Kultur : Die Qualitäten des Lichts

Sigurd Rompzas Arbeiten in der Galerie Ruhnke

Richard Rabensaat
Sehstück. Farb-Licht-Modulierung von Sigurd Rompza von 2015.
Sehstück. Farb-Licht-Modulierung von Sigurd Rompza von 2015.Foto: Galerie Ruhnke

Um die Besonderheiten der aktuellen Ausstellung in der Galerie Ruhnke zu entdecken, muss man genau hinsehen. Das sagt auch der Künstler selbst, Sigurd Rompza. Der 1945 in Saar geboren Rompza unterrichtet an der Hochschule für Bildende Kunst Saar Grundlagen der Gestaltung. Und darum geht es auch in seinen Bildern in der aktuellen „Sehstücke“ betitelten Ausstellung in der Galerie Ruhnke in der Charlottenstraße: die Grundelemente der Farbe und der räumlichen Wahrnehmung.

Was auf den ersten Blick einfach erscheint, kann sich als eine raffinierte, filigrane Konstruktion erweisen. Wie beispielsweise Objekte, die Rompza als „Rhythmisch“ oder „Farb-Licht-Modulierung“ betitelt. Ein vielkantiges Objekt, gefertigt aus dünnem Rohr, scheint vor der Wand zu schweben. Es besteht aus mehreren Teilen, die sich übereinander in den Raum schichten. Sie liegen nicht aufeinander, sind auch sonst nicht erkennbar verbunden. „Das ist aus einem Rohr gebogen. Aber das sieht man erst, wenn man länger hinschaut“, sagt Rompza.

Das sei das Spannende an seinen Arbeiten, erklärt er: Zwar würden sie klar strukturiert und einfach gefertigt wirken, aber die raffinierte Struktur stecke im Detail. Wandobjekte, die als einfache geometrische Formen erscheinen, sind dann doch gebogen, stehen von der Wand ab, verändern ihre Form durch das Spiel von Schatten und Licht.

Überhaupt: Das Licht ist Rompza wichtig. Aber nicht im Sinne der Impressionisten, die mit dargestellten Szenerien untersuchten, wie sich Farbe und Form am Heuhaufen, an den Seerosen oder auf den Mänteln der Parkbesucher mit dem Stand der Sonne verändern. Die elementaren gestalterischen Qualitäten des Lichts sind es, die Rompza interessieren. Feine Modulierungen an unspektakulär gestalteten Objekten. Minimale Verwinkelungen der gefertigten Dinge im Raum und der so entstehende Schatten ließen eine ganz andere Dreidimensionalität der Farbe entstehen, so Rompza. Wie das im Detail aussieht, möchte Rompza erkunden, denn: „Doesburg und Itten, die großen Künstler und Forscher der Farbe, haben das nicht so genau untersucht.“

Wenn Rompza seine Objekte herstellt, habe er keinen Plan, sagt der Künstler. Daher entstehe keine Konzeptkunst. Wie das Objekt letztlich aussehe, entscheide sich erst im Entstehungsprozess. „Oft schleife ich die Flächen mehrfach ab, bis ich die richtige Farbe finde.“ Was die richtige Farbe sei, entscheide er aufgrund seiner jahrzehntelangen Seherfahrung als Künstler. „Die Arbeit mit der Farbe und den Dingen führt schließlich zur Erkenntnis über richtig und falsch.“ Die Begrenzungen der Dinge, die Schatten, sind ihm wichtig.

Nicht alle von Rompzas Studenten fertigen ebenfalls abstrakte Arbeiten, daher hält er sich bei Unterrichten an andere Prinzipien: „Ich schaue auf die Persönlichkeit der Studenten und versuche, diese aus sich heraus zu entwickeln.“

Im Untergeschoss der Galerie ergänzen Bilder und Fotos von Richard Caldicott, Gottfried Jäger, Inge Dick, Pierre Cordier & Gundi Falk sowie Hein Gravenhost die Arbeiten von Rompza. Die „Fotogenischen Landschaften“ des 1937 geborenen Gottfried Jäger zeigen, dass auch die Fotografie einen breiten darstellerischen Raum abseits des Gegenständlichen bietet. „Lichtreflex – Rotation“ hat der gebürtige Berliner Hein Gravenhorst einige seiner Arbeiten betitelt. Sie erinnern ein wenig an indische Mandalas. Richard Rabensaat

„Sehstücke“, bis kommenden Sonntag in der Galerie Ruhnke, Charlottenstr. 122. Sonntag ab 16 Uhr Gespräch über konzeptionelle Kunst mit Sigurd Rompza

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