes Lang: Bach mit emotionaler Tiefe musiziert

Einstand des neuen Kantors Johannes Lang : Bach mit emotionaler Tiefe musiziert

Die Wunderwelt Bach’scher Kantaten wird immer mal wieder in Konzerten und Gottesdiensten erschlossen. Doch zu selten. In der Friedenskirche Sanssouci haben die Kantoren regelmäßig mit dem Vocalkreis und dem Oratorienchor Potsdam Kantaten in Gottesdiensten zur Aufführung gebracht. Der neue Kantor Johannes Lang, so scheint es, wird diese wunderbare Tradition fortsetzen. Am Samstag füllten mehrere Hundert Besucher das Gotteshaus, wohl um die Kantate zu hören sowie den neuen Kirchenmusiker kennenzulernen, als Organist und Dirigent.

Mit Bachs Praeludium und Fuge in C BWV 545 rahmte Lang den Gottesdienst festlich ein, der liturgisch von Konfirmanden und Pfarrer Simon Kuntze gestaltet wurde. In der vom Vocalkreis Potsdam, dem Neuen Kammerorchester Potsdam und Solisten dargebotenen zweigeteilten Kantate „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist“ BWV 45 knüpfte der unbekannte Textdichter an die alttestamentarischen Worte des Propheten Micha an. Der barocke Dichter hat den Gedanken Michas weiter ausgeführt: Gott macht den Menschen seinen Willen bekannt und erwartet von ihm dessen Erfüllung. Auch Pfarrer Kuntze ging in seiner Predigt auf diese 2500 Jahre alten Worte ein: „Gott hat uns Menschen geschaffen, die recht eigensinnig sind, und sich auch nicht immer einig werden, was denn ihr Gott von ihnen erwartet.“

Effektreich-eindringlich ist der Eingangschor mit dem uralten Bibeltext. Dabei wurde deutlich, dass Johannes Lang nicht nur mit Klarheit und Transparenz musiziert, sondern auch mit emotionaler Tiefe. Alles klang richtig und durchdacht. Der Chor fand bei schnellen, jedoch nicht gehetzten Tempi eine feine Balance zwischen Ausdruckskraft und Stimmschönheit. Der Tenor Alexander Keller sang etwas undifferenziert und bei allzu voller Lautstärke seine Arie, dagegen wussten Marina Philippova, Mezzosopran, warm und ausdrucksvoll, sowie Robert Elibay-Hartog, Bass, kraftvoll und affektgetreu ihre Partien zu gestalten. In der Mitwirkung des Neuen Kammerorchesters Potsdam hatte Johannes Lang nicht nur eine verlässliche Stütze zur Verfügung, sondern auch ein klangschön spielendes Orchester. Die Freude, Johannes Lang als Kantor mehr zu erleben, steigt. Klaus Büstrin

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