Kultur : Der König, sein bester Kunde

Friedrich der Große als Porzellandieb

Fand der König zum Klauen schön. Schneeballvase aus Meißen (1760).
Fand der König zum Klauen schön. Schneeballvase aus Meißen (1760).Foto: spsg

Auf 6000 Quadratmetern im Neuen Palais, verteilt auf 72, zum Teil erstmals zugängliche Räume, präsentiert sich derzeit die große Jubiläumsausstellung „Friederisiko“ zum 300. Geburtstag von Friedrich II. Knapp 1500 Exponate sind noch bis zum 28. Oktober zu sehen, 1000 davon gehören zur Ausstattung des Neuen Palais. In den kommenden Wochen stellen die PNN an dieser Stelle einzelne Ausstellungsstücke vor, die viel auch über Friedrich II. erzählen und erklären können.

Für den Vater war teures Porzellan Verschwendung. Die von seinen Vorfahren gesammelten wertvollen ostasiatischen Stücke benutzte er 1717 zum Geschenke-Austausch. Friedrich Wilhelm I. ließ 152 blau bemalte chinesische Porzellane aus den Schlössern in Oranienburg und Charlottenburg an den Hof Augusts des Starken nach Dresden bringen, darunter 18 Monumentalvasen, die man später als „Dragonervasen“ bezeichnete. Im Gegenzug erhielt der preußische König 600 sächsische Soldaten zur Stärkung der Kampfkraft seiner Armee. Die Mutter, Königin Sophie Dorothea, hatte dagegen viel Sinn für das feine, vornehme Porzellan, konnte man doch mit ihm königlichen Luxus vor aller Welt unter Beweis stellen. Sohn Friedrich war wie die Königin ein Liebhaber des „weißen Goldes“. So sehr, dass er es „entführen“ ließ. Aus Meißen. Am Ende des Zweiten Schlesischen Krieges (1745) ließ er wertvolle Porzellane aus der damals bereits berühmten sächsischen Manufaktur mitnehmen. Mit dieser „Beutekunst“ stattete er Räume im Schloss Sanssouci aus. Außerdem galten sie als günstige, jedoch kostbare Geschenke für Familie, Freunde oder Gäste.

Kamen 1745 mehr als 50 Kisten mit Meißner Porzellan nach Preußen, so waren es 1763, nach dem Siebenjährigen Krieg, 79 Kisten. Dem Neuen Palais, das nach dem Krieg als „Fanfaronade“ erbaut wurde, gab Friedrich II. mit Porzellan aus der Meißner Manufaktur einen besonderen festlichen Glanz. Beispielsweise mit den 23 Schneeballvasen, die man in der Fleischfarbenen Kammer der Friedrichwohnung erleben kann. Die gesamte Vasen-Wandung ist belegt mit kunstvollen Schneebällen, grün verschlungenen Zweigen und bunten Vögeln drauf.

Während des Siebenjährigen Krieges weilte Friedrich mehrfach in der von seiner Armee okkupierten Porzellanmanufaktur in Meißen. Er verteilte Aufträge für Tafelservices und Einzelstücke, so auch für das Japanische Service im Jahre 1762. Der Modelleur Johann Joachim Kaendler berichtete: „Zu jede Schüssel und Teller haben Ihro Königl. Majt. Befohlen ein á partes Indianisches Thier und Vogel schön proportionierlich zu mahlen, als Camele, Elephanten, Renozeros, Panter-Thier, Pavian, Affen … und andere Indianische Thiere …“ Friedrich entpuppte sich nicht nur als Liebhaber des „weißen Goldes“, sondern auch als ein Kenner. Er verfolgte die Versuche, Porzellanmanufakturen in Preußen in Gang zu setzen mit höchstem Interesse. Doch erst mit der Gründung der Berliner Manufaktur von Johann Ernst Gotzkowsky 1761 konnten die künstlerischen Ansprüche des Königs befriedigt werden. Als zwei Jahre später Gotzkowsky aus ökonomischen Gründen schließen musste, kaufte Friedrich II. kurzerhand die Manufaktur. Die Porzellane, die mit dem blauen Zepter aus dem kurfürstlich-brandenburgischen Wappen gemarkt wurden, erlangten schnell europäischen Ruf. Der König wurde im eigenen Betrieb sein bester Kunde. 21 Tafelservices gab er in Auftrag. Sein erstes, das Potsdamsche, wurde 1765 für das Neue Palais bestellt. Dekoriert wurde das edle Service mit „erhabenen und vergoldeten Zieraten, gemahlt mit Guirlanden, natürlichen Blumen und Gold-Mosaique“.

Seit 250 Jahren ist das von Friedrich dem Großen initiierte KPM-Porzellan und die von ihm angewiesene Gründung der Manufaktur ein Markenzeichen für künstlerische Vollendung in Form und Dekor. Klaus Büstrin