• DEFA-Kameramann Dressel wird 85: Nie waren Frauen schöner

DEFA-Kameramann Dressel wird 85 : Nie waren Frauen schöner

Der Defa-Kameramann Roland Dressel wird 85. In den 1980er-Jahren war er der erfolgreichste und produktivste Kameramann in der DDR.

Axel Geiss
Roland Dressel war in den 1980er-Jahren der erfolgreichste und produktivste der zahlreichen erstklassigen Kameramänner im DDR-Spielfilm. Er bekam zahlreiche Auszeichnungen. So beim zweijährlich stattfinden DDR-Spielfilmfestival. Dreimal nacheinander gewann er den Preis für die beste Kamera.
Roland Dressel war in den 1980er-Jahren der erfolgreichste und produktivste der zahlreichen erstklassigen Kameramänner im...Foto: Manfred Thomas

Potsdam - Nie waren die Frauen und die Landschaften schöner und geheimnisvoller als in den Bildern von Roland Dressel. Woran das gelegen haben könnte, bleibt sein Geheimnis; dass es zutrifft, kann nachvollziehen, wer das Glück hat, seine Filme zu kennen oder (wieder) zu sehen.

Roland Dressel war in den 1980er-Jahren der erfolgreichste und produktivste der zahlreichen erstklassigen Kameramänner im DDR-Spielfilm. Die Defa war Roland Dressels Heimat. 1932 im sächsischen Meerane geboren, wechselte er 1954, nach einer Fotografen-Lehre, ins Babelsberger Spielfilmstudio. Bis 1967 arbeitete er als Kamera-Assistent und im Abendstudium an der Betriebsakademie akribisch an den Grundlagen für die ersehnte eigene Kameraarbeit.

Unnachgiebigkeit und der Wille zum Besonderen

Seinen ersten eigenständigen Kinofilm drehte Roland Dressel, nach mehreren Fernsehfilmen, 1973. „Das zweite Leben des Friedrich Wilhelm Georg Platow“ (Regie: Siegfried Kühn) wurde von den Funktionären heftig kritisiert und nur in wenigen Filmkunsttheatern gezeigt – was Roland Dressel, der die ausgefallene Geschichte ungewöhnlich und technisch gewagt fotografiert hatte, für einige Jahre ins Abseits und den Film erst zum Geheimtipp und schließlich zu einem Klassiker der Defa beförderte.

Zu Selbstzweifeln oder Resignation führte das nicht. Denn er hatte getan, wovon er überzeugt war: „Zum Filmemachen gehören Unnachgiebigkeit und der Wille zum Besonderen. Und bei jeder Arbeit steht am Anfang die entscheidende Frage: Wie machen wir einen Film, der unverwechselbar ist? Diesem Gedankenspiel – suchen und verwerfen und infrage stellen – sind keine Schranken auferlegt vom ersten konzeptionellen Ansatz bis in die Dreharbeiten hinein.“ An eine unverkennbare „Handschrift“ hatte er dabei nicht gedacht: „Einen Bildstil, als etwas relativ Unveränderliches, kann und sollte man nicht anstreben. Die Bildsprache muss dem entsprechen, was der Film insgesamt erfordert und ermöglicht, sie muss sich aus der Geschichte, die erzählt wird, ergeben.“

Freude und Anstrengung beim Filmemachen 

Diese Prinzipien kompromisslos umzusetzen, gelang ihm in den 1980er-Jahren etwa mit der Regisseurin Evelyn Schmidt bei „Das Fahrrad“ (1981) und mit „Olle Henry“ (1983) von Ulrich Weiß. Und besonders in festen Arbeitsbeziehungen mit den Regisseuren Rainer Simon und Roland Gräf. Ein Ergebnis waren zahlreiche Auszeichnungen. So beim zweijährlich stattfinden DDR-Spielfilmfestival. Dreimal nacheinander bekam er den Preis für die beste Kamera. „Die Frau und der Fremde“ (Regie: Rainer Simon) wurde 1985 bei der Berlinale zudem mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. In der Liste der Preise fehlt „Jadup und Boel“ von Rainer Simon, Roland Dressels 1980 kurz vor der Premiere verbotenes und erst 1988 uraufgeführtes „Lieblingskind“. „Bei dem Film waren das absolute Einvernehmen mit den Schauspielern und die Freude und Anstrengung, die man beim Filmemachen erleben muss, besonders stark“, sagt er. Das führte zu mythisch aufgeladenen Bildern als kongenialen Ausdruck der tiefgründigen Geschichte.

Das Ende der Defa war für Roland Dressel mehr als eine Zäsur. Seinen über 30 Filmen bis 1992 folgten bis zu seiner letzten Arbeit („Verzweiflung – Liebe bis unter die Haut“, Regie: Marcus Lauterbach), ganze sechs. Das „Filmband in Gold“ für die Bildgestaltung in „Abschied von Agnes“ von 1994 (Regie: Michael Gwisdek) änderte nichts: Im Jahr 2000 war für ihn Schluss. Woran es lag, will er nicht erörtern. Dass es „seinen“ Regisseuren ähnlich erging, spielte sicher eine Rolle, war aber nicht der Grund. Wie bei ihnen war es für ihn „der Markt“ – was dieser brauchte und anzubieten hatte. Und die eigene Haltung: der Unwille, sich diesen Bedingungen anzupassen und die gelebten Grundsätze zu vergessen.

Seit mehr als 50 Jahren wohnt Roland Dressel in Sichtweite des ehemaligen Spielfilmstudios. Dessen Entwicklung geht ihm nahe: „Die Defa-Geschichte ist zu Ende. Wir haben uns mit Ehrfurcht vor dem Beruf und vor der Aufgabe bemüht, das Beste zu geben. Ich habe damit abgeschlossen. Wenn ich heute an die Defa denke und sehe, was aus dem Gelände geworden ist, werde ich schwermütig.“