Kultur : Der Schlussmacher

Havarie Light präsentierte im T-Werk sein neues Stück: „Ex und Hopp“

Juliane Wedemeyer

Schlussmachen ist anstrengend, unangenehm und manchmal wenig erfolgreich. Nike Dressler hat da eine Marktlücke entdeckt: Sie hat eine Trennungsagentur gegründet. Wer genug hat vom Partner, der besten Freundin, den Eltern, den Kindern, aber keine Lust auf Tränen oder Wutgeschrei, kann bei ihr einen Schlussmacher buchen. Das ist der Stoff, aus dem gute Hollywoodkomödien gemacht sind. Und das neue Theaterstück von Yasmina Ouakidi, das sie mit der Potsdamer Jugendtheatergruppe „Havarie Light“ am vergangenen Wochenende im T-Werk auf die Bühne brachte.

Nur das Popkorn fehlte. Ansonsten hat „Ex und Hopp“ alles, was zur guten Abendunterhaltung notwendig ist: eine witzige Idee, Komik und eine kleine Prise Tragik. Und ein trotz seiner Schlichtheit raffiniertes Bühnenbild von Wolf Hinze und Christian Malejka: fünf Türen, die je nach Szene umgestellt werden. Für eine kurze Sequenz sind sie eine Wohnblock-Etage, mal eine Diskothek, mal das Büro der Trennungsagentur „Ex und Hopp“. In der landet der romantische Arthur alias Robert Zimmermann, der von berufswegen Liebesbriefe-Schreiber ist, allerdings mit mäßigem Erfolg. So mäßigem, dass er völlig pleite ist. Um doch noch zu Geld zu kommen, nimmt er einen Job bei der skrupellosen, aber erfolgreichen Jungunternehmerin Nike Dressler an, treffend gespielt von Elena Schägg. Er wird Schlussmacher. Denn er braucht das Geld, um seine alte, nie erloschene Jugendliebe zu beeindrucken. Er will sie zurückgewinnen.

Es ist ein Genuss, wie der etwas trottlige, hilflose Träumer nun knallhart fremde Menschen abservieren muss. Liegt es daran, dass Spielleiterin und Texterin Yasmina Ouakidi ihrer Jugendgruppe die Rollen auf den Leib geschrieben hat? Oder spielen sie so gut? Sie überzeugen alle. Obwohl sie teilweise zwischen drei, vier Rollen wechseln, wirken sie stets eins mit ihren Figuren. Ob Theresa Buchwald als unzufriedene Liebesbrief-Kundin, die von Arthur das Geld zurückverlangt, ob Till Zobel als Exfreund. der es nicht schafft, seiner Exfreundin klar zu machen, dass Schluss ist. Oder ob Anne Welenc als überdrehte Fitness-Trainerin, die glaubt ohne Problemzonen, würde man den richtigen Mann finden und halten und dann doch verlassen wird. Sicher, die Figuren sind eher Typen, Karikaturen und die herzerfrischenden, pointierten Dialoge kratzen nur selten an der Oberflächlichkeit. Aber das machte niemandem im Zuschauerraum etwas aus. Die meisten im Publikum waren unter 20. Und sie lachten viel und spendeten Zwischenapplaus an den besonders witzigen Stellen.

Etwa als Schlussmacher Arthur von zu Hause auszieht. Die Lacher waren vor allem dem großen komischen Talent von Anne Welenc zu verdanken. Das war schon großes Kino. Die junge Schauspielerin gab die überbesorgte Mutter – teils persiflierend an der Grenze zur Übertreibung und dann wieder so fein gespielt, dass sie ihrer Figur eine Tiefe gab, die die ganze Tragik des Abschieds zeigte. Unaufdringlich mit kleinen feinen Gesten: dem Blick der verlassenen Mutter, die ihrem Sohn nachschaut, ein kurzes Innehalten, ein unhörbarer Seufzer.

Ein richtig gutes Ende gab es dann nicht, aber zumindest ein hoffnungsvolles. Verraten wird es aber nicht.

Nächste Vorstellungen am 12. und 13. September um 20 Uhr im T-Werk. Kartentelefon: 0331/719139

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