Kultur : Ein Schiff wird kommen ...

Bilder und Objekte im KunstWerk

Astrid Priebs-TrögerD

Ein uriger holzgeschnitzter Frachter ziert die Einladungskarte. Auf ihm türmen sich unzählige farbige Kisten. Und man rätselt, was dieses Gefährt mit seinen Containern wohl transportiert. Und woher es kommt und wohin es fährt. Schiffe spielen eine wichtige Rolle in der Ausstellung im KunstWerk die unter dem Titel „Hoffnung“ Bilder und Objekte von Gesa Foken und Jean Drache präsentiert.

Das geschnitzte Containerschiff ist dabei das verbindende Glied der Ausstellung. Es „transportiert“ die Hoffnung, die Sehnsucht und die Wünsche der Künstler. Jean Drache (Jahrgang 1965) hat es geschnitzt und Gesa Foken hat die vielen farbigen Container aus Holz und Pappe gebaut. Sie wurde 1979 in Potsdam geboren und sowohl diesem Fakt als auch ihrer früheren „Mitgliedschaft“ im Offenen Kunstverein ist es zu verdanken, dass beide Künstler jetzt ihre ganz unterschiedlichen Handschriften in Potsdam präsentieren dürfen. Gesa Foken, die sowohl an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig als auch in Nantes und Paris studierte, beschäftigt sich schon lange mit dem Thema „Kisten“. Während ihres Frankreichaufenthalts sah sie immer wieder die Behelfsunterkünfte von Obdachlosen, die meist nichts weiter als ausrangierte Pappkartons waren. Ihre sehr reduzierten grafischen Stadtlandschaften in Tusche oder Mischtechnik bilden eine Unmenge solcher „Gehäuse“ ab. Und der Betrachter wird inspiriert, über die Gebilde und ihre möglichen Bewohner bzw. andere heutige oder frühere Verwendungszwecke nachzusinnen. Sie sind offen für Wünsche und Hoffnungen des Betrachters.

Was kommt danach?, fragt man sich, wenn man das Bild „Brandenburg“ von 2008 betrachtet. Von „guter“ Hoffnung jedenfalls ist nicht viel zu spüren bei diesen erst halbfertigen oder schon wieder zerborstenen Gebäuden, die allesamt provisorisch wirken und denen nicht wirklich anzusehen ist, ob sie sich im Wasser oder an Land befinden. Solche „Stelzenhäuser“ gibt es auch auf anderen Blättern und man weiß nicht, ob sie an einem Urlaubsstrand errichtet wurden oder von einer Flutwelle fortgespült wurden. Genau diese Unwägbarkeit lässt die abgebildeten „Gedankenorte“ ungemein geheimnisvoll – im selben Moment düster und hoffnungsvoll zugleich – erscheinen.

Ganz anders die grafischen Arbeiten von Jean Drache. Mehrere Blätter zeigen Wassersportler bzw. Arbeiter, die am Meer (Zyklus „Helgoland“) leben. Drache stellt ganz auf das Wesentliche reduziert nur Männer dar, die ihre Arbeit tun oder mit den Elementen kämpfen. Beide Künstler lieben und betreiben zudem das Kanufahren und man spürt in den Blättern von Jean Drache – der irgendwann mal ein „richtiges“ Boot bauen will – die Vertrautheit mit dem Wasser. Was auch bedeutet, sich anzuvertrauen, loszulassen und mit zu fließen. Und gerade in diesem Sinne ganz viel Hoffnung in sich birgt. Auch wenn auf seiner Lithografien ein riesiges Frachtschiff gerade untergeht. Astrid Priebs-Tröger

Bis 21. 12., KunstWerk, H.-Elflein-Str., Mi bis So von 15 bis 19 Uhr, Do bis 22 Uhr

Mehr lesen? Hier die PNN gratis testen.