• Das neue Museum Barberini: Ein Potsdamer in Rom

Das neue Museum Barberini : Ein Potsdamer in Rom

Von der Havel an den Tiber und zurück ins Barberini: Die Briefe Johann Gottlieb Puhlmanns.

Ganz schön südländisch. Und doch mitten in Brandenburg: Die Wasserseite des Palais Barberini in einer Aufnahme vor 1945. Der Potsdamer Geschichtsmaler J. G. Puhlmann war beim Palastbau 1771 dabei. Das römische Original beschrieb er später in Briefen – die nun im neu errichteten Palazzo gelesen wurden.
Ganz schön südländisch. Und doch mitten in Brandenburg: Die Wasserseite des Palais Barberini in einer Aufnahme vor 1945. Der...Foto: Archiv

Der Potsdamer Geschichtsmaler Johann Gottlieb Puhlmann hat die Bauarbeiten zum Palast Barberini und dessen Fertigstellung auf dem Alten Markt in den Jahren 1771/72 selbst erlebt. Der repräsentative Bau wurde auf Veranlassung Friedrichs des Großen errichtet und bildete mit seiner frühbarock wirkenden Fassade einen repräsentativen Abschluss des Marktes. Der vom König angestrebte Charakter einer römischen Piazza wurde durch dessen Kennenlernen von Kupferstich-Wiedergaben römischer Architekturen des Künstlers Giovanni Battista Piranesi noch einmal angefeuert, sodass Carl von Gontard beauftragt wurde, dem Palazzo Barberini auch in Potsdam eine Heimstatt zu geben.

Einige Jahre später sollte Puhlmann das Original in Rom kennenlernen. Der in Sachen Malerei ambitionierte Potsdamer Gastwirtssohn strebte eine Ausbildung als Maler bei Pompeo Batoni in Rom an, der vom Papst und von europäischen Fürsten sehr geschätzt wurde. 13 Jahre, von 1774 bis 1787 blieb Puhlmann in der italienischen Stadt. Er reiste gemeinsam mit dem Gärtnerssohn Franz Hillner, der ebenfalls seine Malstudien in Rom fortführen wollte. Neben dem Malen war Puhlmann ein fleißiger Schreiber. Regelmäßig erhielten die Eltern in seiner Heimatstadt Briefe von ihrem Sohn, in denen er detailreich über sein Studium bei Batoni und über das farbige Leben in der Stadt am Tiber berichtete. Im Jahre 1979 veröffentlichte der Henschelverlag Berlin die Briefe des Batoni-Schülers unter dem Titel „Ein Potsdamer Maler in Rom“. Der renommierte Kunstwissenschaftler Götz Eckhardt, der zu DDR-Zeiten bei den Staatlichen Schlössern und Gärten Potsdam-Sanssouci leitend tätig war, hat den schriftlichen Nachlass Puhlmanns herausgegeben und kenntnisreich kommentiert.

Aus diesen Briefen las am Mittwochnachmittag Bernd Geiling, Schauspieler am Hans Otto Theater. Während der gegenwärtigen Besuchertage des neuen Museums Barberini, in denen man die edlen Ausstellungsräume ohne Kunst erkunden kann, wird zu Veranstaltungen eingeladen, die auf einstige Nutzungen des Palastes bis zu seiner Zerstörung im April 1945 aufmerksam machen. So erinnert man heute mit drei Trauungen an das Standesamt, das im Palazzo seinen Sitz hatte. Das sich als kulturelles Zentrum etablierte Haus besaß aber auch ein Kino, eine Bibliothek, eine Tanzschule und sogar ein Theater. Die Stummfilm-Lounge am heutigen Freitag, die Tangokurse am Samstag lassen für einige Stunden die einstigen vielfältigen Kulturangebote lebendig werden.

Das Hans Otto Theater wollte mit seiner gut besuchten und von den meisten Zuhörern konzentriert verfolgten Lesung an die Bühnenkunst im Palast Barberini und vor allem an die Interimsspielstätte „Blechbüchse“, die ab 1993 fast eineinhalb Jahrzehnte auf dem Grundstück des heutigen Museums stand, in Erinnerung rufen. Mit den Puhlmann-Briefen traf man eine gute Wahl dafür. In dem exzellenten Vorleser Bernd Geiling eigentlich auch. Diesmal raste er allerdings in einem sehr schnellen Tempo durch den Text, ließ den Zuhörern und sich selbst zu wenig Pausen, um die Briefe zu strukturieren. Mehr Zeit zum Nachdenken wäre für die Zuhörer nicht schlecht gewesen. Dennoch versuchte er in die oftmals pointiert lebhaften Briefe Puhlmanns einen schönen ironischen Hintersinn einzubringen. Der Maler-Adept Batonis aus Potsdam erzählt nämlich bildhaft und mit Vergnügen von seinen künstlerischen Fortschritten, von ausgedehnten Spaziergängen in der Ewigen Stadt und Umgebung, den Besuchen zahlreicher Kirchen, die viele wertvolle Gemälde beherbergen, von den Volksfesten oder christlichen Festtagen, die in Rom durch die Anwesenheit des Papstes eine besondere Stimmung hervorriefen.

Puhlmann erhoffte sich von Friedrich dem Großen Unterstützung, aber die blieb aus. Doch von dessen Thronfolger Friedrich Wilhelm II. erhielt der Maler für sein in Rom gemaltes Gemälde „Leda und der Schwan“ viel Beifall. 1787 kehrte der Maler nach Potsdam zurück. Der neue König berief ihn zum Inspektor der Bildergalerie. In seiner Heimatstadt fühlte sich Puhlmann an seinen italienischen Aufenthalt erinnert. So manches Gebäude im Herzen Potsdams fand er als Kopie wieder, so auch am Alten Markt. Der Palast Barberini, das Alte Rathaus, das Prediger- und Schulhaus der Nikolaikirche, der marmorne Obelisk mit römischen Senatorenfiguren sowie natürlich die St. Nikolaikirche. Puhlmann erlebte noch das durch Friedrich den Großen italienisierte Gotteshaus (erbaut 1724 von Friedrich Wilhelm I.), das mit einer Schaufassade nach dem Vorbild von S. Maria Maggiore in Rom geschmückt wurde. Die Zerstörung des Barockbaus durch einen Brand musste der Galerieinspektor, der nur noch selten künstlerisch tätig war, mit ansehen. Sein Rom-Mitreisender Franz Hillner bannte jedoch das schreckliche Ereignis von 1795 auf ein Gemälde.