Kultur : Dreiklang im Raum

Jo Enzweiler, Reinhard Haverkamp und Stefan Sprenker stellen in der Galerie Ruhnke aus

Richard Rabensaat
Scheinbar schwerelos. „Im Schwerpunkt“ von Reinhard Haverkamp.
Scheinbar schwerelos. „Im Schwerpunkt“ von Reinhard Haverkamp.Foto: Andreas Klaer

In der aktuellen Ausstellung der Galerie Ruhnke geht es um Balance. Ein dünner, silberner Stab, ein Strich eigentlich, steht im Raum. Bei einer leichten Bewegung beginnt der Strich zu schwingen, zerteilt sich, scheint aus dem Gleichgewicht zu geraten und schwingt dann wieder in eine Position, die stabil erscheint – bis zum nächsten Luftzug.

Wer genau hinsieht, erkennt: Der Stab ist mehrteilig und besteht aus schimmerndem Metall. Die einzelnen Teile sind gesondert beweglich. Geformt hat ihn der deutsch-norwegische Künstler Reinhard Haverkamp. Die Ausstellung „Papier, Metall, Stein“ zeigt neben Haverkamps Metallarbeiten weitere Skulpturen von Jo Enzweiler und Stefan Sprenker – aus Papier und Stein. Womit bereits das Thema der Schau berührt wird: die elementaren Ausdrucksformen schlichter Materialien.

Was jedoch auf den ersten Blick einfach und leichtgewichtig anmutet, bedarf genauer Planung und sensibler Studien des Materials. Häuser sind zu sehen, Metallelemente und Steine, die wiederum zu Häusern werden. „Nicht die Form um der Form willen ist mir wichtig. Es geht mir um den Zusammenklang von Material und der Idee der Skulptur“, sagt der 1954 geborene Künstler Haverkamp, der in den 70er Jahren in Münster Skulptur studiert hat. An zwei geschwungenen Elementen im Innenhof der Galerie ist sein Arbeitsansatz sehr schön abzulesen. Von der Seite betrachtet muten sie fast an wie ein gerader Strich. Wenn der aber in Bewegung gerät, wird erkennbar, dass es sich wieder um zwei elegant geschwungene Metallstäbe handelt, die miteinander durch einen Draht verbunden sind und so fast wirken, als schwebten sie im Raum.

Andere Skulpturen von Haverkamp schweben tatsächlich, finden zu einer genau ausbalancierten Position. Das schaut leicht und spielerisch aus, ist aber doch das Ergebnis einer exakten Konzentration auf drei Elemente: Gewicht, Formbarkeit des Materials und Schwerkraft. „Im Schwerpunkt“ lautet folgerichtig der Titel der Metallskulptur. Auch der Raum um die Skulptur ist wichtig. Denn der Schatten, den das Element auf die weiße Wand wirft, lässt das Spiel mit der dünnen Linie des Metallstabes noch einmal verwirrender erscheinen.

Einen Gegenpol zu den feingliedrigen Arbeiten Haverkamps bilden die Steinskulpturen Stefan Sprenkers. Aus Stein und Eichenholz bestehen seine Arbeiten. Sie hängen nicht im Raum, sondern stehen auf Podesten oder Stelen. Formen von Häusern, aufgeständert auf staksigen Beinen sind es, die sich schwergewichtig auf den Betrachter zuzubewegen scheinen. So wird der Blick auf die simple Form der alltäglichen Behausung noch einmal geschärft. Aus dem Wohnbau wird ein Ding, das lebendig und tierhaft wirkt.

Der dritte im Bunde der Künstler ist der Maler Jo Enzweiler. Geboren 1934 im Saarland, war Enzweiler Gründungsrektor der Hochschule der Bildenden Künste Saar. Er setzt sich mit der auf eine vierkantige Form reduzierten Silhouette des Hauses auseinander, arbeitet dabei aber mit papiernen Formen und Ausschnitten. So schafft er sich gegeneinander verschiebende, geometrische Formen, die in Reihung nebeneinander stehen. Auch die Farbwahl ist beschränkt: Bordeauxrot, Schwarz, Weiß. Durch die collageartige Kombination der Ausschnitte und die Beschränkung auf Grundformen erhalten auch seine Arbeiten einen elementaren Klang. Allen drei Künstlern gemeinsam ist, dass sie sich der Tradition der konkreten Kunst zuordnen lassen. Hier werden keine Geschichten erzählt, die Narration und alles Illustrative bleibt außen vor. Erstaunlich ist, wie sich aus der Vielgestaltigkeit der unterschiedlichen Ansätze der Künstler in der Ausstellung dann doch ein harmonischer Dreiklang ergibt. Richard Rabensaat

„Papier, Metall, Stein“, bis 25. Februar in der Galerie Ruhnke, Charlottenstr. 122

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