• Potsdam: Geschäftsführer Volkmar Raback des Hans-Otto-Theaters geht in den Ruhestand

Der Mann hinter der Bühne : HOT-Geschäftsführer geht in den Ruhestand

Volkmar Raback geht in den Ruhestand – nach 21 Jahren als Geschäftsführer des Potsdamer Hans Otto Theaters. Eine Bilanz.

Volkmar Raback hat den Ausstieg gut vorbereitet. Jetzt hat er Zeit für seine zweite Leidenschaft: die Bildende Kunst.
Volkmar Raback hat den Ausstieg gut vorbereitet. Jetzt hat er Zeit für seine zweite Leidenschaft: die Bildende Kunst.Foto: Manfred Thomas

Potsdam - An Volkmar Raback kommt keiner vorbei. Er hat alles und alle im Blick. Vertreter der Presse begrüßt er schon von weitem. Meist mit einem Augenzwinkern und dem Satz: „Oh, da müssen wir ja wieder aufpassen, was wir sagen.“ Er hält mit seinen Antworten nie hinterm Berg, auch wenn er nicht alles gedruckt sehen will.

Seit 1997 leitet er die Geschäfte am Hans Otto Theater. Seinen fünften Intendanten, nunmehr eine Frau, wählte er selbst mit aus. Allerdings schon auf dem Absprung. Zum Jahresende verlässt er das Haus, am morgigen Dienstag gibt es eine Abschiedsfeier mit seinen Kollegen und Weggefährten.

Leichte, gut gemachte Stoffe

Volkmar Raback ist jemand, der für seine Sache brennt, dafür, dass Theater unter die Leute kommt, ihre Köpfe bewegt. Als unter Tobias Wellemeyer die Publikumszahlen zurückgingen, wurmte ihn das mächtig. Natürlich suchte er mit nach Gründen. „Einer ist vielleicht die zu ernste Schiene, die wir gefahren sind“, sagte er in einem Gespräch mit den PNN vor gut einem Jahr. Er mahnte damals leichte, gut gemachte Stoffe an – natürlich keine flachen. Den Kultur- und Bildungsauftrag des Theaters verlor Raback nie aus den Augen. Aber gerade kurz vor Weihnachten gehörten für ihn Inszenierungen auf die Bühne, die brummen, Publikum aus allen Schichten und Generationen ins Haus ziehen. Solche furiosen Dauerbrenner wie „Ziemlich beste Freunde“ oder „Rio Reiser. Der König von Deutschland“ freuten natürlich auch den Rechenmeister in ihm. Als Wellemeyer ging, schien sich das Haus gerade wieder zu rappeln. Doch über den Spielplan konnte er nie mitentscheiden. Das lag in anderen Händen. Er musste mit dem Ergebnis arbeiten.

Haltung gehört zum Berufsethos

Die von Bettina Jahnke in ihrer jetzigen ersten Spielzeit eingeforderte Haltung gehört für Raback zum Berufsethos unbedingt dazu. Der kunstsinnige Thüringer, der nicht nur im Theater, sondern auch in der Welt der Plastiken und Bilder zuhause ist, begann seine Hinterbühnenlaufbahn bei Frank Castorf: Das war 1987 nach seinem Volkswirtschaftsstudium. „Mit der Pfiffigkeit des Ostlers“, so sagte er, arbeitete er sich schnell auch in das Westwirtschaftsgetriebe ein: Auf Castorfs Volksbühne folgte die Freie Volksbühne Berlin, dann die Kammeroper Schloss Rheinsberg und schließlich das Hans Otto Theater.

Hier, in der dritten Etage des HOT, mit weitem Blick über den Tiefen See, wacht er über den Etat, zieht die Strippen auch mit der Politik, um das Theater im Gespräch zu halten. Gerade bei einem eher introvertierten Intendanten an der Seite war diese Lobbyarbeit überlebenswichtig. Bei Bettina Jahnke ist seine breite Schulter des Vorsprechers sicher nicht mehr vonnöten gewesen.

Aus der "Blechbüchse" in die Schiffbauergasse

Sein erster Intendant hieß Stephan Märki, der charmante Schweizer, der das Handtuch warf, als ihm das immer enger werdende Finanzkorsett die Luft nahm. Nach seinem Weggang 1997 übernahmen Ralf-Günter Krolkiewicz, zuvor Oberspielleiter, gemeinsam mit Raback auf Bitten der Stadt das Ruder. Sie mussten mit der „Blechbüchse“ am Alten Markt und dem Theaterverbund umgehen, zudem den Theaterneubau vorantreiben. Denn ohne Neubau, das war ihnen klar, wäre es vorbei gewesen mit dem Stadttheater Potsdam. „Wir haben gekämpft wie die Verrückten, sind immer zu zweit aufgetreten. Das hätte einer allein nicht geschafft.“

Der inzwischen verstorbene Ralf-Günter Krolkiewicz schied 2004 als Intendant aus, weil die Parkinson-Krankheit ihn dazu zwang. Es folgte der „Zauberkünstler“ Uwe Eric Laufenberg, wie ihn Raback nennt. Nach der Eröffnung des neuen Hauses 2006 in der Schiffbauergasse wurde das Theater regelrecht gestürmt. Laufenberg setzte vor allem auf große Namen. „Das Ensemble wurde zum Wasserträger degradiert. Doch das funktioniert auf Dauer am Stadttheater nicht, denn du musst die Starliste immer weiter toppen“, wusste Raback schon damals. Und richtig: Als Laufenberg stärker auf Inhalte setzte, ohne Stars, verlor auch er Publikum.

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Mittlerweile ist Volkmar Raback 21 Jahre am Hans Otto Theater – immer im Kampf ums Publikum. Jetzt kämpfen andere weiter. Er geht in den Ruhestand. Seine Nachfolgerin, Petra Kicherer, ist eingearbeitet. Er darf sich zurücklehnen, in seine private Bilderwelt versinken. Und ins Theater gehen, wann und wo immer er will: zu seinen Brechts und Heiner Müllers. Und sicher immer mal wieder auch am Tiefen See. Mittendrin. Unübersehbar.