• Ein Filmstar der frühen DEFA-Jahre Zum Tod von

Kultur : Ein Filmstar der frühen DEFA-Jahre Zum Tod von

Yvonne Georgi-Merin

Vor 60 Jahren wurde Kurt Maetzigs Defa-Film „Roman einer jungen Ehe“ uraufgeführt. Neben Filmstars wie Hans-Peter Thielen und Willy A. Kleinau stand auch die junge Schauspielerin Yvonne Merin, die damals mit Kurt Maetzig verheiratet war, ganz oben auf dem Besetzungszettel. Doch der ambitioniert propagandistische Film konnte sogar vor DDR-Filmkritikern künstlerisch nicht standhalten. Heute wird er als ein „politisch hochinteressantes Zeitdokument“ bewertet. Nach diesem Debakel, der vor allem Maetzig zuzuschreiben ist, zog sich Yvonne Merin enttäuscht vom Film zurück. Dabei war ihre Karriere als Filmschauspielerin zunächst vielversprechend verlaufen.

Die aus Niederschlesien Gebürtige studierte Ende der vierziger Jahre am Nachwuchsstudio der Defa. Gerhard Lamprecht verpflichtete sie 1949 für eine Hauptrolle in „Quartett zu fünft“. Von da ab gehörte sie zu den meist besetzten Schauspielerinnen der frühen Defa-Jahre. In den eindrucksvollen und erfolgreichen Maetzig-Produktionen wie „Die Buntkarierten“ und „Der Rat der Götter“ – beide Streifen schrieben Filmgeschichte – übernahm Yvonne Merin Hauptrollen.

Von 1954 bis 1956 folgte die Schauspielerin einem Engagement am Potsdamer Hans-Otto-Theater. Im Haus in der Zimmerstraße war sie in verschiedenen Rollen zu erleben, von der Klassik über Gegenwartsstücke bis zu Märchenspielen. Noch zwei Mal kehrte sie, 1959 und 1962, vor die Kamera zurück. Günter Reisch, der bei „Roman einer jungen Ehe“ als Regieassistent eingebunden war, erinnerte sich an die Schauspielerin und verpflichtete sie in den Lustspielfilmen „Maibowle“ und „Ach, du fröhliche“.

„Das Feuer für die Schauspielerei loderte da bereits nicht mehr in dem Maße, wie man es für den Job benötigt“, sagte in einem Gespräch Yvonne Merin. Ich wollte etwas völlig Neues beginnen. Mit Pflanzen und Gärten Umgang pflegen.“ Und so begann sie als 28-Jährige eine Gärtnerlehre beim berühmten Staudenzüchter in Bornim, Karl Foerster. „Der Garten hat mich mehr als einmal gerettet, die Dinge immer wieder zurecht gerückt, mich getröstet und froh gemacht, wenn mir mal zum Heulen zumute war.“ Die Schauspielerin beendete die Gärtnerausbildung. Doch leider zwang sie ihre nicht sehr robuste Konstitution, den Beruf an den Nagel zu hängen. Zeitlebens blieb Yvonne Merin, die am 15. Juni im 91. Lebensjahr verstarb, eine leidenschaftliche Gärtnerin im grünen Areal rund um ihr Haus.

In den sechziger Jahren kehrte Yvonne Merin wieder zum Film zurück. Nicht mehr als Schauspielerin, sondern als Dramaturgin und Autorin. Im Dokumentarfilmstudio der Defa hat die Suchende eine Arbeit gefunden, die sie ganz erfüllte. Im Studio lernte sie auch ihre neue Liebe kennen, den sie später heiratete: den Regisseur Armin Georgi. Von nun an nannte sie sich Yvonne Georgi-Merin.

Es freute sie besonders, dass sie in den sechziger Jahren das Szenarium zum ersten Film über Karl Foerster schreiben konnte. Es kamen Naturfilme hinzu. Doch große Aufgaben hatte sie jahrelang in Zusammenarbeit mit dem Hygiene-Museum Dresden zu bewältigen. Sie verfasste Szenarien und Drehbücher von Aufklärungsfilmen für Erwachsene und Schüler Die Vielfalt des Dokumentarfilms faszinierte Yvonne Georgi-Merin, besonders dessen Anspruch, authentisch zu sein. Klaus Büstrin

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