• Die drei K’s oder was Frauen wirklich wollen

Kultur : Die drei K’s oder was Frauen wirklich wollen

Am Dienstag beginnt das 10. Festival der Frauen des Autonomen Frauenzentrums Potsdam

Astrid Priebs-Tröger

Kinder, Küche, Karriere: Die drei K’s bringen auf den Punkt, was von Frauen heutzutage erwartet wird. Auch in Brandenburg. Nämlich – das alles unter einen Hut zu bringen, dabei blendend auszusehen und auch noch freundlich zu sein. Schafft das die Einzelne wirklich oder gaukeln medientaugliche Powerfrauen uns dieses Ideal nur vor?

Das diesjährige 10. Jubiläumsfestival des Autonomen Frauenzentrums, das in der kommenden Woche startet, setzt sich mit dem Missverhältnis zwischen der Konstanz und dem beachtlichen Eigenleben geschlechtlicher Rollenbilder auseinander. Dabei wird vom 17. bis 22. Oktober in Lesungen, Kunstaktionen, Theaterinszenierungen und Filmen unser aller alltägliches Leben gespiegelt und mithilfe künstlerischer Mittel der Finger in offene – gesellschaftliche und persönliche – Wunden gelegt. Egal, ob es um Patchwork-Familien, lesbische Beziehungen oder den ganz normalen Wahnsinn eines Familienfestes geht.

In dem Stück „Sonst is alles wie immer“ des ehemaligen Intendanten des Hans Otto Theaters, Ralf-Günther Krolkiewicz, werden anlässlich des 90. Geburtstages des Familienoberhauptes die sehr unterschiedlichen Lebensentwürfe der vier weiblichen Hauptfiguren präsentiert und seziert. Die von der Kritik begeistert aufgenommene Inszenierung des Berliner „theater 89“, die in Sachen dunkler Familiengeheimnisse Thomas Vinterbergs „Das Fest“ kaum nachsteht, hatte Anfang des Jahres Premiere. Sie wird am 19. Oktober zum ersten Mal in Potsdam, in der Schinkelhalle, zu erleben sein.

Auch in den drei, im Filmmuseum gezeigten Filmen geht es um weibliche Biografien. Aus den vergangenen dreißig Jahren stehen Filme wie „Der Dritte“ mit der wunderbaren Jutta Hoffmann in der Hauptrolle als alleinerziehender Mathematikerin oder der vielfach gebeutelten Gloria aus Pedro Almodovars spanischer Millieu-Studio „Womit habe ich das verdient?“ auf dem Programm.

Ganz neu dagegen der Film „Lucy“ von Henner Winckler, der vom Leben der 18-jährigen Maggy erzählt, die zwar ein Baby, aber weder Schulabschluss, noch Job, noch Mann hat. Was sie alle verbindet? Sie suchen ihr ganz persönliches „kleines“ Glück, Rollenzuschreibungen hin oder her. Mit und ohne Männer, aber nicht gegen sie. Das will auch das Festival der Frauen insgesamt: Männer nicht ausgrenzen, sondern eine breite Diskussion anregen, in der es nicht nur um Frauenbilder geht, sondern vor allem darum, neue Formen gesellschaftlichen und privaten Zusammenlebens zu entwickeln.

Wie weit wir damit in Deutschland bereits gekommen sind, beispielsweise wer oder was alles Familie ist, kann während der Auftaktveranstaltung am 17. Oktober um 19 Uhr im Frauenzentrum mit der Autorin Simone Schmollack und frauenpolitisch engagierten Frauen diskutiert werden. Simone Schmollack liest aus dem bisher unveröffentlichten Manuskript „Alles, was Familie ist – Patchwork-, Wahl- und Regenbogenfamilien“ und zeigt damit ein schillerndes Kaleidoskop nicht nur von Weiblichkeit auf. Astrid Priebs-Tröger

Im Internet:

www. frauenzentrum.potsdam.org

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