Kultur : Der neuentdeckte Komponist

Das Kulturforum Östliches Europa edierte die Ersteinspielung von Werken Franz Xaver Gebels

K. Büstrin

Das Deutsche Kulturforum Östliches Europa, das in Potsdam seinen Sitz hat, reflektiert die Geschichte im östlichen Europa als verbindendes Erbe der Deutschen und ihrer Nachbarn. Dabei gab es in der Historie, in der Literatur, in der bildenden Kunst oder in der Musik so manche nachhaltige und wertvolle Entdeckung. Diese einem breiten Publikum bekannt zu machen und anschaulich zu vermitteln, sei es in Ausstellungen, Publikationen, Lesungen oder mit Musik-CDs, ist das Bestreben des Kulturforums.

In den vergangenen Tagen konnte wieder ein neuer Tonträger den bisherigen Aufnahmen mit Streichquartetten von Anton Ferdinand Titz, Theophil Richter und Felix Blumenfeld, Kammermusik und Lieder des gebürtigen Berliner Komponisten und Kapellmeisters Edwin Geist zugefügt werden. Der Musiker, der eine jüdische Pianistin heiratete und unter anderem im litauischen Kaunas wirkte, wurde 1942 von der Gestapo im Ghetto erschossen. Es ist der große Verdienst des Kulturforums, Komponisten der Vergangenheit, die im östlichen Europa wohnten und arbeiteten, wieder ins Gedächtnis zurück zu holen. Dazu gehört auch Franz Xaver Gebel (1787–1843). Ganz aktuell ist eine CD mit seinem Streichquintett in B-Dur Nr. 8 und der Cellosonate in Es-Dur erschienen. Das renommierte Hoffmeister Quartett mit Martin Fritz, Violoncello, beim Quintett als Fünfter im Bunde sowie der Cellist Martin Seemann und die Pianistin Beni Araki haben sich den Werken Gebels angenommen. Am vergangenen Mittwoch stellte das Kulturforum Östliches Europa die CD in einem Konzert im Potsdamer Friedenssaal vor.

„Unter allen zeitgenössischen Komponisten von Kammermusik kenne ich keinen einzigen, der sich mit Herrn Gebel vergleichen, geschweige denn an ihn heranreichen könnte. Ein solches Urteil mögen viele vielleicht für zu kühn halten. Ich bin aber zutiefst davon überzeugt, dass Herrn Gebel nur die Gelegenheit fehlt, europäische Berühmtheit zu erlangen“, schrieb der Musikkritiker Nikolaj Aleksandrovic Melguno. Er lobte die Musik Franz Xaver Gebels nach einem Konzert in Moskau im Jahre 1834. In Moskau war der in der Nähe von Breslau Geborene als Musiklehrer tätig. Dort gab er auch das erste in russischer Sprache geschriebene Kompositionslehrbuch heraus. Beethoven war sein großes Vorbild, aber auch Luigi Boccherini. Wie dieser fügte er in seinen Streichquintetten zwei gleichberechtigte Celli ein. Er hat vor allem eine Kammermusikreihe in Moskau veranstaltet.

Das Hoffmeister-Quartett und Martin Fritz nahmen sich liebevoll dem Quintett an und spielen es klangschön, fein dialogisierend und stets souverän. Auch Cellist Martin Seemann, Mitglied des Hoffmeister-Quartetts, musiziert gemeinsam mit Beni Araki die zwischen Klassik und Romantik sich bewegende Sonate mit wunderbarem Ton und Wärme. „Ich glaube, dass nach Beethoven – übrigens ohne sich mit diesem vergleichen zu können – Herr Gebel in der Quartettmusik am höchsten steht“, schrieb Melgunov. Wer als etwas Neues aus der Musikgeschichte hören will, der ist bei dieser CD und Franz Xaver Gebel richtig. K. Büstrin

Franz Xaver Gebel: Streichquintett Nr. 8 & Cello Sonata, Ersteinspielung Hoffmeister Quartett, Profil-Edition 13,99 Euro