• Der „berühmteste Preuße“ als Vorleser des Königs

Kultur : Der „berühmteste Preuße“ als Vorleser des Königs

Eine kleine, aber charmant-feine Spurensuche zu Alexander von Humboldt im Park Sanssouci

Eine kleine, aber charmant-feine Spurensuche zu Alexander von Humboldt im Park Sanssouci In DDR-Zeiten – bis 1981 – wurde das Gerücht hartnäckig verbreitet, der Naturforscher und Kammerherr des Kronprinzen und späteren Königs Friedrich Wilhelm IV., Alexander von Humboldt, habe während seines Aufenthaltes in Potsdam im Zeltzimmer des Schlosses Charlottenhof gewohnt. Dort soll er vor allem an seinem Hauptwerk „Kosmos“ gearbeitet haben. Dies hat sich nach regen Forschungen jedoch nicht bestätigt. Alexander von Humboldt hielt sich zwar während seiner Vorlese-Tätigkeit für Friedrich Wilhelm des öfteren im Schloss Charlottenhof auf, aber eine Wohnung wurde ihm im oberen Stockwerk des Gärtnerhauses in den Römischen Bädern zugewiesen. Im Zeltzimmer nächtigten Hofdamen von Elisabeth, der bayrischen Gattin des Kronprinzen und späteren Königs. Kastellanin Ulrike Zumpe hat sich zum 231. Geburtstag des Gelehrten und Kammerherrn am 14. September gemeinsam mit Gästen der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten auf eine spannende Spurensuche zu Alexander von Humboldt ins Schloss Charlottenhof und in die Römischen Bäder begeben. Beide Gebäudeensembles sind eng mit den Namen Friedrich Wilhelm IV. und dem Architekten Karl Friedrich Schinkel verbunden. Als Kronprinz und später als König umgab er sich gern mit intellektuell interessanten Zeitgenossen. Von 1805 – es war das Jahr als er zum Kammerherrn berufen wurde – bis zu seinem Tode im Jahre 1859 lebte Humboldt ganz in der Nähe des preußischen Herrscherhauses. Auch sein Bruder Wilhelm stand in politischen Diensten der Hohenzollern. Alexander von Humboldt war vor allem, wenn er sich nicht auf seine viel beachteten Forschungsreisen begab, als Vorleser und Berater Friedrich Wilhelms tätig. Neben den Römischen Bädern standen Humboldt Wohnräume im Schloss Sanssouci und in den Neuen Kammern zur Verfügung. Da der König sich bis in den Januar hinein im Weinbergschloss aufhielt, sprach Humboldt stets davon, dass es dort so kalt sei wie in Sibirien. Die Leseabende mit dem Wissenschaftler waren umstritten. Ulrike Zumpe zitierte eine Bemerkung Otto von Bismarcks, in dem dieser schrieb, dass die Lesungen ungewöhnlich lang waren, sich oft stundenlang hinzogen. Humboldt konnte nach Bismarcks Beobachtungen sehr charmant sein. Seinem Gegenüber hörte er jedoch nie zu und schließlich hatte man für seine ausschweifenden Ausführungen auch keine Ohren mehr. Die zur Abendgesellschaft Geladenen sowie die befohlenen Offiziere schlichen, sobald es möglich war, in den Park. Die Königin soll ihnen dann zugerufen haben. „Aber meine Herren, interessiert Sie denn ein großer Mann wie Alexander von Humboldt so wenig?“ Sarkastisch fügte sie hinzu: „Der alte Herr fängt an, etwas langweilig zu werden!“ Auf die Antipathie der Königin gegenüber Humboldt ist es zurückzuführen, dass an dessen Stelle der Schauspieler Louis Schneider als Vorleser zu den abendlichen Veranstaltungen immer mehr heran gezogen wurde. Der Gelehrte Humboldt wollte aber seinen Einfluss am Hof nicht aufgeben, sicherlich wegen seiner Anhänglichkeit zum König und des guten Salärs, aber auch wegen der königlichen Förderung der Wissenschaften und Künste, die dadurch eine Blütezeit in Preußen erhielt. Kastellanin Ulrike Zumpe sagte in ihrer Führung, dass Alexander von Humboldt große Sympathien zum Architekten Schinkel hegte. Sie wurden Freunde. Beide arbeiteten auch beruflich zusammen. So entwarfen sie gemeinsam das Palmenhaus auf der Pfaueninsel. Es wurde leider im 19. Jahrhundert Opfer eines verheerenden Brandes. Alexander von Humbodt dürfte wohl der berühmteste Preuße seiner Zeit gewesen sein. Ulrike Zumpe machte darauf aufmerksam, dass bis an die 900 Pflanzen, Tiere, Berge, Flüsse, Gletscher seinen Namen tragen, bis heute. Die Denkmäler zu seinen Ehren, vor allem im südamerikanischen Halbkontinent, sind kaum zu zählen. Potsdam verlieh ihm 1843 die Ehrenbürgerschaft. Diese kleine, aber charmant-feine „Spurensuche“ – nicht veranstaltet an einem runden Gedenktag, an dem sich „alle Welt“ mehr oder weniger oberflächlich mit Feierlichkeiten beteiligt, erinnerte ganz unprätentiös an einen großen Gelehrten, der im Dienste eines preußischen Königs stand, der ganz in unserer Nähe – im Park Sanssouci – wirkte. Klaus Büstrin

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