• Eberhard Marx in der Galerie Sperl: Fantastik im kleinen Format

Eberhard Marx in der Galerie Sperl : Fantastik im kleinen Format

Die Potsdamer Sperlgalerie zeigt detailverliebte und phantasievolle Bilder des Künstlers Eberhard Marx, der verschiedene Mythen in seinen Werken aufgreift.

Richard Rabensaat
Öl auf Baumwolle. Das Bild „Tiwanaku“ entstand im Jahr 2017.
Öl auf Baumwolle. Das Bild „Tiwanaku“ entstand im Jahr 2017.Repro: Andreas Klaer

Potsdam - Eine kleine barbusige Nixe sitzt in der Nähe eines kleinen Wasserfalls bei einem Abflussrohr. Sie trägt eine Gasmaske. Ein Rabe pickt neugierig in Richtung ihrer Brust. In dem Bild der „Meerjungfrau“ von Eberhard Marx vereinen sich die verschiedenen Themen und malerischen Ansätze der Gedankenwelten des Künstlers. Ein Szenario, erkennbar in der Gegenwart angesiedelt, in dem aber ein fantastischer Grundton schwingt. Irgendwo im fantastischen oder magischen Realismus seien seine Bilder anzusiedeln, sagt Marx. Die Ausstellung mit dem Titel „Ölverlust im Weltgetriebe – Traumhaftes-Absurdes-Phantastisches“ in der Galerie Sperl ist die erste Personalausstellung des Künstlers in Potsdam, zuvor war er bereits in Gruppenausstellungen vertreten.

Der 1951 geborene Marx wohnt in Remagen, wohin ihn die Liebe verschlug. Er stammt aus Dresden. Nach einer Tätigkeit als „Soldat auf Zeit“ sowie als Schiffselektriker wandte er sich der Kultur zu und wurde in die Betriebsgewerkschaftsleitung der Warnowwerft in Warnemünde hauptberuflich als „Leitungsmitglied für Kultur“ gewählt. An der Fachhochschule für angewandte Kunst in Heiligendamm begann er ein Studium der angewandten Kunst. An der Hochschule für Kunst und Design Halle/Burg Giebichenstein schloss er mit einem Hochschuldiplom als Designer ab. „Das Designstudium und die Liebe für die detailgenaue Darstellung, das ist mir nie so ganz rausgegangen, auch wenn ich viele Stile ausprobiert habe“, sagt Marx. 

Der Legende nach entstand der Minotaurus, als sich Minos’ Frau Pasiphaë von einem Stier begatten ließ. 
Der Legende nach entstand der Minotaurus, als sich Minos’ Frau Pasiphaë von einem Stier begatten ließ. Foto: Andreas Klaer

Und tatsächlich verblüffen die Bilder mit einer bis in die kleinste Schraube nachvollziehbaren Detailgenauigkeit. Dies sei auch der jahrzehntelangen Arbeit als Industriedesigner geschuldet. „Der Kühlschrank musste schon genau abgebildet sein, damit der Kunde weiß, wie er aussieht“, erzählt Marx. 1989 hatte Marx im VEB Designprojekt Dresden gearbeitet, aus dem dann nach dem Mauerfall das Designprojekt Dresden GmbH wurde. Seit 2002 war er als selbständiger Designer, Maler und Honorardozent tätig.

Die beharrliche Arbeit am Detail, die Ausarbeitung realistischer Formen, perspektivisch genauer Konstruktionen und farblich stimmiger Darstellungen kommt nun dem Künstler Marx zugute. Die fantastischen Welten, die auf den Bildern erscheinen, beziehen einen Großteil ihrer Faszination aus dem genau beobachtenden Blick des Künstlers auch fürs kleinste Element und dessen stimmige Einbindung ins Bildganze.

Die Begeisterung für die Malerei ergriff Marx bereits früh. Aufgewachsen in Dresden hatte er dort von Kindheit an Bilder aus allen Epochen der Malerei vor Augen und war hingerissen von der Virtuosität der Malerei und der reichen Gedankenwelt, die aus den Bildern sprach. „Damals konnte man für 20 Pfennig ins Museum und dort so lange bei den Bildern bleiben, wie man wollte“, erinnert er sich. Das habe er ausgiebig genutzt.

Öl auf Leinwand. „Nordisches Apfelwerk I“ heißt dieses Werk aus dem Jahr 2019.
Öl auf Leinwand. „Nordisches Apfelwerk I“ heißt dieses Werk aus dem Jahr 2019.Repro: Andreas Klaer

Stundenlang habe er sich damals in die Bilderwelten versenkt und sei auch heute noch hingerissen, wenn er wie kürzlich, in Berlin Ausstellungen der Bilder Mantegnas und Bellinis sehe. So wundert es nicht, dass sich Marx mit dem Abschluss der beruflichen Tätigkeit als Designer ganz der Malerei zuwandte. Es folgten kontinuierliche Ausstellungen in Galerien, auf Messen und in Vereinen. So lernte er auch den Galeristen und Künstler Rainer Sperl kennen.

Sperl, der als Künstler häufig Fabelwesen aus diversen Materialien schafft, die den Betrachter in eine spielerisch verträumte Realität entführen, sah in Marx sogleich einen Verwandten im Geiste und lud ihn in seine Galerie ein.

Bei seiner Malerei lässt Marx sich auch von Fotos inspirieren. Als eine Galeristin aus Namibia 2017 bei einer Kölner Messe Bilder von Marx gesehen hatte, lud sie ihn zu einer Ausstellung in ihrer Galerie ein. Bei der Reise dorthin schoss Marx das Foto einer Raumkapsel, die in der Wüste gelandet und dort in Sand eingesunken war. Daraus entstand das Bild „Verlandet“, das nun in der Galerie Sperl zu sehen ist. Auch das Bild „Kolmannskuppe“, das ein Haus, stehend auf einem Röhrengestänge mit Hyäne und Rabe zeigt, dürfte seine Inspiration aus der Reise beziehen. Gerne zeigt Marx Gebäude und Figuren aus der Untersicht, hoch aufragend in den Himmel, gelegentlich von Wolken verhangen. Dadurch bekommt die Szenerie trotz der stets eher kleinen Formates etwas Monumentales, Überwältigendes.

Eine Vorliebe des Künstlers für harte Schatten und klare Konturierung unterstützt die fantastische Darstellung. Gelegentlich arbeitet Eberhard Marx in Serien. So begeisterte er sich für die Himmelsscheibe von Nebra und schuf einen Zyklus, bei dem die Scheibe hoch über karger Felsenlandschaft im düsteren Himmel schwebt. So ist es weniger die geniale Erfindung neuer Formen als die stimmige Inszenierung überraschend kombinierter Elemente, aus denen sich die fantastischen Welten von Eberhard Marx formen.

>>Bis 24. November in der Galerie Sperl, Schopenhauerstraße 27