Kultur : Der kleine Häwelmann im T-Werk

Astrid Priebs-Tröger

Jeden Abend das Gleiche. Die besorgten Eltern versuchen alles, um ihr Kind zum Einschlafen zu bewegen. Dass sie das schon lange tun, sieht man ihnen an. Doch jetzt ist es soweit: Sie werfen sich verschwörerische Blicke zu und wollen auf Zehenspitzen das Kinderzimmer verlassen. Doch ... war da nicht was? Alles vergebliche Liebesmüh? Die leise Einschlafmelodie aus der Spieluhr ist das Signal zum Wachwerden. Sehr zum Gaudium der vielen Vier- bis Sechsjährigen, die am vierten Adventssonntag dem Kleinen Häwelmann, nach den Motiven des Kunstmärchens von Theodor Storm, im T-Werk einen Besuch abstatteten.

Unter viel Getöse fliegen sämtliche Schmusetiere aus dem Bett und ans Schlafen ist nun wirklich nicht mehr zu denken. Doch warum schläft der Junge nicht? Hat er vielleicht zu viel gegessen oder ist es noch nicht spät genug? Oder hat man ihm am Nachmittag die Geschichte vom kleinen Häwelmann erzählt? Das kann gut sein, denn was er in der nächsten Dreiviertelstunde „erlebt“, hat viel mit der wunderbaren Mär von Storm zu tun.

Zwei „Zauberer-Erzähler“ kommen zum Fenster herein und versuchen zuerst mit den bekannten Schlafliedern vom Mond, dem Sandmännchen und den Schafen das Kind einzulullen, doch was ihnen letztlich mit einer ganzen Stadt aus kleinen Holzbausteinhäusern, die sich Bühnenbildnerin Heide Schollähn ausgedacht hat, gelingt, muss bei diesem phantasievollen Kind scheitern. Denn die erzählte Geschichte hat etwas in Gang gesetzt: Vielfarbige, aufregende, verrückte Träume. Wunderbar in Szene gesetzt durch originelle Spielideen von Regisseur Jens-Uwe Sprengel, ein sehr bewegliches Bühnenbild und atmosphärisch dichte Musik von Udo Koloska und viele phantastische Effekte (Wolf Hinze). Und nicht zuletzt durch das mitreißende (Schatten-)Spiel von Eltern, Zauberern, Erzähler (Franka Schwuchow und Udo Koloska) und des Jungen (Thomas Falk).

Der will hoch hinaus, genau wie Häwelmann, dem auch die Erde für sein wildes Spiel nicht mehr ausreicht, so dass er schließlich auf dem Mond landet. Im T-Werk ist der Mond eine riesige Trommel. Na, wenn das mal gut geht! Wie so ein wilder Traum endet, wissen die meisten Eltern aus eigener Erfahrung ...

Die Kinder in der Vorstellung waren jedenfalls begeistert und auch ein bisschen erleichtert. Denn kaum war das märchenhaft leichtfüßige Spiel zu Ende, nahmen sie die Spielfläche in Beschlag. Sie mussten reingucken ins fahrende Gitterbett, eins der vielen Schmusetiere streicheln oder auf die große Trommel schlagen. Ganz so, als wollten sie überprüfen, ob sie das alles nur geträumt hatten. Und kann man davon erzählen? Oder glaubt einem das sowieso keiner?

Astrid Priebs-Tröger

Weitere Vorstellungen am 20. und 21. Dezember um 10 Uhr sowie am 26. und 27. Dezember um 16 Uhr

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