Kultur : Dreizehn Zwerge am Set 1

Gelungene „Kinderfilmstadt“ im Lindenpark

Astrid Priebs-Tröger

„Wir müssen uns beeilen, den ersten Zwergen tun die Beine weh und die Schauspieler sind schließlich das Wichtigste am Film“, meinte der Potsdamer Kinderfilmregisseur Rolf Losansky am Samstagnachmittag am Set 1 im Hofgelände des Lindenparks.

Gemeinsam mit einem ganzen professionellen Drehstab, bestehend aus mehreren Kameraleuten, Technikern, Kostüm- und Maskenbildnern, drehte er „Schneewittchen“, zuerst mit acht und etwas später schon mit dreizehn Zwergen. Die hielten sich über eine Stunde lang sehr bereitwillig und diszipliniert an die Anweisungen von Losansky und murrten auch nicht, wenn die eine oder andere Passage bis zu drei Mal wiederholt wurde. Manchmal klappte es aber auch schon bei der ersten Durchlaufprobe. „Danke, gestorben“, erklang es dann knapp zwischen langer gedeckter Zwergentafel und üppiger Schneewittchenbettstatt vor einer, von Szenenbildner Hans-Jürgen Deponte gemalten Parklandschaft.

Die Schauspielerin Sylke Hannasky, mit kleinem Silberdiadem im dunklen offenen Haar und weißem weitausgeschnittenen Kleid, fühlte sich sichtlich wohl zwischen den Knirpsen und schien ziemlich erleichtert, als sie die aufmerksamen Zwerge vom Giftmord durch die böse Stiefmutter bewahrten. Kaum war „Schneewittchen“ im Kasten, ging es auf der Rückseite des Sets weiter. „Die Geldbörse“, ein Krimi unter der Regie der Losansky-Schülerin Dagmar Seume stand als zweites auf dem Drehplan. Und der war während des ganzen Nachmittags eng gestrickt, schließlich sollte an jedem Set mit jeweils zwei unterschiedlichen Besetzungen gedreht werden, damit kein Kind ohne echtes Filmfeeling weggeschickt werden müsste.

Die waren nämlich mit manchmal ganz konkreten Vorstellungen in die Kinderfilmstadt in den Lindenpark, der sich wieder stärker auf seine Wurzeln und die Nähe zum berühmten Filmgelände beziehen will, gekommen. Wie die achtjährige Cynthia aus Michendorf, die beim Kinderkrimi mitmachen und als Statistin für einen echten Polizeiruf gecastet werden wollte. Etwas aufgeregt stellte sie sich vor die Kamera von Castingchefin Jacqueline Rietz und antwortete bereitwillig auf deren Fragen nach ihrer Familie, den eigenen Lieblingsbeschäftigungen und schon vorhandenen Theater- oder Filmerfahrungen. Ob sie beim richtigen Film mitmachen kann, wird sie wohl erst in ein paar Tagen erfahren, für den Geldbörsenkrimi hatte sie jedenfalls einen Platz in der nächsten Kindergruppe ergattert. Wie auch Regieassistent Enno, dem man seine vorherige Mitwirkung am Schneewittchendreh wegen seines geschminkten Schnauzbartes und der nur wenig verblassten Zwergenbäckchen noch ansah. Und während er schon wieder eifrig am Set war, ließen sich die Nächsten von Kostümbildnerin Regina Viertel liebevoll in Zwerge verwandeln: Mit echten Rehlederhosen, Zipfelmützen, karierten Hemden und breiten Ledergürteln, an denen Trinkflaschen oder Proviantgefäße befestigt waren. Auch sie waren bereit, sich ins Abenteuer Film zu stürzen, sollte doch am Ende eine eigens hergestellte DVD ihre ersten Schritte ins Schauspielerdasein festhalten.

Für die stolzen Eltern und Großeltern, die sich neben mehreren Profifotografen um die Protagonisten hinter dem rotweißem Absperrband drängten und auch dadurch zu einer beinahe echten Setatmosphäre beitrugen. In den Pausen zwischen den Drehs gab es ausreichend Gelegenheiten sich zu stärken, zu basteln, Profis beim Schnitt über die Schulter zu schauen oder schon fertiggestellte Filme von Rolf Losansky und Dagmar Seume im Thalia-Zeltkino anzuschauen.

Alles in allem ein gelungener Filmfamiliennachmittag, der nach diesem Pilotprojekt nach weiteren Folgen mit hoffentlich noch mehr Besuchern als an diesem Samstag ruft.Astrid Priebs-Tröger

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