Kultur : Durchbrochen

Barbara Illmers Keramik in der Sternkirche

Astrid Priebs-Tröger

In wenigen Tagen ist Maria Lichtmess. Zwischen der Wintersonnenwende und der Frühlingstagundnachtgleiche ist Zeit, sich darauf zu besinnen, was im kommenden Jahr wachsen soll, Innen wie Außen.

Die Babelsberger Plastikerin Barbara Illmer zeigt dazu passend in der Sternkirche eine kleine Ausstellung mit keramischen Objekten. „Durchbrochene Kapsel“ heißt eines der Steinzeuge. In dessen braune Hülle sind einige Öffnungen geschnitten. Sie gewähren dem Betrachter Einblick, Durchblick und Ausblick.

Die jetzige Exposition ist ihre erste Einzelausstellung in Potsdam und auch die erste in diesem Jahr in dem Kirchenraum im Schäferfeld. Und sie passt dort sehr gut hinein. Die meisten der ausgestellten Keramiken sind Kapseln: meist elliptisch, oft scharfkantig und auf das Wesentliche reduziert. Einige erinnern direkt an pflanzliche Samen, wie etwa die zwei hellen „Kapseln mit Spalt“ von 2003 oder die „Florale Kapsel“, auf deren Außenhülle die zukünftigen Blütenformen angedeutet und deren Samen bereits freigegeben sind. Andere tragen Namen wie „Gegebenenfalls“ oder „Verkapselte Hoffnung“ und sehen eher wie menschliche Körper aus. Erstere hat anstelle eines Kopfes einen aufgeklappten Deckel, unter dem sich ein Tastorgan wie ein Blütenstempel herausschiebt. Letztere ist ein gelblicher aufrecht stehender Körper mit mehreren Öffnungen, die durch schmale Querverstrebungen wieder verschlossen werden. Beide sind bereit, jederzeit wieder zuzumachen oder sich erneut zu öffnen. Je nachdem was auf sie zukommt. Barbara Illmer gestaltete farblich sehr erdige, von ihrer Struktur her eher filigran wirkende Objekte. Die meisten mit harten Schalen. Einige haben etwas von Schneckenhäusern oder Muscheln. Für sie selbst symbolisieren sie Orte zum Durchatmen, zum Nachdenken und Abwarten oder auch zum Verkriechen. Die feinnervige Künstlerin konstatierte zur Eröffnung, „in unserer Gegenwart einen Ansturm von Medienüberflutung, von Stress, Aggressionen und Dummheit. Besonders gefährdet sind Kinder und zerbrechliche Seelen von Erwachsenen, die alledem nicht mehr standhalten können und krank werden.“

Barbara Illmer, Jahrgang 1958, ist ausgebildete Bühnenplastikerin. Mehrere Jahre arbeitete sie am Potsdamer Hans Otto Theater und als Filmarchitektin bei der DEFA. 1993 gründete sie eine Kreativwerkstatt für Kinder in Potsdam-West. Seit diese geschlossen wurde, widmet sie sich wieder stärker ihren eigenen plastischen Arbeiten.

Für die zahlreichen, vor allem älteren Besucher der Vernissage war der Kirchenraum am Sonntagabend ein Ort der Besinnung und Begegnung. Die Berliner Musikerin Martina Letz untermalte durch freie Improvisationen mit Klangschalen und Flöten einfühlsam den Beginn des neuen Ausstellungsjahres. Astrid Priebs-Tröger

Ausstellung bis 8. März, geöffnet Montag und Mittwoch von 9-11 Uhr, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 15-18 Uhr.

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