• Der lange Arm von Krieg und Kohle Zehn Jahre Ökofilmtour im Land Brandenburg

Kultur : Der lange Arm von Krieg und Kohle Zehn Jahre Ökofilmtour im Land Brandenburg

Astrid Priebs-Tröger

Man braucht das Naturell eines Langstreckenläufers, um jedes Jahr das längste Filmfestival Brandenburgs auf die Beine zu stellen. Seit zehn Jahren zieht das Team um Ernst-Alfred Müller und Jutta Schölzel vom Potsdamer FÖN e.V. von Januar bis April durch brandenburgische Städte und Dörfer und zeigt vor allem an Orten, wo es keine Kinos (mehr) gibt, Umwelt- und Naturfilme.

Am Mittwochabend fand im Hans Otto Theater die Preisverleihung der diesjährigen 10. Ökofilmtour statt. Um die vier mit jeweils 5000 Euro dotierten Preise hatten sich insgesamt 130 Filme aus dem gesamten deutschsprachigen Raum beworben; 53 kamen ins Programm der Tour und damit in die Endauswahl. Hinzu kommen der undotierte Hoimar-von-Ditfurth-Preis für die beste journalistische Leistung und ein Zuschauerpreis.

Die Bandbreite der Themen ist immens. In diesem Jahr reichten sie von den Folgen der Maismonokulturen hierzulande über die ökologischen Folgen von Kriegen weltweit bis hin zur Aufklärung über die aktuelle Energiewende und ihre ebenfalls globalen Folgen, wie etwa billige Steinkohleimporte. Aber auch die Vorzüge heimischer Streuobstwiesen oder die Prozeduren industrieller Geflügelmast wurden zum Thema gemacht.

Neben diesen oft berührenden und manchmal verstörenden Dokumentarfilmen war auch Wim Wenders oscarnominierter Kinofilm „Das Salz der Erde“, seine Hommage an den brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado, zu sehen. Dieser Film errang den diesjährigen Zuschauerpreis. Sebastião Salgado hat erst wenige Stunden vorher abgesagt; der 71-Jährige bereitet seine am Wochenende beginnende Ausstellung im c/o Berlin vor. Wim Wenders grüßte mit einer Videobotschaft aus Düsseldorf.

Den Zukunftsfilmpreis von der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde erhielt Lorenz Knauer für „Energie vom Feld“. Den Horst-Stern-Preis für den besten Naturfilm bekam Maximilian Mönch für „Natur unter Beschuss – ökologische Folgen des Krieges“ zugesprochen. Annette und Klaus Scheurich wurde für ihren Streifen „Karussell des Lebens – Die Streuobstwiese“ der Preis für den besten Kinder- und Jugendfilm verliehen.

Auch die Stadt Potsdam vergibt seit einigen Jahren einen Preis, den für die beste künstlerische Leistung. Dieser Preis ging am Mittwoch an „Vierzehn – Erwachsen in neun Monaten“ von Cornelia Grünberg über 14-jährige Schwangere. In der Jurybegründung für die diesjährige Wahl heißt es, die Ökofilmtour sei auch eines der ersten offiziellen Projekte des Landes der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung. „Für die eingereichten und ausgewählten Filme wird deshalb die Umwelt auch aus dem Blickwinkel der Demokratieentwicklung und des sozialen Zusammenlebens in unserer Gesellschaft betrachtet.“ Die Regisseurin nahm den Preis bewegt entgegen, ermöglicht er ihr doch, ihre begonnene Langzeitdokumentation über sehr junge Mütter fortzusetzen. So öffnet die Ökofilmtour auch Türen für die zumeist freiberuflich und oft unter prekären Bedingungen arbeitenden Filmemacher. Die Ökofilmtour selbst bekommt ab sofort einen jährlichen Haushaltstitel des Brandenburger Umweltministeriums in Höhe von 100 000 Euro zugesprochen. Laut Festivalleiter Müller ist die Ökofilmtour dennoch nur mit dem Engagement der 200 ehrenamtlichen Mitveranstalter möglich.Astrid Priebs-Tröger

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