Kultur : Die „kubanische Nachtigall“

Zum Tode der Sopranistin Zoraida Morales

Zum Tode der Sopranistin Zoraida Morales Im Vorfeld der Premiere von Gaetano Donizettis heiterer Oper „Il Campanello“ (Die Nachtglocke) am Hans Otto Theater wurde längst darüber gesprochen: die Hauptpartie ist mit einer kubanischen Sängerin besetzt, die einen außergewöhnlichen Koloratursopran besitzt, mit Zoraida Morales. Der Abend der ersten Aufführung kam heran. Intendant Gerhard Meyer trat vor den Vorhang. Er musste eine starke stimmliche Indisposition der Sopranistin ansagen. Man war enttäuscht. Doch der Abend wurde zu einem großen Erfolg. Zoraida Morales sang die Partie mit einem silbrig quirlenden Humor im Vortrag und vor allem mit einer Kunstfertigkeit, wie es Donizettis Koloraturen erfordern. Im Nu machte sich die Sopranistin zu einem Liebling des Potsdamer Opernpublikums. Sieben Jahre dauerte ihr Engagement am Hans Otto Theater, von 1962 bis 1969. Geboren wurde sie 1927 in der Nähe der kubanischen Hauptstadt Havanna. Dort studierte sie Gesang, machte ihr Staatsexamen. Danach flog die junge Sängerin über den „großen Teich“, nach München, vervollkommnete an der dortigen Musikhochschule ihre Technik. Danach erhielt sie ein Engagement am Potsdamer Theater. Es war die Zeit, als Intendant Meyer mit jungen Leuten ein leistungsstarkes Opernensemble aufbaute, mit dem er ein reichhaltiges und qualitätsvolles Musiktheaterleben verwirklichen konnte. Neben Ute Reinsch, Margret Grund, Jola Koziel, Henno Garduhn Heinz Schmidt oder Armin Terzibaschian gehörte auch Zoraida Morales dazu. Sie war immer wieder in Neuinszenierungen auf der Bühne zu sehen, als Gilda in „Rigoletto“, als Adina in „Der Liebestrank“, Violetta in „La Traviata“, Fiametta in „Die Welt auf dem Monde“ von Joseph Haydn (Foto) oder in den Mozart-Opern „Die Entführung aus dem Serail“ (Konstanze) und „Die Zauberflöte“ (Königin der Nacht). Man erinnert sich besonders gern, wenn Zoraida Morales die Partie der sternflammenden Königin sang, dann wurden die Aufführungen zu Sternstunden im Theater in der Potsdamer Zimmerstraße. Aber auch die nicht minder heikle Partie der Konstanze erfüllte sie gesanglich sehr beseelt. Es waren große und anspruchsvolle Aufgaben, die die Sängerin zu bewältigen hatte. Und das Publikum schloss sie ins Herz. Man nannte sie „Kubanische Nachtigall“ wurde sie liebevoll genannt. Aber seltsam, nach all diesen erfolgreichen Jahren am Theater, blieb das Potsdamer Engagement das einzige an einer Bühne. Sie sang hier und da in Konzerten mit, gab Liederabende, wurde für Oratorienaufführungen verpflichtet. Aber dem Theater sagte sie Adé, 1969. Zunächst ging sie mit ihrem Mann, Fritz-Peter Behm, der als Tenor ebenfalls in Potsdam engagiert war, nach Wernigerode. Dort wurde sie Gesangspädagogin beim berühmten Rundfunkjugend- chor. 1978 verließ sie dann die DDR. Gesangsauftritte hatten nun keine Prioriät mehr. Zoraida Morales ließ sich in Hannover als Altenpflegerin ausbilden. Doch hin und wieder kümmerte sie sich um den sängerischen Nachwuchs: in Lüchow-Dannenberg an der Musikschule. 2000 zog sie zu ihrem Sohn nach Magdeburg. Im vergangenen Jahr musste sie jedoch ins Pflegeheim, eine Krankheit hatte sie allzu sehr ergriffen. Am 28. April diesen Jahres verstarb Zoraida Morales . Wer sie als Sängerin erlebte, wird sie in bleibender Erinnerung behalten. Auch Zoraida Morales hat ein Stück Potsdamer Theatergeschichte mitgeschrieben. Klaus Büstrin