• Die neue Saison im Nikolaisaal Potsdam: Wort und Musik

Die neue Saison im Nikolaisaal Potsdam : Wort und Musik

Klima-Gespräche, 20 Jahre Kammerakademie und Gäste von Helge Schneider bis Igor Levit: Der Nikolaisaal hat viel vor. Thematischer Mittelpunkt: Das Verhältnis von Musik und Sprache.

Helge Schneider, Musiker und Komiker, lädt im September in die MBS-Arena.
Helge Schneider, Musiker und Komiker, lädt im September in die MBS-Arena.Foto: dpa

Potsdam - Von einer ganz bestimmten Corona- Phrase möchte sich der Nikolaisaal mit seiner neuen Saison bitte schön verabschieden: „Auf Sicht“ sei man nun genug gefahren. Darin sind sich Geschäftsführerin Heike Bohmann, Programmdirektor Michael Dühn und Alexander Hollensteiner, Geschäftsführer der Kammerakademie Potsdam, einig. 

Gemeinsam stellten sie die kommende Spielzeit vor. „Wir wollen positiv nach vorn schauen“, sagt Michael Dühn – und kündigt als Erstes zweifachen Grund für gute Laune an: Helge Schneider und Rainald Grebe kommen in die MBS-Arena. Der Vorverkauf für alle Konzerte bis einschließlich Oktober beginnt am 12. Juli um 12 Uhr. Neu ist: Karten werden künftig nur gestaffelt, zwei Monate vor der Veranstaltung verkauft. So will man Rückerstattungen vorbeugen.

Saisonauftakt zehn Monate nach dem letzten Live-Konzert

Am 27. August, zehn Monate nach dem letzten Live-Konzert vor Publikum, will der Nikolaisaal trotz aller Ungewissheiten kraftvoll in die Saison starten: mit Max Mutzke, dem Filmorchester Babelsberg und einem Straßenfest. Am Tag darauf gibt die Kammerakademie Potsdam ihren Einstand ins 20. Jubiläumsjahr: Ein Konzert des Hausorchesters mit Beethoven, Mozart, Haydn, Schumann – und Anna Prohaska. Die Sopranistin ist in der kommenden Spielzeit Artist in Residence der KAP.

Die Sopranistin Anna Prohaska ist 2021/22 Artist in Residence an der Kammerakademie Potsdam.
Die Sopranistin Anna Prohaska ist 2021/22 Artist in Residence an der Kammerakademie Potsdam.Foto: Sven Darmer

Das Jubiläum der KAP soll in einer Festwoche vom 26. März bis 3. April ausführlich begangen werden. Die Idee ist eine musikalische Reise durch die verschiedenen Potsdamer Orte, an denen die KAP tätig war: Schloss Lindstedt mit den Nonett-Konzerten, das Schlosstheater mit der Potsdamer Winteroper, die Friedenskirche mit atmosphärischen Konzerten in kleinerer Besetzung, das Palais Lichtenau mit den Musikalischen Salons, und der Nikolaisaal, wo die Festivitäten einen rauschenden Höhepunkt finden sollen.

Das Spielzeitthema: Das Verhältnis von Musik und Wort

Roter Faden durch die Spielzeit soll das Wechselverhältnis zwischen Musik und Wort sein. Zwei neue aufgelegte Konzertreihen nehmen das thematisch auf: „Liedwelten“ will starbesetzte Kostbarkeiten aus dem Liedrepertoire mit Lesungen kombinieren – etwa Sopranistin Marlis Petersen und Schauspielerin Ursina Lardi. Und in „Musikalischen Lesungen“ finden Literaten wie Lutz Seiler mit Musikern wie Tobias Morgenstern zusammen. 

Neu sind auch einige Formate der Hörvermittlung. So gibt es Backstage-Führungen mit dem Ohrphon-Audioguide vor den „Klassik am Sonntag“-Konzerten. Ein generationenübergreifendes Projekt will gemeinsam einen „Zukunftssong“ schreiben, und in dem Format „Debüt goes Opera“ können Schulklassen während einer Probe mit im Orchester sitzen. Auch der eigenen Klimabilanz will sich der Nikolaisaal intensiver widmen: „Montags machen wir grün“ heißt die neue Gesprächsreihe ab September, in der es um Nachhaltigkeit und Klimaneutralität gehen soll. 

Optimistisch in die neue Spielzeit: Alexander Hollensteiner, Michael Dühn, Heike Bohmann und Antonello Mancaroda, KAP-Chefdirigent. 
Optimistisch in die neue Spielzeit: Alexander Hollensteiner, Michael Dühn, Heike Bohmann und Antonello Mancaroda,...Foto: Andreas Klaer

Von Helge Schneider bis Igor Levit

Die Promidichte ist auch in der Saison 2021/22 hoch am Nikolaisaal. Am 16. September kommt Helge Schneider in die MBS-Arena, am 25. September spielt dort Rainald Grebe in großer Besetzung mit dem Filmorchester Babelsberg. Am 3. Oktober stellt sich Artist in Residence Anna Prohaska in einem Kammerkonzert vor, für ihr „Ophelia“-Projekt holt sie am 4. Januar den Schauspieler Lars Eidinger nach Potsdam. Zu „Musikalischen Lesungen“ kommt u. a. Buchpreisträger Lutz Seiler (8. Oktober).

Der Musiker und Kabarettist Rainald Grebe ist im September mit dem Filmorchester Babelsberg in der MBS-Arena zu Gast.
Der Musiker und Kabarettist Rainald Grebe ist im September mit dem Filmorchester Babelsberg in der MBS-Arena zu Gast.Foto: Stephanie Pilick/dpa

Starpianist Igor Levit spielt am 6. Dezember zum Jubiläum der KAP, zu deren Geburtstagsgala am 2. April kommen unter anderem Violinistin Antje Weithaas und Flötist Emmanuel Pahud. Pianist Michael Wollny spielt am 25. Februar eine Uraufführung von Christian Joost; am 5. März gibt Kollege Ivo Pogorelich Chopin. Am 1. Mai spielt Cellist Steven Isserlis Bach, Händel und Scarlatti.

„Wir stehen gut da“

Finanziell scheint der Nikolaisaal die Krise bislang gut verwunden zu haben. „Wir stehen gut da“, sagt Heike Bohmann – obwohl in der vergangenen Saison nur zehn Prozent der sonstigen Erlöse eingespielt werden konnten. Knapp zwanzig Konzerte sind coronabedingt von der vergangenen Spielzeit in die künftige verschoben worden. Einiges wurde bereits in dem Online-Format „Jetzt mit Euch!“ nachgeholt. Die 22 virtuellen Veranstaltungen zogen rund 22 000 Zuschauer:innen an. Ganze 40 Prozent davon waren zuvor noch nie im Nikolaisaal gewesen.

Der Vorverkauf beginnt am 12. Juli um 12 Uhr. Karten gibt es je zwei Monate vor der Veranstaltung vor Ort in der Wilhelm-Staab-Str. 10/11, unter Tel.: (0331) 288 88 28 oder auf www.nikolaisaal.de.


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