Kultur : Das Erbe der Künstler

Thomas Kumlehn und Liane Burkhardt stellen die Initiative „Künstlernachlässe im Land Brandenburg“ vor

Liane Burkhardt Thomas Kumlehn

Unsere Initiative „Künstlernachlässe im Land Brandenburg“ entstand vor knapp dreieinhalb Jahren. Der kaum beleuchtete Quellenwert der Künstlernachlässe für die lokale Kultur- und Kunstgeschichte war und ist unsere Motivation, einen „mobilen Nachlass-Service“ entstehen zu lassen (vgl. Thomas Kumlehn: Alle Künstlernachlässe in einer Datenbank, PNN vom 31.05.2013).

Es ging und geht uns um die Unterstützung der Nachlasshalter dort, wo sich die Nachlässe im Land Brandenburg befinden. Unsere Datenbank www.private-kuenstlernachlaesse-brandenburg.de startete am 1. Mai 2014 mit dem Nachlass- und Werkverzeichnis für den Maler Philipp Schack (1966-2005). Im August, kurz vor der Eröffnung der aktuellen Sonderausstellung im Potsdam Museum „Stadt-Bild / Kunst-Raum“, folgte das Nachlassverzeichnis für den in der Ausstellung mit Bildern aus dem Sammlungsbestand vertretenen Werner Gottsmann (1924-2004). Die nächsten werden der Maler Kurt Robbel (1909-1986), der Stahlplastiker Christian Roehl (1940-2013) und der Maler Hubert Globisch (1914-2004) sein.

Am Anfang unserer Arbeit stand die Recherche vor Ort. Unsere Besuche bei privaten Nachlasshaltern im Land Brandenburg offenbarten fast durchgängig, dass sie zum Engagement sehr willig sind, allein(!) jedoch die Erfassung und Vermittlung nicht leisten können. Parallel analysierten wir das von Nachlass-Initiativen in den alten Bundesländern bis heute praktizierte Archiv-Modell, was wir als Alternative nicht teilen. Seither entwickeln wir ein Pilotprojekt, das diesen privaten Willen zum Engagement fachlich führen und unterstützen will. Dazu entstand ein „Werkzeug“ speziell für die Nachlasshalter: ein leicht zu praktizierendes, webbasiertes Erfassungsformular, für das lediglich ein Internet-Zugang notwendig und das mit den gängigen Erfassungsprogrammen von Museen kompatibel ist. Damit bereiteten wir den Weg, um private Künstlernachlässe durch private Hand erfassen zu lassen und sie über die Datenbank öffentlich zugänglich zu machen – für Forschung, Ausstellungsbetrieb und Kunsthandel.

Das Herz des „mobilen Nachlass-Service“ ist die quellengestützte Grundlagenforschung, ihre Dokumentation und Vermittlung. Dabei setzen wir auf das uns begegnete hohe Engagement der Nachlasshalter in Zusammenarbeit mit der Universitäts- und Hochschulausbildung, beispielsweise mit der Fachhochschule Potsdam, Fachbereich Archiv- und Bibliothekswissenschaften. Die Nachlassverzeichnisse (Malerei, Grafikdesign) zu Werner Gottsmann (1924-2004) erstellte bereits eine Studentin dieses Fachbereiches.

Mit dem Fachbereich Museumsmanagement und -kommunikation der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft gibt es einen hierauf zielenden Kooperationsvertrag für zukünftige studentische Mitarbeit. Ein zweiter Kooperationsvertrag mit dem Potsdamer Zentrum für Zeithistorische Forschung e.V. sichert die Online-Präsentation der Datenbank. Auf dieser Grundlage sind sämtliche Ergebnisse unserer dezentralen Erfassungs- und Vermittlungsarbeit uneingeschränkt digital zugänglich. Wir verstehen unsere Arbeit grundsätzlich in Kooperation mit der Arbeit der Museen, die einen Kunstbestand besitzen. Hierin wurden wir im Ergebnis unserer im Sommer 2012 im Auftrag des Brandenburgischen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur erhobenen Bedarfsanalyse von der Mehrzahl der befragten Museen bestärkt. Denn das Potenzial unserer Ergebnisse könnte deren Auseinandersetzung mit dem eigenen Sammlungsprofil durchaus schärfen.

Inzwischen kümmern wir uns mit gleicher Intensität auch um die Sensibilisierung für künstlerische Vorlässe. Denn wie ungeahnt abrupt aus einem Vorlass ein Nachlass werden kann, zeigten jüngst Rainer Fürstenberg (1961-2013), der Anfang November verstorbene Harry Mohr (1951-2014) oder Christian Roehl (1940-2013). In die Entstehung der gerade erschienenen Roehl-Monografie „Vom Innehalten der Plastik im Raum“ mit den Werkverzeichnissen Plastik/Kunsthandwerk als Buch waren wir eingebunden. Zu betonen ist, dass die seit den 90er-Jahren durch seine Partnerin, Alice Bahra, entstandene Werkdokumentation eine wesentliche Voraussetzung zu diesem Standardwerk war.

Die erwähnte Erfassungssoftware kann von Künstlern bereits zur Vorlass-Bearbeitung genutzt werden, wodurch einerseits die zukünftige Übernahme in die Datenbank www.private-kuenstlernachlaesse-brandenburg.de unkompliziert wäre. Bis dahin kann die laufende Erfassung natürlich in die jeweilige Künstler-Website eingestellt werden. Andererseits wäre generell für die zukünftige Nutzbarmachung von Nachlässen die Vorlass-Pflege eine überaus zielführende Voraussetzung. Damit stehen wir partiell in Übereinstimmung mit dem Brandenburgischen Landesmuseumsverband, der die Vorlass-Pflege unterstützen will. Mit ihm wünschen wir uns zukünftig eine praktische Zusammenarbeit wie auch mit dem Brandenburgischen Verband Bildender Künstlerinnen und Künstler e.V. und den nichtorganisierten Künstlern des Landes. Die Vorlass-Pflege ist eines der Themen der von uns am 24./25.04.2015 im Potsdam Museum geplanten Werkstatt-Tagung „Künstlernachlässe“.

Die öffentliche Vermittlung der Nachlässe zwecks Einbringung in Forschung, Ausstellungsbetrieb und Kunsthandel hätte eine Wertbeimessung zur Folge und ist der wohl schwierigste Part für jeden privaten Nachlasshalter. Daher wäre die überregionale Vernetzung der Akteure sinnvoll. Und es gilt, den Nachlasshaltern Kontakte zu lokalen Museen und Archiven, zu Galerien und auch zu privaten Kunstsammlern zu vermitteln. Das sind die grundlegenden Aufgaben des sich am 31. Januar 2015 gründenden gemeinnützigen Vereins „Künstlernachlässe im Land Brandenburg“.

Der Diplom-Kulturarbeiter Thomas Kumlehn und die promovierte Kunsthistorikerin Liane Burkhardt begründeten 2011 die Initiative „Künstlernachlässe im Land Brandenburg“. Die gemeinsamen Arbeitsschwerpunkte umfassen regionale Kultur- und Kunstgeschichte sowie Künstlernachlässe.

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