Kultur : Dazwischen tobt das Leben

Gespräch zu der bewegenden Tragikomödie „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ im Thalia-Kino

Astrid Priebs-Tröger
Gesprächsbereit. Rosalie Thomass, Markus Färber und Helen Woigk (v.l.).
Gesprächsbereit. Rosalie Thomass, Markus Färber und Helen Woigk (v.l.).Foto: Thomas

Drei anstrengende, aber gute Jahre liegen hinter ihm, sagte André Erkau, als er am Freitag im Thalia-Kino seinen neuen Film präsentierte. Die Tragikomödie „Das Leben ist nichts für Feiglinge“, die auch auf der diesjährigen Berlinale gezeigt wurde, beruht auf dem gleichnamigen Roman von Gernot Gricksch. Der ist sein Freund und hatte dem Regisseur die literarische Vorlage vor drei Jahren in die Hände gedrückt. Erkau war sofort von der Geschichte in den Bann gezogen und hat mit Gricksch insgesamt sieben Drehbuchfassungen erarbeitet. Sie seien immer noch Freunde und planen bereits das nächste Projekt, sagte der Regisseur gut gelaunt im Zuschauergespräch.

Zu diesem blieben fast alle aus dem Publikum, denn, wie einige von ihnen bekannten, war ihnen die Geschichte der Familie Färber unter die Haut gegangen. „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ erzählt vom Sterben, dem Tod und dem Umgang mit beidem. Aber nicht als Melodram, sondern mit viel Humor, großer Leichtigkeit und immer sehr lebendig. Zu Beginn des Films erfährt man, dass die Ehefrau von Markus Färber durch einen Unfall plötzlich aus dem Leben gerissen wurde und am Ende stirbt seine Mutter. Und dazwischen tobt das Leben! Das natürlich wenig Rücksicht nimmt auf Trauer, Sprachlossein und Einsamkeit.

Zum Filmgespräch kam nicht Wotan Wilke Möhring, der den Markus Färber mit sparsamen Gesten, aber sehr überzeugend in seiner Trauer und Hilflosigkeit spielt, sondern die beiden jüngsten Darstellerinnen des bis in die kleinste Rolle hochkarätig besetzten Streifens. Die 21-jährige Helen Woigk spielt hier ihre erste Hauptrolle und verkörpert die 15-jährige Tochter von Markus Färber. Ihre nur fünf Jahre ältere, jedoch schon mit diversen Filmpreisen geehrte Kollegin Rosalie Thomass stellt die Pflegerin Paula dar.

Rosalie Thomass, die, wie sie erzählte, für ihre Rolle sogar ein Praktikum in einem Altenheim in der bayrischen Provinz absolvierte, punktete mit ihrer Vorliebe für Dialekte. Im Film gibt es immer wieder Gelegenheit, mittels Rollenspiel verfahrene Situationen zu retten und so manches Mal dachte man dabei, dass die Altenpflegerin, die sie mit großem Herzen und kessem Mundwerk verkörperte, doch Schauspielerin werden sollte. Ihre jüngere Kollegin Helen Woigk, die im Thalia, so wie auch im Film, in dem sie Gothic-Klamotten trägt, ganz in Schwarz erschien, erzählte vor allem davon, wie sie als „Küken“ von den erfahrenen Kollegen aufgenommen worden war.

In ihr Schwärmen stimmte Rosalie Thomass mit ein, die besonders von der Zusammenarbeit mit Christine Schorn profitierte. Schorn spielt im Film die sterbende Großmutter und ist für ihre einfühlsame Darstellung der krebskranken Alten für den Deutschen Filmpreis nominiert worden. Es ist sehr berührend, diese vielseitige und reife Schauspielerin in dieser Rolle zu erleben, die, wie der ganze Film, mit Genauigkeit und Sicherheit zwischen Weinen und Lachen hin- und herpendelte.

Dieses Wechselbad der Gefühle wird, so sagte auch ein Zuschauer, vor allem durch die Musik ermöglicht. Der Soundtrack des Komponisten-Duos Kahles & Blaser bereitet den Boden, auf dem sich der Film entfalten kann. Und mit Original-Tracks von „Two Fingers“ sowie „Sign“ und „Nude“, einer isländischen New-Metal-Band beziehungsweise einer Industrial-Band, unterstreicht sie die Balance zwischen Tragik und Komik, mit der André Erkau die Geschichte der durch das Schicksal geprüften Familie Färber erzählt. Und nicht zu vergessen: die Bilder des Kameramannes Ngo The Chau, der mit seiner Kamera, wie André Erkau sagte, ein ungemein lebendiges Mitglied des Ensembles war.

Astrid Priebs-Tröger

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