• Der „Versager“ URANIA-Vortrag über Prinz August Wilhelm

Kultur : Der „Versager“ URANIA-Vortrag über Prinz August Wilhelm

Gerold Paul

Was lebt, ist nicht tot. Quicklebendig präsentierten am Dienstag der Berliner Stapp Verlag und seine Autorin Eva Ziebura in der Potsdamer URANIA Unbekanntes aus der preußischen Geschichte, die sage und schreibe erste Biographie über August Wilhelm, dem um zehn Jahre jüngeren Bruder Friedrich II, nach 248 Jahren. Gemeinsamer Stammherr über 14 Kinder war Friedrich Wilhelm I., König von Preußen, und Gattin Sophie Dorothea von Hannover. Von ihren vier Söhnen, Friedrich, Heinrich, August Wilhelm und Ferdinand, handelt wohl diese Neuerscheinung, die die Autorin in einer einstündigen Lesung lebhaft zu präsentieren verstand. Wohlgefüllt war der Vortragsraum in der Gutenbergstraße – Preußen bleibt eben lebendig.

Nun ist alles bloß ein Verhältnis, des Vaters zu den Söhnen, ihres zum Vater, untereinander, und irgendwo inmitten siedelte die Autorin ihre Darstellung auch an, wenn sie August Wilhelm als Lieblingssohn des Königs von Preußen beschreibt, indes Amalie und Friedrich ihn als Prügler überlieferten. Andererseits machte der amtierende Friedericus ihn zeitig zu seinem virtuellen Nachfolger, ohne ihn je an den Regierungsgeschäften zu beteiligen. Nachdem er während einer Entscheidungsschlacht des Siebenjährigen Krieges im Böhmischen gegen die Österreicher vier Bataillone verlor, war es mit der ohnehin zweifelhaften Bruderliebe vorbei. Der Mann von Sanssouci teilte ihm im stets gebrauchten „Sie“ mit, dass er ihm nie mehr auch nur zehn Mann anvertrauen wolle, erwähnte den vermeintlichen „Versager“ auch nicht in seiner „Geschichte des Siebenjährigen Krieges“.

Einem so hartnäckig schlechtem Leumund im Schatten des übermächtigen Bruders möchte die Autorin mit ihrem Buch entgegenwirken. 1722 geboren, wurde August Wilhelm (der erste Name war eine Referenz auf den Dresdener König) früh in die militärischen und calvinistischen Überzeugungen der Hohenzollern eingeführt: Ruhm, Ehre, Liebe, Freundschaft, überhaupt „der Trieb zur Tugend“. Sein Vater wollte ihn nicht „zum Scholasten erziehen“, er sollte ein „braver Soldat“ und Staatsdiener werden. Im achten Jahr schenkte er ihm ein Kürassier-Regiment, dreie später war er schon Leutnant, und stets ein gehorsamer, ja liebevoller Sohn, was Kronprinz Friedrich mit Scheelheit ansah. Als dieser den Thron bestieg, huldigte ihm der Bruder untertänigst.

August Wilhelm nahm erfolgreich an den Schlesischen Kriegen teil, heiratete 1742 „die große Dulderin“ Luise Amalie von Braunschweig-Wolfenbüttel, aus deren Ehe drei Kinder hervorgingen. Trotzdem wollte er sich vom unfruchtbaren Friedrich nicht zum bloßen Erzeuger Hohenzollerschen Nachwuchses machen lassen. Mehrere, teils öffentliche Affären verschlechterten seinen Ruf bei Hofe. Nach dem militärischen Desaster 1757 nahm er seinen Abschied, erkrankte und starb im 36. Jahr als namenloser „Prinz von Preußen“.Gerold Paul

Eva Ziebura, „August Wilhelm. Prinz von Preußen“, Stapp Verlag Berlin